Big Data zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze CeBIT-Messe 2014. Mit neuen

Big Data zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze CeBIT-Messe 2014. Mit neuen Security-Konzepten soll Big Data sogar Risiken mindern helfen. Bild: CeBIT

Die Welt der Elektronik und Software wächst immer mehr mit der industriellen Welt zusammen. Gewaltige Datenmengen müssen dabei bewältigt werden, neue Vernetzungen entstehen, und immer wieder tauchen neue Fragen der Sicherheit auf. Dafür werden auf der CeBIT 2014 in Hannover konkrete Anwendungsbeispiele zu sehen sein.

Eine Industrie 4.0 erfordert die Erhebung und Bearbeitung gewaltiger Datenmengen. Unter dem diesjährigen Motto „Datability“ werden auf der CeBIT praktische Anwendungsfälle für die Umsetzung der vernetzten Produktion gezeigt. „Der Begriff setzt sich aus dem Markttrend Big Data und Ability zusammen und umschreibt damit die Möglichkeit, große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit zu nutzen,“ erklärt Oliver Frese, CeBIT-Vorstand der Deutschen Messe.

Der Zugang zu elektronischen Daten erfolgt immer mehr über mobile Geräte. Der Mobile Enterprise Park der CeBIT 2014 ist eine Gemeinschaftsausstellung rund um das Thema Mobile-IT. Das angeschlossene Expert Panel Mobile Enterprise bietet dem Besucher einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Trends beim Zusammenwachsen von Unternehmens-IT und mobiler Welt. Mehr als 60 Fachvorträge und Podiumsdiskussionen beschäftigen sich mit den aktuell relevanten Fragestellungen des Mobile Enterprise. Thematische Schwerpunkte sind Mobile Strategy, Mobile Device Management, Mobile Security, mobile kaufmännische und mobile Industrielösungen (CRM/ ERP/ BI/ Office, Service, Instandhaltung, Logistik), Softwareentwicklung und Systemintegration sowie Mobile Marketing.

CeBIT

Die CeBIT entwickelte sich im Laufe der Jahre zur 100-prozentigen Business-Messe. Denn die neue Technikergeneration wächst ganz selbstverständlich mit Tablet-Computern, Smartphones und im Umgang mit den elektronischen Medien heran. Bild: CeBIT

Trust and Security

Das Thema Trust and Security zieht sich ebenfalls durch viele Anwendungspräsentationen hindurch. Die jüngsten Enthüllungen über umfassende staatliche Kontrollen des Datenverkehrs haben das Thema Daten- und Systemsicherheit wieder in den Fokus gerückt. Den bedeutenderen Schaden bei der betrieblichen IT verursachen aber immer noch die Mitarbeiter im eigenen Haus. Dieser Schwachpunkt kann sich dadurch verstärken, wenn immer mehr elektronische Geräte sowohl privat wie beruflich genutzt werden.

Das Fraunhofer SIT hat hierfür die Security-Lösung BizzTrust entwickelt, um geschäftliche Daten und Dienste zu schützen, ohne die Funktionalität von Smartphones einzuschränken. BizzTrust-Smartphones erkennen, ob die Inhalte zu einer privaten oder geschäftlichen Anwendung gehören, speichern diese getrennt im jeweiligen Abschnitt ab und kontrollieren den Zugriff auf diese Daten während des Betriebs. Dies erhöht die Sicherheit der Geschäftsdaten, der Mitarbeiter kann trotzdem privat Apps installieren. Selbst wenn Angreifer also eine unsichere App einschleusen, können sie damit nicht auf die Firmendaten zugreifen.

Von den zehn weltweit größten Security-Software-Anbietern sind sieben auf der CeBIT vertreten: Symantec, McAfee (jetzt als Teil von Intel), IBM, EMC, Trend Micro, Kaspersky und Microsoft. Weitere Player im Security-Segment der Messe sind unter anderem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie die Unternehmen Barracuda, EgoSecure, ESET, Fortinet, itWatch, Palo Alto, Secusmart, Watchguard und Websense.

Datensicherheit beginnt bei der Identifizierung des Nutzers. Neue biometrische Zugangssysteme bieten eine maximale Sicherheit und sind einfach zu bedienen, erklärt Jürgen Walter, Zentraleuropachef von Fujitsu. Diese Zugangssysteme sind jetzt auch für mobile Geräte ausgereift. Beim zunehmenden Austausch der Daten wird als zweiter Sicherheitsschritt die zuverlässige Verschlüsselung der Daten zwischen Endgerät und Server immer wichtiger.

