Scheibenräder sind die älteste Form des Rads. Um 3500 vor Christus entstand im Alpenvorland ein

Scheibenräder sind die älteste Form des Rads. Um 3500 vor Christus entstand im Alpenvorland ein Rad aus massivem Ahornholz. Bild: wikimedia

Wo genau das Rad erfunden wurde, wird seit über 20 Jahren in Fachkreisen heftig diskutiert. Sicher ist, dass vor 5000 Jahren an verschiedenen Orten der Welt die ersten Räder unabhängig voneinander entstanden sind. Schon vor der Benutzung des Rads verwendeten die Menschen Rollbalken und Schlitten in ihrem Alltag. Inspiriert von den bekannten Teilen, entwickelten die Menschen schließlich das Prinzip des Rad-Achsen-Aufbaus. So entstanden langsam Schlitten mit Rädern.

3500 vor Christus fertigten die Sumerer in Mesopotamien, im heutigen Irak, kleine Tontäfelchen an. Lange Zeit galt der Fund als ältester Nachweis für die Erfindung des Rads. Nach neuesten Erkenntnissen entstand jedoch gleichzeitig im Alpenvorland ein Rad aus massivem Ahornholz. Hier wurden Baumstämme in Scheiben gesägt und als Räder verwendet. Einziger Nachteil: Durch das Rad aus massivem Holz waren die Wagen extrem schwer und auch schwierig zu lenken.

Speichenrad

Um 2000 vor Christus erfanden die Sumerer das leichte Speichenrad. Die Räder wurden vor allem für den Krieg entwickelt, um schnell und beweglich zu sein. Bild: wilhely, wikimedia

Für eine Erfindung an vielen Entstehungsstätten sprechen auch die unterschiedlichen Konstruktionen: Im westlichen Mitteleuropa drehte sich das Rad zusammen mit der Achse, während in Osteuropa das Rad um die Achse rotierte.

Das Speichenrad

Um 2000 vor Christus hatten die Sumerer dann die Idee, leichtere Räder zu bauen und verwendeten schließlich Speichenräder aus Bronze. Diese Erfindung erleichterte nicht nur den Transport von Waren, sondern war vor allem auch für die Kriegsführung wichtig. Denn im Krieg war nur derjenige siegreich, der schneller und beweglicher war als der Feind. Mit den leichten Speichenrädern war das nun möglich. So wurde das Speichenrad erstmals an verschiedenen Streitwagen angebracht.

Ägypter

Schon die alten Ägypter nutzten das Rad für die Ernte und den Transport schwerer Lasten. Ab dem 4. Jahrhundert vor Christus wurden sie dann auch in der Technik verwendet, zum Beispiel als Zahnräder in Wasserschöpfwerken. Bild: wilhelmy, wikimedia

Das Wagenrad war auch in Indien, Europa und China schon früh im Einsatz. Denn die Vorteile waren immens: Die Ernte konnte schneller eingefahren werden, schwere Lasten waren leichter zu befördern, und im Krieg waren schnelle Manöver möglich.
Trotzdem sollte es noch Jahrtausende dauern bis die Chinesen herausfanden, dass nicht nur vier Räder, sondern schon ein einziges Rad zum Transport schwerer Lasten ausreicht: die Schubkarre war geboren.

Eine kleine Fahrt durch die Geschichte

Weitere Erfindungen mit dem „-rad“
1817 Das Fahrrad: Der Freiherr Karl Friedrich Drais erfindet die „Laufmaschine“. Der Fahrer kann sich rollend fortbewegen, muss sich allerdings selber mit den Füßen anstoßen. (1)
1853 Das Windrad: Der amerikanische Mechaniker Daniel Halladay entwickelt aus der Windmühle das „reine“ Windrad. Bis zu acht paddelförmige Flügel bilden ein Rad, das sich mithilfe eines horizontal ausgerichteten Zusatzflügels von selbst in die ideale Position bringt. (2)
1893 Das Riesenrad: George Washington Gale Ferris stellt auf der Weltausstellung in Chicago das erste Riesenrad (engl. Ferris Wheel) aus – eine Art „hochkant gestelltes Karussell“. (3)Eine kleine Fahrt durch die Geschichte

Das Rad in der Technik

Erst im 4. Jahrhundert vor Christus entdeckten die Ägypter und Griechen, dass das Rad auch in der Technik eingesetzt werden kann. Erste Zahnräder fanden ihren Weg in Wasserschöpfwerke und etwa 100 Jahre später dienten sie in Übersetzungsgetrieben zur Kraftverstärkung. Und um 260 vor Christus drehten sich in Byzanz die ersten Wasserräder.

In den nächsten Jahrtausenden folgten technische Verbesserungen wie etwa Hochleistungslager, Einzelradaufhängungen, in Räder integrierte Brems- und Antiblockiersysteme, hoch belastbare Leichtmetallfelgen und schlauchlose Reifen.

Schlüssel zur technischen Entwicklung

Das Rad gilt als Schlüssel zur technischen Entwicklung. Der Physiker Ernst Mach erkannte schon 1883 seine enorme Bedeutung für die Menschen. Bild: Ralf Pfeifer/Deutsches Museum

Ende des 20. Jahrhunderts machten die Physiker eine grundsätzliche Entdeckung: Sie erkannten, dass ein Rad nicht immer rund sein muss. Fahrräder mit einem ovalen Kettenrad ermöglichten dem Fahrer, seine Beinkraft gleichmäßiger zu nutzen.

Wie groß die historische Bedeutung des Rads ist, erkannte 1883 der Physiker Ernst Mach: „Nehmen Sie uns das Rad – und wenig wird übrig bleiben. Es verschwindet alles. Vom Spindelrad bis zur Spinnfabrik, von der Drehbank bis zum Walzwerk.“ Und so bleibt das Rad die wichtigste Erfindung der Geschichte und gilt als Schlüssel zur technischen Entwicklung.