Etwa 67 Prozent der Mitarbeiter leisten lediglich Dienst nach Vorschrift. Insgesamt kostet die

Etwa 67 Prozent der Mitarbeiter leisten lediglich Dienst nach Vorschrift. Insgesamt kostet die innere Kündigung von Mitarbeitern die Volkswirtschaft zwischen 98 und 118 Milliarden Euro im Jahr.

Im Engagement wurden insgesamt 1.368 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab 18 Jahren zwischen dem 30. April und 26. Juni 2013 sowie dem 4. und 25. November 2013 telefonisch zwölf Fragen zu ihrem Arbeitsplatz und Umfeld gestellt. Die Studie gibt Auskunft darüber, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern und damit das Engagement und die Motivation bei der Arbeit ist. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Arbeitnehmerschaft in Deutschland.

Immerhin: Der Anteil der inneren Kündigungen ist im Vergleich zum Vorjahr von 24 auf 17 Prozent geschrumpft. „Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des demographischen Wandels scheint sich in vielen Unternehmen die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass die Qualität der Führung und die Unternehmenskultur entscheidend sind, um die Mitarbeiter zu binden“, erklärt Marco Nink, Senior Practice Consultant bei Gallup.

Defizite in der Personalführung

Denn die Ursachen für geringe emotionale Mitarbeiterbindung lassen sich in der Regel auf Defizite in der Personalführung zurückführen. Viele Arbeitnehmer steigen hoch motiviert in ein Unternehmen ein, werden dann aber zunehmend desillusioniert, verabschieden sich irgendwann ganz aus dem Unternehmen und kündigen innerlich.

Die Hauptrolle in diesem Prozess spielt fast immer der direkte Vorgesetzte. „Unsere aktuellen Daten deuten darauf hin, dass sich das Führungsverhalten und damit auch die Qualität des Arbeitsumfeldes verbessert haben. Die Arbeitnehmer fühlen sich mehr als Teil eines größeren Ganzen“, sagt Nink.

Sie können ihre Talente besser einsetzen und wissen deutlich eher, was von ihnen erwartet wird. Die Führungskräfte binden sie häufiger in Entscheidungen ein und geben ihnen das Gefühl, einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten. Trotz dieser positiven Tendenzen sind aber nach wie vor acht von zehn Mitarbeiter nicht mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit – kurz: Sie sind nicht hoch emotional an ihren Arbeitgeber gebunden. Nink: „Es läuft am Arbeitsplatz vieles besser, aber längst noch nicht alles perfekt. Mitarbeiter werden zwar weniger demotiviert, aber durch Führungsverhalten noch lange nicht zu Höchstleistung angespornt.“

Emotional ungebundene Mitarbeiter wechseln eher den Arbeitgeber

Die emotionale Bindung hat direkte Auswirkungen auf die Verweildauer in einem Unternehmen. Denn: Emotional ungebundene Mitarbeiter neigen eher zum Arbeitgeberwechsel. 93 Prozent der emotional hoch gebundenen Mitarbeiter, aber

Mitarbeitermotivation

Etwa 67 Prozent der Mitarbeiter leisten lediglich Dienst nach Vorschrift. Insgesamt kostet die innere Kündigung von Mitarbeitern die Volkswirtschaft zwischen 98 und 118 Milliarden Euro im Jahr.

nur 45 Prozent derjenigen ohne emotionale Bindung, planen in einem Jahr noch bei ihrer derzeitigen Firma tätig zu sein. Mit Blick auf die nächsten drei Jahre wollen 80 Prozent der emotional Hochgebundenen ihrem aktuellen Arbeitgeber treu bleiben, bei den inneren Kündigern planen dies nur noch 34 Prozent. Generell wollen von den emotional ungebundenen Mitarbeitern nur 21 Prozent bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber Karriere machen. Bei denjenigen mit hoher emotionaler Bindung sind es 65 Prozent.

Die Folgen ungewollter Fluktuation bringen erhebliche finanzielle Kosten mit sich. Sie reichen vom Aufwand für Neuausschreibung, Auswahlverfahren und Einarbeitung bis hin zum Knowhow-Verlust und Kundenabwanderung durch häufige Wechsel der Ansprechpartner.

Reduziert beispielsweise ein Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitern den Anteil seiner Beschäftigten ohne emotionale Bindung um fünf Prozentpunkte und erhöht gleichzeitig die Anzahl seiner Mitarbeiter mit hoher emotionaler Bindung um den gleichen Anteil, würden sich seine Kosten durch die geringere Fluktuation um rund 420.000 Euro minimieren. Insgesamt koste die innere Kündigung von Mitarbeitern laut Gallup die Volkswirtschaft zwischen 98 und 118 Milliarden Euro im Jahr.

„Emotionale Mitarbeiterbindung wirkt als eine Art Schutzimpfung gegen Abwanderung und bietet den Unternehmen Sicherheit in ihrer Personal- und Kostenplanung“, erklärt Nink. Dies ist gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels nötig: Fast ein Fünftel aller Mitarbeiter, das sind18 Prozent stimmt vollständig zu, dass ihr Arbeitgeber große Schwierigkeiten hat, den Bedarf an geeigneten Fachkräften zu decken. Nur wenige Beschäftigte, etwa 16 Prozent,  sind zudem voll und ganz davon überzeugt, dass ihr Arbeitgeber dazu in der Lage ist, die besten Talente anzuziehen.

„Wellbeing“ rückt auf die Unternehmensagenda

 „Defizite im Arbeitsumfeld durch schlechte Führung wirken sich aber nicht nur negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen aus, sondern auch auf die Mitarbeiter selbst“, weiß Nink. Die Frage „Hatten Sie in den letzten 30 Tagen das Gefühl, auf Grund von Arbeitsstress innerlich ausgebrannt zu sein?“ bejahten 58 Prozent der emotional ungebundenen Mitarbeiter, aber nur 29 Prozent der Mitarbeiter mit hoher emotionaler Bindung. Ganze 86 Prozent derjenigen mit hoher emotionaler Bindung haben zudem innerhalb der letzten Woche Spaß bei der Arbeit gehabt, bei den inneren Kündigern sind es lediglich zehn Prozent.

Die überwiegend negativen Gefühle wirken sich auch auf das soziale Umfeld aus: 42 Prozent der emotional ungebundenen Mitarbeiter – aber nur 13 Prozent der emotional Hochgebundenen – haben in den letzten 30 Tagen drei oder mehr Tage gehabt, an denen sie sich auf Grund von Arbeitsstress schlecht gegenüber ihrer Familie oder ihren Freunden verhalten haben.

„Die Zahlen sind erschreckend, denn Unternehmen sollten ein großes Interesse daran haben, dass ihre Mitarbeiter langfristig gesund und damit leistungsfähig sind“, führt Nink aus. „Positiv stimmt, dass ein Viertel der Arbeitnehmer voll und ganz der Meinung ist, dass ihr Arbeitgeber sich für ihr allgemeines Wohlergehen interessiert.“ 57 Prozent aller Unternehmen bietet zum Beispiel Programme zur Gesundheitsförderung an. Lediglich 40 Prozent der Beschäftigten nutzen diese Angebote jedoch. „Wir sehen hierbei die Führungskräfte in einer Vorbildfunktion“, so der Gallup-Berater. „Denn erst wenn die Führungskräfte die angebotenen Programme selbst nutzen oder zumindest aktiv fördern, regt dies auch die übrigen Mitarbeitern zur Teilnahme an.“

hei