Empathie im Unternehmen, Bild: © beeboys, Fotolia

Um das Unternehmen in Richtung Industrie 4.0 umzustrukturieren, müssen Mitarbeiter mit ins Boot geholt werden. Dabei helfen Zusammenarbeit und Kommunikation mit Empathie. Bild: © beeboys, Fotolia

Liest man die aktuellen vielzitierten Studien zum Thema Führung 4.0 und Digitale Transformation, finden Sie wiederholt Kernanforderungen für das Miteinander in Arbeitsprozessen. Es werden auch gravierende Hindernisse und Blockaden genannt, dazu zählen vor allem das Silo- und Konkurrenzdenken in Unternehmen und darüber hinaus der zunehmende Druck im Kerngeschäft: immer schneller, flexibler und innovativer zu sein. Was kann also den großen Wandlungsprozess zum Unternehmen 4.0 voran bringen oder erleichtern?

Nach meiner Meinung wäre in Unternehmen die vielgeforderte Kommunikation mit mehr Empathie und Wertschätzung eine wichtige Basis. Das Sich-Hineinfühlen in andere bewirkt, dass die Perspektive des anderen stärker wahrgenommen und im Denken und Handeln berücksichtigt wird.

Bleibt die Frage nach dem wie?

Mein Blick richtet sich auf die Schauspielgrundausbildung und gute Regie. Die Studenten werden im ersten Semester unter anderem in sensitiver Wahrnehmung des Umfeldes und anderer Menschen trainiert. Dabei wird auch das Vertrauen in die Wahrnehmung gestärkt. Ziel ist das gute Zusammenspiel der Darsteller auf der Bühne, die mit ihrem authentischen Spiel die Zuschauer bewegen und mitreißen sollen.

Ein guter Regisseur wiederum ist ein guter Coach, der im Probenprozess die Akteure ermutigt, immer wieder Varianten im Spiel ihrer Rolle zu zeigen. Durch einfühlsames Korrigieren und wertfreies Feedback vermeidet er das Entstehen von Blockaden bei seinen Darstellern und holt auf diese Weise das Optimum aus den Künstlern heraus. Man könnte fast sagen: er lockt es freundlich hervor und inspiriert sie. Dennoch hält der Regisseur steuernd die Richtung und führt seine Truppe im Sinne seiner Vision, der fertigen Inszenierung, zum gewünschten Ziel.

Eine Anlehnung an diese Art des Arbeitens und Kommunizierens könnte in Unternehmen den gesamten Wandlungsprozess positiv beeinflussen. Denn eine einfühlsamere Kommunikation öffnet die Menschen und sie verstehen die anstehenden Veränderungen leichter, was Blockaden und Widerstände reduziert. Diese Qualität sollte zum Beispiel vor allem von den Führungskräften praktiziert werden, weil sie in alle Bereiche strahlen. Die Mitarbeiter hierbei mitzunehmen und gut zu trainieren ermöglicht, dass sie insgesamt offener miteinander umgehen. Einfühlungsvermögen in der Kommunikation und im Handeln erleichtert die Arbeit, fördert den Teamgeist und wird in den meisten Fällen zu besseren Ergebnissen führen. In Verbindung mit einer offenen Informationspolitik würde dies den laufenden Transformationsprozess zum Unternehmen 4.0 erleichtern, denn die Mehrheit wird den Wandlungsprozess stärker mittragen, weil Hemmschwellen und Ängste vor Überforderung abgebaut werden. Außerdem mindert Empathie das Konkurrenzdenken.

Dies in Unternehmen zu etablieren und auszuüben, benötigt wieder das Zauberwort Üben, denn Sie können nicht einfach den Schalter umlegen und Ihr Verhalten ändert sich. Das Üben impliziert das Fehler-Machen und verhindert Frustration.