Neue Technik

Zwei Welten – Ein Gerät
Viele Industrieunternehmen kennen das Problem. Junge Techniker sind schwer zu bekommen und erwarten ganz selbstverständlich, dass sie ihre privaten Smartphone auch für ihre Arbeit nutzen möchten. Doch in Zeiten, in denen Sicherheitsfragen im Umgang mit mobilen Geräten immer wichtiger werden, stellt dies manches Unternehmen vor große Herausforderungen. Wie können private und Unternehmensdaten in einem Gerät gesichert, verwaltet und gegebenenfalls gelöscht werden? Wie kann ein Gerät mit zwei unterschiedlichen Nutzungswelten bei Verlust gesperrt werden? Wie wird ein nicht gewolltes Weiterleiten von Unternehmensdaten verhindert?
Mit der „Save Mobility Workforce“ stellt Trend micro eine sichere Anbindung von Firmendaten auf private Endgeräte auf der CeBIT vor. „Die Daten verlassen dabei nicht den Firmenserver und können auf den privaten Geräten nur angezeigt und nicht gespeichert werden“, erklärt Udo Schneider, Communications bei Trend micro. Die Arbeitsoberfläche des Nutzers kann vom Firmenadministrator komplett verwaltet werden. Auf private Daten kann er jedoch nicht zugreifen, so Schneider.

Industrial Internet

Die umfassende Digitalisierung von Produktion und Logistik verändert die industrielle Wertschöpfung. Kürzere Innovationszyklen, flexiblere Fertigung sowie individualisiertere Produkte sind immer einfacher zu realisieren. Was Industrial Internet bedeutet und welche Chancen sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland ergeben, erläutern Prof. Dr. Dr. August-Wilhelm Scheer, Geschäftsführer der Scheer Group, Maximilian Brandl, CEO von EPlan und Werner Struth, Mitglied der Geschäftsführung bei Bosch auf den CeBIT Global Conferences.

CeBITDean Douglas, künftiger CEO von Unify, präsentiert am 10. März die Eröffnungs-Keynote der CeBIT Global Conferences. Unify, ehemals Siemens Enterprise Communications, präsentiert sich auf der CeBIT 2014 in Halle 13 als neue Marke. Als eines der wichtigsten Angebote stellt Unify das Projekt Ansible in Hannover vor. Die dynamische Plattform für die Kommunikation und Zusammenarbeit geht weit über die Möglichkeiten hinaus, die Unified Communications (UC) heute ermöglicht.

Partnerland Großbritannien

Großbritannien ist Europas IT-Hotspot und 2014 Partnerland der CeBIT. „Unser europäischer Nachbar wird sich in Hannover als starke und innovative IT-Nation präsentieren. Die Besucher werden mit Großbritannien eine Hightech-Nation erleben, die in vielen Themenfeldern wichtiger Impulsgeber für die gesamte Branche ist. Zum Beispiel, wie zukünftig 26 Millionen Haushalte auf Smart Meter umsteigen können“, so Messevorstand Frese.
Ulrich Dietz, Vizepräsident des Verbands Bitkom, drückt seine Freude über die Partnerschaft aus: „Großbritannien und Deutschland sind die zwei Schwergewichte auf dem europäischen ITK-Markt. Zusammen kommen beide Länder auf einen Umsatz von 265 Milliarden Euro, was fast einem Zehntel des gesamten Weltmarktes entspricht.“
Die Britischen Unternehmen präsentieren sich in Hannover unter anderem mit den Themen Smart Cities, Datenwissenschaft, e-Health, M2M, Internetsicherheit und digitale Medien.

IT-Weltzentrale China

„Unsere Ausrichtung auf 100 Prozent Business und die branchenadäquate Gliederung treffen die Anforderungen des Marktes. Insbesondere aus dem asiatischen Raum verzeichnen wir wachsenden Zuspruch, mit einem klaren Schwerpunkt aus China“, so Frese. Gleichzeitig gebe es Unternehmen, die ihre Präsenz in Hannover weiter ausbauen, wie Samsung oder Huawei. China ist wieder die größte Ausstellernation. Aus der Volksrepublik sind 611 Aussteller, aus Hongkong 110 und aus Taiwan 158 Aussteller gemeldet. Neben vielen kleinen Ständen, hinter denen oft große chinesische Konzerne stehen, kommen jetzt auch Hightech-Konzerne mit großen Messepräsentationen aus dem Reich der Mitte. Dort wächst die neue Vernetzung von Elektronik und Produktion besonders schnell.

