Die Bedienpanels der DOP11-Familie sind mit unterschiedlichen Gerätegrößen seit Jahren

Die Bedienpanels der DOP11-Familie sind mit unterschiedlichen Gerätegrößen seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Aktuell ist die Serie DOP11C erhältlich. Bild: SEW

I/O-System

Keine Automatisierung ohne IOs. Daher hat SEW-Eurodrive für seine Steuerungen auch ein I/O-System, das die digitalen und analogen Schnittstellen der Controller erweitert. Über die Systembusse SBus oder SBus plus sind pro Buskoppler bis zu 32 Module in der Schutzart IP20 anschließbar. Bild: SEW

Früher war ein Motor ein Motor. Einschalten, fertig. Heute soll der Antrieb eine eierlegende Wollmilchsau sein: Energieeffizient und drehzahlgeregelt, fein und präzise anzusteuern, sicher noch dazu. Kein Wunder also, dass immer mehr Antriebstechniker sich der Automatisierungstechnik zuwenden.

Tempo macht Taschentücher, Uhu macht Kleber und SEW-Eurodrive macht Getriebemotoren. So weit, so richtig, das weiß heute jeder Ingenieur. Aber die Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Portfolios der Hersteller. Dass SEW-Eurodrive mittlerweile dabei ist, neben seiner Antriebstechnik ein komplettes Automatisierungsportfolio im Markt zu platzieren, ist daher schon einen zweiten Blick wert.

Servoverstärker

Die gesamte Produktfamilie der Servoverstärker Moviaxis umfasst Achs- und Mastermodule, Versorgungs- und Zusatzmodule sowie Options-/Erweiterungskarten und umfassendes Zubehör. Bild: SEW

Angefangen hat es vor rund 20 Jahren mit der Servotechnik, in die auch schon etwas Steuerungstechnik hineingepackt werden musste. Doch so richtig ins Laufen kam die Automatisierung  bei SEW mit der Einführung der Steuerungsplattform Movi-PLC. Zu Beginn lagen die Stärken der Geräte vor allem im Bereich Motion Control. Movi-PLC Basic als 16-Bit-Steuerung, Movi-PLC Standard und Advanced als 32-Bit-Steuerungen arbeiten mit Motorola-Prozessoren. Mit ihnen können antriebsnahe Lösungen modularisiert aufgebaut werden.

Bereitgestellte Bibliotheksfunktionen und Kinematik-Bausteine ermöglichen dabei die schnelle Umsetzung der projektierten Aufgaben des Gesamtsystems. Die mit diesen Steuerungen angesprochenen Servo-Systeme können über ein umfangreiches Projektierungsprogramm sicher und einfach projektiert und konfiguriert werden. Die Engineeringsoftware namens Movitools MotionStudio kann für die Inbetriebnahme, Anlagenoptimierung und das Monitoring ebenso verwendet werden wie für die Programmierung der Movi-PLC mit dem integrierten IEC-Editor.

Vorstoß in die komplette Steuerungswelt

Nun gibt es ja auf Kundenseite seit Jahren den Trend, alles aus einer Hand zu ordern. So erstaunt es nicht, dass zufriedene Motion-Control-Anwender bei SEW immer wieder nach einer leistungsfähigen Steuerung für High-End-Motion-Control-Anwendungen ebenso wie für allgemeine Steuerungs- und Visualisierungsaufgaben fragten. Ein Wunsch, den SEW-Eurodrive gerne erfüllte, wie Klaus Just, Technology Field Manager, ausführt: „Wir haben ein skalierbares System. Der Einstieg ist eine einfache, parametrierbare Steuerungslösung, die über eine standardisierte Schnittstelle mit der übergeordneten Steuerung kommuniziert. Damit lässt sich Motion Control wirklich sehr einfach an einer Maschine umsetzen. Wer etwas mehr Leistung braucht, kann dann bei den größeren Modellen in IEC 61131 selber programmieren. Und heute bieten wir dem Kunden die Möglichkeit, dass er die ganze Maschine mit uns realisiert – von der IO-Anbindung bis zur Visualisierung.“

Dazu ist die im Markt eingeführte Motion-Control-Steuerung Movi-PLC Power gedacht. Sie ist als Lösung für zentral gerechnete Applikationen konzipiert und kann zum Beispiel als Mastermodul für das modulare Servoantriebssystem Moviaxis oder als Kompaktsteuerung mit dem Applikationsumrichter Movidrive B verwendet werden.

