Zu einem der ersten elektrisch betriebenen Straßenfahrzeuge gehört der Mini E aus dem Hause BMW, von dem nur 500 Stück gebaut wurden. Daher testeten wir bereits im Sommer dieses Jahres einen davon. ke- und antriebspraxis-Redakteur Joachim Vogl war von der Leistungsfähigkeit des flotten Zweisitzers begeistert.

Autor: Joachim Vogl, Redakteur ke und antriebspraxis

Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Auto zur Arbeit. Soweit nicht ungewöhnlich. Dafür nutzen Sie aber kein Fahrzeug mit herkömmlichen Verbrennungsmotor, sondern zum Beispiel einen emissionsfreien Mini E, der rein elektrisch angetrieben wird – schon eher ungewöhnlich, zumal BMW davon nur 500 Exemplare für ein Pilotprojekt gebaut hat.

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Jetzt wird’s interessant: Am Zielort angekommen, fahren Sie auf den Parkplatz, stellen den Elektro-Mini ab, steigen aus, holen aus dem Kofferraum das Ladekabel hervor und schließen das Fahrzeug an einer dafür vorgesehenen Ladestation (Wallbox), von der auch für Ihre Kolleginnen und Kollegen ausreichend vorhanden sind, an. Der dafür nötige Strom wird tagsüber von der Sonne und der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Betriebsgebäudes erzeugt und über die bereits erwähnte Wallbox zugeführt. Und nach getaner Arbeit dürfen Sie mit einem ‚vollgetankten‘ Fahrzeug in den wohl verdienten Feierabend brausen.

Klingt alles nicht unrealistisch und gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Stimmen nach erneuerbaren Energien und einer verbesserten CO2-Bilanz immer lauter werden, sind Elektrofahrzeuge eine interessante und vor allem willkommene Alternative, wenngleich die Reichweite mit diesen Automobilen noch zu wünschen übrig lässt.

Im Sommer 2011 testete ke- und antriebspraxis-Redakteur Joachim Vogl den Mini E.

Erlkönig-Jäger haben den Mini E bereits vor drei Jahren auf Deutschlands Straßen entdeckt. Laut Autobild.de zierte damals die irreführende Aufschrift ‚Hybrid Erprobungsfahrzeug‘ diesen Prototypen. Mittlerweile ist der Mini E durch ein gelbliches Symbol, das einerseits die Versinnbildlichung eines Schuko-Steckers und andererseits ein „E“ darstellt, rund um das Fahrzeug gekennzeichnet: Es ist zum Beispiel auf den Seitentüren, auf dem Dach sowie in kleinerer Ausführung an der Front, am Heck, auf der Abdeckung der Anschlussbuchse für das Batterieladekabel, auf der Dekorleiste der Armaturentafel sowie auf den Einstiegsleisten zu finden.

Von hinten ist der Mini E zudem an dem fehlenden Auspuffrohr zu erkennen – ein ungewohnter Anblick, zumal Mini-Liebhaber daran sofort erkennen, ob es ich um einen ‚normal‘ motorisierten Mini Cooper (mit einem Auspuffrohr) handelt, oder um die leistungsstärkere S-Variante (mit Doppelendrohr beziehungsweise zwei Auspuffrohren).

Die Rückbänke mussten zugunsten eines 260 kg schweren Energiespeichers weichen.

Auch der Blick ins Fahrzeuginnere lässt schnell erkennen, dass hier etwas anders ist: Die Rückbänke mussten zugunsten eines Energiespeichers weichen, der 260 Kilogramm auf die Waage bringt und das Fassungsvermögen des Kofferraums auf nur 60 Liter reduziert. Zwei Umhängetaschen finden dort, neben dem Ladekabel samt Adapter für den Hausgebrauch, durchaus noch Platz, ein Getränkekasten, aufgrund seiner Abmessungen, allerdings schon nicht mehr.

Die inneren Werte in der Praxis
Der Mini E wird von einem 204 PS starken Elektromotor angetrieben, der seine Energie aus einem Lithium-Ionen-Akku bezieht und seine Kraft nahezu lautlos und emissionsfrei über ein einstufiges Stirnradgetriebe an die Vorderräder überträgt. Der Elektroantrieb aktiviert ein maximales Drehmoment von 220 Newtonmetern und ermöglicht eine Beschleunigung in 8,5 Sekunden auf 100 km/h. Kurz gesagt: Das Ding geht ab wie Schmidts Katze und macht richtig Laune. Dafür ist die Höchstgeschwindigkeit auf 152 km/h begrenzt, reicht für den täglichen Gebrauch aber völlig aus.

