Bosch Rexroth: Europas größter Fahrsimulator in Betrieb  1

Nachtfahrt auf der Landstraße. Der Fahrer sieht eine Bewegung aus dem Augenwinkel, da weicht das Auto schon selbstständig dem plötzlich auftauchenden Hindernis aus. Ein Assistenzsystem hat die Gefahr erkannt. Je nach Temperament und Fahrerfahrung reagieren Menschen sehr unterschiedlich auf solche Eingriffe. Genau diese Reaktionen erforschen Wissenschaftler der Universität Stuttgart jetzt mit dem europaweit größten Fahrsimulator.

Die von Bosch Rexroth entwickelte und gelieferte Antriebs- und Steuerungstechnik erzeugt mit Bewegungen in acht Richtungen ein realistisches Fahrgefühl und ermöglicht Testreihen mit identischen Situationen.

Der Testfahrer steigt in das auf einer Plattform montierte Fahrzeug ein. Statt Motor und Rädern ist die Karosserie unter der Motorhaube gefüllt mit Elektronik. Dann senkt sich eine Kuppel herab und versetzt den Fahrer mit einer 360-Grad-Videoprojektion in eine andere Umgebung. Beim Tritt auf das Gaspedal drückt ihn die vermeintliche Beschleunigung in den Sitz, beim Bremsen zieht ihn die Fliehkraft nach vorn. Von außen betrachtet, fährt die Kuppel auf Schienen gerade einmal zehn Meter hin und her. Gleichzeitig neigen sechs Teleskopbeine, ein so genannter Hexapod, die Plattform in die unterschiedlichsten Winkel. Damit ein realistisches Fahrgefühl entsteht, müssen Projektion und Bewegungen perfekt übereinstimmen. Das Antriebs- und Steuerungssystem von Bosch Rexroth setzt die Bildinformationen in weniger als 30 Millisekunden in die passenden Bewegungen um. Zum Vergleich: Ein Wimpernschlag dauert im Schnitt 150 Millisekunden.

Mit 4.000 Kilogramm Traglast ist der Stuttgarter Fahrsimulator der derzeit größte in Europa. Seit Mitte der 1980er-Jahre hat Bosch Rexroth die Technik kontinuierlich weiterentwickelt. Zu Beginn war jeder Simulator ein Unikat. Mittlerweile hat das Unternehmen einen Baukasten mit elektrischen und hydraulischen Antrieben sowie einer Hochleistungssteuerung mitsamt der Software erstellt. Das System deckt die verschiedensten Gewichtsklassen und Leistungsanforderungen ab. Damit ausgerüstete Simulatoren bewähren sich bei zahlreichen Automobilherstellern und Forschungseinrichtungen weltweit.

In Stuttgart erforschen das Institut für Verbrennungsmotoren und Kraftfahrwesen (IVK) der Universität Stuttgart und das Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS) mit Hilfe des Simulators, wie unterschiedliche Autofahrer auf Assistenzsysteme reagieren. Dabei stehen eine höhere Verkehrssicherheit und eine verbesserte Energieeffizienz im Mittelpunkt. Bislang waren solche Versuche für die Forscher realistisch nur auf Teststrecken und im Straßenverkehr möglich. Jetzt können sie risikofrei auch kritische Situationen testen und wissenschaftlich korrekte Ergebnisse ermitteln.

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