Annette Blumenschein trainiert seit 1995 kreative Kompetenzen. Bild: Dr. Helmut Rüb, HR-Fotografie

Annette Blumenschein trainiert seit 1995 kreative Kompetenzen. Bild: Dr. Helmut Rüb, HR-Fotografie

Brainstorming kennt jeder, Reizwortanalyse und Impulsfragentechnik kaum jemand. Querdenker verwenden solche Ideenfindungstechniken um auf Lösungen zu kommen, die sonst niemand hat. ke NEXT wollte wissen, ob sich das Querdenken auch für die Branche lohnt und sprach mit Annette Blumenschein, der Gründerin von ATB Frankfurt, und Ingrid Ute Ehlers, der Inhaberin von Produkt + Konzept, Frankfurt.

Ingrid Ute Ehlers

Ingrid Ute Ehlers unterstützt seit über 20 Jahren im Innovationsprozess. Bild: Alexander Paul Englert

Frau Blumenschein, Frau Ehlers, warum lohnt es sich für Ingenieure und Konstrukteure, quer zu denken?
Grundsätzlich lohnt es sich natürlich für jeden Menschen, quer zu denken, sich also abseits der gewohnten Denk- und Verhaltensmuster zu bewegen. Durch unsere über 20jährige Erfahrung als Management-Trainerinnen sowie in unserer Beratungspraxis nehmen wir darüber hinaus wahr, dass gerade die technisch orientierten Berufe ja immer wieder vor der Herausforderung stehen, kreative Problemlösungen zu erarbeiten. Beispielsweise im Rahmen von Optimierungsüberlegungen für Prozesse und Verfahren, bei der Produktentwicklung oder auch begleitend in Projekten und KVP-Prozessen und im Wertschöpfungsmanagement. Genau dafür bietet das Querdenken unverzichtbare Impulse.

Was unterscheidet das Querdenken von der sonst üblichen Art zu denken?
Im Tagesgeschäft herrscht ein zielgerichtetes, eher linear zu interpretierendes Denken vor, also Schritt für Schritt und schnurstracks zum Ziel. Dabei erfasst diese gedankliche Vorgehensweise den aktuellen Zustand,  beschreibt die aktuell gültigen Vorgehensweisen, erhebt Standards und schafft so teilweise geschriebene, teilweise ungeschriebene Gesetze.  Ein solches Ausgehen vom Bestehenden und seine Weiterentwicklung führen über die kontinuierliche Verbesserung zwar durchaus zu inkrementellen Innovationen. Doch ein Prozessmusterwechsel, also etwas bisher noch nicht Dagewesenes, kann auf diese Weise nicht entstehen. Hier sind Quantensprünge des Denkens gefordert, völlig neue Betrachtungsweisen durch das Querdenken und der Mut, das zurzeit noch Unmögliche für möglich zu halten.

Annette Blumenschein

Annette Blumenschein trainiert seit 1995 kreative Kompetenzen. Bild: Dr. Helmut Rüb, HR-Fotografie

Sie trainieren unter anderem auch Ingenieure und Konstrukteure. Welche Tipps würden Sie dieser Gruppe geben?
Bei unseren On-the-job-Einsätzen  bemerken wir, dass Menschen aus technischen Berufen, also beispielsweise auch Ingenieure und Konstrukteure über eine hohe analytische Kompetenz  verfügen, und dass sie ein starkes Bedürfnis nach Struktur und Systematik haben. Dies ist sinnvoll und notwendig, wenngleich es aus unserer Sicht ebenso wichtig ist, auch einmal einen gedanklichen Umweg zu gehen, bewusst abwegig und scheinbar verrückt vorzugehen. Umwege erhöhen die Ortkenntnis, dies gilt im realen Leben genauso wie mental. Und schon Einstein wusste, dass man ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen kann, die zu seiner Entstehung beigetragen haben. Deshalb empfehlen wir gerade Ingenieuren und Konstrukteuren,  gezielt neue und andere Denktools einzusetzen, die das Gehirn provozieren, denn eben dadurch wird das Neue hervorgerufen, damit gelingt es wirkungsvoll, zu neuen Sichtweisen und originellen Lösungsansätzen zu gelangen.
Die Fragen stellte Angela Unger, Redaktion ke NEXT

Einen exklusiven Beitrag von Annette Blumenschein und Ingrid Ute Ehlers mit einer Erläuterung der Ideenfindungstechnik Reizwortanalyse finden Sie in der ke NEXT 7/8 2014 oder lesen Sie online unseren Artikel: “Mit ungewohnten Ideenfindungstechniken auf neue Lösungen kommen

Hier finden Sie einen Beitrag von Annette Blumenschein und Ingrid Ute Ehlers über die Ideenfindungstechnik Impulsfragen nach der Osborn-Checkliste.