Dazu wurde bei dem Allgäuer Unternehmen Beetz Hydraulik ein spezielles Einstiegsystem in Auftrag gegeben.

In den von den Linienschiffen der Wyker Dampfschiffs-Reederei bedienten Fährhäfen Dagebüll, Wyk auf Föhr und Amrum ist die Einstiegssituation seit Jahren unbefriedigend. Die Passagiere kommen – anders als bei vielen vergleichbaren Fährhäfen im nationalen und internationalen Vergleich – nicht über vom Pkw- und Lkw-Verkehr getrennte Einstiegsmöglichkeiten an Bord, sondern werden ebenfalls über die Fährbrücken für den Kraftfahrzeugverkehr geführt. Dies führt zu einer Beeinträchtigung in der Verkehrssicherung und Verkehrsführung und obendrein zu langen Abfertigungszeiten bei Ankunft und Abfahrt des Fährschiffes – insbesondere in den Spitzenzeiten der Sommermonate.

Hydraulikaufzug mit Rampe. Jeder der vier Linearantriebe hat eine Länge von 7,3 Meter.

Denn ehe der Kraftfahrzeugverkehr abgewickelt werden kann, betritt oder verlässt zunächst ein Großteil der Passagiere die Fähre. Zur Lösung dieser Problematik hat sich nunmehr der Städtische Hafenbetrieb der Stadt Wyk auf Föhr mit der Hafengesellschaft Dagebüll und den Versorgungsbetrieben Amrum zu einer Kooperation zusammengeschlossen. Ziel dieses Zusammenschlusses ist der Bau barrierefreier Seiteneinstiege in den Häfen Dagebüll, Wyk auf Föhr und Wittdün. Für die Realisierung wurde ein Investitionsvolumen von über 6,5 Millionen Euro veranschlagt.

Basis der neuen Seiteneinstiege an Land ist ein rund 17 Meter hoher Stahlturm. Je nach Größe des anlegenden Fährschiffes und der jeweiligen Wasserstandsituation kann zukünftig eine Ein- und Ausstiegsplattform in jede beliebige Höhe zwischen 0 und 6 Meter gebracht werden. Passagiere können so komfortabel und behindertengerecht das Schiff betreten und verlassen, während zeitgleich die Fahrzeuge die bewegliche Rampe am Schiff nutzen.

Aufzug mit Hydraulikstation. Gut zu sehen die Beetz-Hydraulikstempel.

Jedoch stellten nicht zuletzt die rauen Bedingungen der Nordsee die Planer vor eine schwierige Aufgabe: Das anlegende Fährschiff und die Ein- und Ausstiegsplattform stets auf der gleichen Höhe zu halten. Für diese hehre Aufgabenstellung wurden eigens die Ingenieure von Beetz Hydraulik im schwäbischen Ottobeuren beauftragt. Sie entwickelten ein elektrohydraulisches System, das es ermöglicht, die Plattform mit einer Gesamtlast von bis zu 190 Tonnen über eine Strecke von sechs Meter absolut waagerecht zu bewegen.

Das System besteht aus vier Hydraulikzylindern, jeder mit einer Gesamtlänge von 7,3 Metern, einer hydraulischen Pumpenstation mit einer Leistung von 44 Kilowatt und einer elektronischen Steuerung. Betätigt wird die Anlage mittels Funkfernsteuerung direkt von dem anlegenden Fährschiff aus, die durch entsprechende Steuersignale die Plattform automatisch in Gang setzt. Durch eine lichtoptische Abtastung wird nun am Schiffskörper die exakte Übergabeposition ermittelt und anschließend eine Gangway von der Plattform zum Schiff ausgeklappt. Höhenveränderungen zwischen Fähre und Gangway, die sich aufgrund des sich ändernden Ladezustandes des Schiffes oder auch möglichen Änderungen des Wasserstandpegels ergeben, werden automatisch korrigiert und der Zugang zur Fähre stets in horizontaler und barrierefreier Position gehalten. Nach Abschluss des Entlade- und Beladevorgangs erfolgt von der Schiffsbesatzung ein Funksignal für die Anlage, mit dem die Gangway eingeklappt wird und die Plattform nach oben in eine Parkposition fährt.

Autor Frank Schmitz, Beetz Hydraulik