In einigen Bereichen der Elektronik wie der Produktion von Notebooks oder der Herstellung von Smartphones ist China unangefochten Weltmarktführer. Daher verlegen auch immer mehr westliche Konzerne Teile ihrer Forschung und Entwicklung nach China. Wer sich darüber selbst ein Bild machen möchte, braucht nach dem Besuch der CeBIT nicht nach China zu reisen.

CeBIT Innovation Award 2014

CeBIT 2014

Die CeBIT 2014 präsentiert die neuesten Entwicklungen und Lösungen der Branche erstmals in acht Topic Clustern. Das Leitthema heißt „Datability“. Bild: CeBIT

Am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stellen die Preisträger des CeBIT Innovation Award ihre Projekte vor. Auch hier sind neue Bausteine für das Konzept der Industrie 4.0 zu sehen. Usability, die Benutzerfreundlichkeit von Systemen, gehört mittlerweile zu den wichtigsten Kriterien guter Hardware und Software.

„Usability ist heute ein integraler Bestandteil der IT-Entwicklung geworden. Der Dialog mit den Nutzern sollte aber noch einen Schritt weiter gehen: Partizipatives Design fördert Innovationen in der IT-Forschung und erhöht gleichzeitig die Chancen für einen Erfolg von neuen Technologien am Markt“, erklärt der Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Gesche Joost.

Ausgezeichnet wurden Christian Holz und Sven Köhler für ihr Forschungsprojekt Fiberio des Human-Computer Interaction-Lehrstuhls am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Fiberio ist ein multitouch table, der Fingerabdrücke während der Nutzung in Sekundenschnelle identifiziert. So können mehrere Nutzer ohne Registrierung oder Log-in gleichzeitig zugeordnet werden und miteinander interagieren. Die Technik, die auf der Entwicklung eines speziellen Glasfasermaterials beruht, bietet einen hohen und gleichzeitig sehr nutzerfreundlichen Sicherheitsstandard.

Ein weiterer Preisträger des CeBIT Innovation Awards ist die Projektgruppe von Sebastian Winkler mit der App shoutr. Das Programm ermöglicht den Austausch von Bildern und Musik mit Smartphones, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Dabei entsteht eine direkte Verbindung zwischen den Geräten ohne den Umweg über Clouds, Server oder sonstige Internetdienste. Die App weist eine einfach Bedienbarkeit und eine hohe Praxisrelevanz auf. Die Sicherheit der übertragenen Daten wird durch die WPa2-Verschlüsselung gewährleistet.

Das Entwicklerteam um Leonhard Oschütz stellt ihr neuartiges Konstruktionsspiel Kinematics. Das Spiel ermöglicht es Kindern und Jugendlichen ohne Vor- oder Computerkenntnisse, interaktive, sich selbstständig bewegende Roboter zu bauen. Besonders innovativ sind die neu entwickelten Steckverbindungen mit integrierter Strom- und Datenübertragung sowie der Baukasten mit seinen bewegungsfähigen Modulen. Bei der Gestaltung des User-Interfaces achteten die Forscher darauf, den Nutzern einen möglichst barrierefreien Zugang zum Thema Robotik und damit zum Steuern komplexer Systeme zu ermöglichen.

Doch ist dies kein reines Kinderspiel; die CeBIT hat sich zur 100-prozentigen Business-Messe entwickelt. Die neue Technikergeneration wächst ganz selbstverständlich mit Tablet-Computern, Smartphones und im Umgang mit den elektronischen Medien heran. Kinemacs und die vielen anderen Neuheiten der CeBIT liefern funktionierende Bausteine für den praktischen Einsatz in Produktionsunternehmen.

Industrie 4.0 ist kein festes Konzept. Es ist eher eine Entwicklungsrichtung hin zur Verschmelzung der Elektronik mit der industriellen Produktion. Die beste Technik ist dabei oft diejenige, die kinderleicht und ohne große Schulungen zu nutzen ist. Wohin dieser Weg führt, zeigt die CeBIT in Hannover. jl