Australien ist weltweit einer der wichtigsten und größten Energielieferanten – allerdings nicht im Sinne erneuerbarer Energien. Reiche Rohstoffvorkommen an Kohle, Erdöl, Erdgas und Uran stellen ein Hemmnis für die Entwicklung eines neuen Industriezweiges dar, obwohl der Staat großes Potenzial hätte und die Voraussetzungen für Investitionen gut sind.
Autorin: Sarah HolzerAustralien exportiert rund zwei Drittel der im Land jährlich gewonnen Energieressourcen. Damit war Australien in 2008 der neuntgrößte Energielieferant weltweit. 2008 lag der Primärenergieverbrauch (PEV) bei 5772 Petajoule. Die Regierung erwartet, dass der PEV bis 2030 auf 7715 Petajoule steigen wird. Für die Stromerzeugung wird eine Steigerung auf 366 Terrawattstunden in 2030 (2008: 247 TWh) erwartet.

Die Stromversorgungsinfrastruktur ist durch zentralisierte Großkraftwerke geprägt. Die großen Kraftwerke mit bis zu 2000 Megawatt sind vor allem Dampfkraftwerke, die mit Steinkohle befeuert werden. Wasserkraftwerke gibt es in Tasmanien, Victoria und New South Wales sowie bei Brisbane. Die einzige Region, in der mit Biomasse größere Kraftwerke befeuert werden, liegt in Queensland. Der Anteil an Wind- und Solarkraftwerken steigt.

Als wohlhabende Industrienation mit geringen Strukturkosten bietet Australien potenziellen Investoren ideale Rahmenbedingungen. Die Regierung ist bemüht, ausländische Investitionen zu unterstützen und zu fördern. Die Wirtschaft weist seit Jahren ein stabiles Wachstum auf und auch der Energiebedarf wird in Zukunft weiter ansteigen. Erneuerbare Energieressourcen sind aufgrund der natürlichen Gegebenheiten Australiens reichlich vorhanden.

Australien bietet Regionen mit stetigen Winden, einen Sonnengürtel mit starker und dauerhafter Sonneneinstrahlung sowie aufgrund seiner Landwirt vielfältige Möglichkeiten der Energieerzeugung aus Biomasse. Durch reiche Rohstoffvorkommen ist die Nutzung von erneuerbaren Energien bislang jedoch nicht weit fortgeschritten und kann schwer mit der traditionellen Energieerzeugung konkurrieren.

Die große Flächenausdehnung des Landes bietet jedoch ein großes Potenzial für neue Projekte und es ergeben sich wenige Nutzungskonflikte. Insbesondere die Implementierung erneuerbarer Energien in abseits des nationalen Stromnetzes gelegenen Regionen stellt ein besonderes Potenzial dar.

Mögliche Hemmnisse für die Einführung erneuerbarer Energien sind neben dem reichen Rohstoffvorkommen und den günstigen Energiepreisen, die Trägheit der Entscheidungsträger, Haftungs- und Datenschutzfragen, wenig Erfahrungen mit Genehmigungsbehörden und Netzbetreibern sowie mögliche Währungsschwankungen.

Das wichtigste Förderinstrument der Regierung sind die Vorgaben des RET, das den Ausbau der erneuerbaren Stromversorgung steigern soll. Das Ziel 45 000 Gigawattstunden bis 2020 aus regenerativen Stromquellen zu gewinnen ist ambitioniert. Das Interesse der Bundesstaaten und Territorien drückt sich in gezielten zusätzlichen Anreizen für den Bau von erneuerbaren Energien aus.

Einige Chancen für Wirtschaftszweige, die Produkte und Dienstleis-tungen im Bereich erneuerbare Energien anbieten, sind dass Industrie und Handel Methoden zur Effizienzsteigerung und zur Senkung der Treibhausgasemissionen und Entwicklung von alternativen Treibstoffen für den Transportsektor suchen.

Die Nutzung von Biomasse spielt sich überwiegend an der Ostküste ab. Die Wachstumsprognosen sind vor allem für Biogase gut. Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) kann insbesondere in Biomasse-Kraftwerken sinnvoll zur Anwendung kommen. Wasserkraft hat für die Stromerzeugung seit Jahrzehnten eine große Bedeutung.

Die Ressourcen sind jedoch limitiert, was kein weiteres signifikantes Wachstum erwarten lässt. Australien hat mit seinen tausende Kilometer langen Küsten ideale Voraussetzungen für die Nutzung von Wellen- und Gezeitenenergie. Sowohl für die Solarthermie als auch für die Photovoltaik existieren in Australien hohe Nutzungspotenziale. Es bestehen verschiedene Fördermaßnahmen für Solarprojekte vor allem in peripheren Regionen.

Ebenso hoch ist das Potenzial für Windenergie. In den letzten Jahren hat sich die Technologie mit hoher Geschwindigkeit entwickelt und weitere Projekte sind geplant. In absoluten Zahlen kann die Windenergie jedoch nicht mit der etablierten Wasserkraft mithalten. Aktuelle Projekte und die vorhandenen Fördermaßnahmen sorgen für ein weiteres Wachstum.

Obwohl in der Nutzung der Geothermie ein gewaltiges Potenzial steckt, befindet sich ihre Nutzung noch im Pilotstadium, bereit zur Entwicklung von kommerziell erfolgreichen Anlagen. Zudem haben die australische und die deutsche Regierung eine Vereinbarung über die wechselseitige Anerkennung des Status von Banken getroffen.

Damit sind australische Banken in Deutschland und umgekehrt gleichgestellt, was eine erhebliche Erleichterung und Sicherheit für den Kapitalmarkt ist. So wird es im Länderprofil Australien der Deutschen Energie Agentur (Dena) beschrieben.

Laut dem AHK Geschäftsreiseprogramm der Deutsch-Australischen Industrie- und Handelskammer (AHK), die sich auf das Clean Energy Concil stützt, hat Wasserkraft in Australien die größte geschätze Erzeugungskapazität mit rund 13,8 Terrawattstunden pro Jahr, was einem Anteil von 54 Prozent entspricht. Dem folgen Bioenergie mit etwa 5,4 Terrawattstunden (21 Prozent) und Wind mit knapp 5 Terrawattstunden (19 Prozent).

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