Durch die Verwendung des sehr leistungsfähigen Mikroprozessors Core2Duo von Intel lassen sich bis zu 64 Achsen in einer Millisekunde bearbeiten – und dennoch steht auch anspruchsvollsten Anwendungsprogrammen genügend zusätzliche Rechenleistung zur Verfügung. Durch den Einsatz des internen Systembusses SBus plus, im Prinzip eine Art Onboard-Ethercat, werden alle Berechnungen taktsynchron an die Antriebe weitergegeben.

Eine CFast-Speicherkarte für Firmware, Applikation und Anwendungsdaten ermöglicht den einfachen Gerätetausch und extrem schnellen Datenzugriff. Der CFast-Standard bietet Zugriffszeiten, die man ansonsten nur von SSD-Festplatten kennt, im portablen Format. Zur Anbindung an Fremdsteuerungssysteme stehen Varianten mit Profibus, Profinet, Ethernet/IP und Modbus TCP zur Verfügung.

Die Windows-Welt ist mit an Bord

Durch das Zustecken einer zweiten CFast-Karte lässt sich das System mit Windows 7 Embedded erweitern. Dadurch wird die Movi-PLC power zum umfassenden Automation-Controller, in dem Motion, Logic Control und Visualisierung auf einem System zusammengeführt sind. Der Echtzeit-SPS-Teil und das auf der separaten CFast-Speicherkarte liegende Windows sind durch eine interne virtuelle Ethernet-Verbindung gekoppelt. Dank modernster Hypervisor-Technologie steht Windows getrennt – und damit unabhängig – für Engineering, Programmierung, Diagnose und Visualisierung zur Verfügung. Windows-Auslastungsspitzen haben keinen Einfluss auf den harten Echtzeitteil. Und auch Versionskonflikte zwischen den einzelnen Programmen gehören auf diese Weise der Vergangenheit an.

Auch bei der Movi-PLC power erfolgt das Engineering mit Hilfe der durchgängigen Software Movitools Motionstudio. Sie kann auf einem beliebigen PC ausgeführt werden – oder man nutzt eine auf der Windows-CFast-Karte installierte Version. Da das Betriebssystem und die Engineering-Software Movitools Motionstudio auf der zweiten Speicherkarte bereits vorinstalliert sind, muss man lediglich noch Tastatur, Maus und Monitor anschließen – oder man kann alternativ ein Touchpanel verwenden. Die hohe Rechenleistung ermöglicht es, die komplette Engineeringumgebung einschließlich der 3D-Kinematiksimulation auf der Motion-Control-Steuerung auszuführen.

Automatisierung vom Antrieb bis zur Steuerung – SEW-Eurodrive bietet heute mehr als Getriebe und Motoren. Zum Beispiel die Motion-Control-Steuerung Movi-PLC power. Sie ist die passende Lösung für zentral gerechnete High-End-Motion-Control-Anwendungen. Bis zu 64 zentral gerechnete Achsen lassen sich in einer Millisekunde regeln, wobei auch anspruchsvollen Anwendungsprogrammen noch genügend Rechenleistung zur Verfügung steht. Ausgestattet mit einem Ethercat-basierten Systembus wird diese Rechenleistung taktsynchron an die Antriebe weitergegeben. Der gesamte Antriebsstrang lässt sich so in nur einer Millisekunde bearbeiten.

„Gut zu wissen ist, dass wir eine ganze Familie an Steuerungen haben, von einer einfachen Motion-Lösung bis zur Komplettlösung mit Visualisierung“, erklärt Klaus Just. „Bei Bedarf bieten wir auch noch die Sicherheitsmodule UCS. Diese gibt es in Einzel- oder Mehrachsausführungen mit bis zu zwölf Achsen bezogen auf eine Logikeinheit. Damit lässt sich auch sichere Antriebstechnik realisieren.“ Das Modell Movi-PLC Power ist trotz aller erweiterten Features kompatibel zu den Leistungsklassen Basic, Standard und Advanced. Damit lässt sich ein einmal erstellter Code einfach zwischen den Steuerungsklassen portieren. Aktuell ist SEW-Eurodrive dabei, auch die zugehörige Peripherie zu aktualisieren. Auf der kommenden SPS-Messe wird SEW in Halle 3, Stand 420 unter anderem eine neue Generation IOs vorstellen. Außerdem wird eine komplett mit SEW automatisierte Schlauchbeutelmaschine zu sehen sein.

Autor: Wolfgang Kräußlich, Leitender Chefredakteur