Der Elektromotor leistet 204 PS und beschleunigt den Mini E in 8,5 Sekunden auf 100 km/h.

Gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass der Mini E stark abbremst, wenn man den Fuß vom Gaspedal nimmt. In diesem Moment erfolgt die Rückspeisung der Bremsenergie in die Akkuversorgung. So kann man das Auto in etwa 75 Prozent der Fälle abbremsen, ohne dabei das Bremspedal zu berühren. Hinterherfahrende Verkehrsteilnehmer könnte das aber irritieren, da die Bremsleuchten dadurch deutlich häufiger aufleuchten, als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Die speziell für die Anwendung im Automobil entwickelte Batterietechnik ermöglicht laut BMW eine Reichweite von über 240 Kilometern. In der Praxis sieht das aber – wie so oft – etwas anders aus: Zu Beginn der Testfahrt zeigte das Display eine Batteriekapazität von 98 Prozent an. Nach 45 ‚normal‘ gefahrenen Kilometern, überwiegend auf der Autobahn, betrug die Restreichweite nur noch 70 km. Realistisch betrachte kommt man mit dem Mine E, je nach Fahrweise und je nachdem, ob man Stromfresser wie Klimaanlage nutzt, also nur 100 bis 200 km weit. Für den täglichen Weg zur Arbeit sollte das aber in den meisten Fällen ausreichen.

Ergebnisse des Mini-E-Feldversuchs

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Steckbrief Mini E: Medienmitteilung und technische Daten

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Fährt man mit dem Mini E in einen Stau, entwickelt man in Punkto Umweltbelastung kein schlechtes Gewissen – im Gegenteil. Denn alle anderen Verkehrsteilnehmer um einen herum verursachen, sofern deren ‚blubbernde Blechkisten‘ nicht mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet sind, in Summe eine erhebliche Menge CO2 – und das obwohl sie sich kaum fortbewegen. Der Energieverbrauch des Mini E bleibt dabei weitestgehend unverändert, da im Stillstand kaum Strom benötigt wird.

Ein vollständiges Laden der Batterie dauert an der heimischen Steckdose etwa 12 Stunden.

Der Ladevorgang
Die Batterie verfügt über eine Gesamtkapazität von 35 Kilowattstunden (kWh) und überträgt seine Energie in Form von Gleichstrom mit einer Nominalspannung von 380 Volt an den Elektromotor. Der Akku setzt sich aus 5088 Batteriezellen zusammen, die in 48 Modulen zusammengefasst sind.

Geladen werden kann das Fahrzeug mit einer Stromstärke von 12, 32 oder 50 Ampere – je nachdem, ob der Mini E an der heimischen Schuko-Steckdose mit 12 Ampere (langsames Laden) oder an einer Elektrotankstelle mit 50 Ampere (schnelles Laden) angeschlossen wird. „Wichtig dabei ist, dass Sie vorher über den Set-Knopf am Blinkerhebel die entsprechend richtige Einstellung im Bordcomputer vornehmen. Anderenfalls fliegt zu Hause der FI-Schutzschalter oder Kabel schmoren durch“, so der BMW-Mitarbeiter, der uns das Fahrzeug für den Tagestest ausgehändigt hat.

Ist die Batterie leer, dauert der Ladevorgang mit 12 Ampere rund 12 Stunden bis sie wieder vollständig geladen ist. Testweise schlossen wir den Mini E an einer Schuko-Steckdose an und können bestätigen, dass der Ladevorgang tatsächlich einige Zeit in Anspruch nimmt. Dabei fällt auf, dass das Ladegeräusch, ein Surren, etwas lauter ist, als das Betriebsgeräusch.

Ungewohnter Anblick: ein Mini ohne Endrohr.

Zugegeben: Der Mini E ist kein Langstreckenfahrzeug und auch kein Familienauto. Dafür hat das 1465 Kilogramm schwere Gefährt ordentlich Strom unter der Haube und bietet, ebenso wie die Minis mit herkömmlichem Verbrennungsmotor, einen enormen Lifestyle-Faktor. In Serie wird das Fahrzeug allerdings trotzdem nicht gehen. Dafür soll der BMW i3, das erste rein elektrisch angetriebene Serienautomobil der BMW-Group, ab 2013 zur Verfügung stehen. Dem wird der BMW i8 folgen, der auf der Konzeptstudie BMW Vision EfficientDynamics basiert und mit seinem Plug-In Hybridantrieb die Fahrleistungen eines Sportwagens mit dem Verbrauch und dem Emissionsniveau eines Kleinwagens vereint.

Alles über den Mini E
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