Arnold

Bild: Arno Arnold

Eingesetzt wird er nicht nur in Werkzeugmaschinen und der Automobilindustrie, sondern auch in der Medizintechnik bei Krankenbetten, Transportliegen und OP-Tischen – begonnen aber hat alles mit dem Tango.

Ob rund oder eckig – ein Faltenbalg bezeichnet einen elastischen, sich „ziehharmonikaartig“ zusammenfaltenden Schlauch, der über sich mechanisch ineinander schiebenden Maschinenteilen angebracht wird. Dies soll einerseits Fremdeinflüsse wie Schmutz, Staub, Fett oder Flüssigkeiten, von Anlagen und Maschinenteile fern halten. Andererseits aber dienen Faltenbälge auch dazu, Menschen vor mechanischen Gefahren wie zum Beispiel dem Einklemmen zu schützen.

Ob in der Industrieproduktion oder in Spezialgebieten wie der Medizin- und Lasertechnik – der jeweils erforderliche Faltenbalg wird heutzutage oft als individuell auf den Kunden zugeschnittene Lösung angeboten. So bieten die Faltenbälge der Arnold-Serie- Classic beispielsweise Schutz gegen viele Kühlschmierstoffe, Schmutz, Staub, Öle und Fette. Sie können außerdem flüssigkeitsdicht oder selbstverlöschend ausgestaltet werden.

Simone Weimann-Mang, Geschäftsführerin bei Arno Arnold, fügt hinzu: „Neben den Grundformen I- und U-Faltenbalg, Dach-Faltenbalg, Kastenfaltenbalg und Pult-Faltenbalg realisieren wir auch kundenspezifische Geometrien. Ganz auf ihren Einsatz abgestimmt, verwenden wir für die Faltenbälge spezielle High-Tech-Materialien. So können wir gewährleisten, dass die Schutzabdeckungen auch extremen Belastungen wie Hitze, Ölen, Flammen oder feinem Staub standhalten.“

Fix & Finish
Rundumschutz garantiert: Das „All inclusive“- Paket namens Fix & Finish beinhaltet Komplettabdeckungen, die bereits einbaufertig geliefert werden. Bild: Arno Arnold
Abdeckungen von Faltenbälgen
Für sensible Bedingungen: Abdeckungen von Faltenbälgen oder Rolloabdeckungen für z.B. Ambulanzfahrzeuge, Operationstische oder Umbettanlagen. Bei der Konstruktion von „Arnold-Medical-Systems“-Produkten achten die Fachleute auf eine homogene Faltenlegung. Bild: Arno Arnold

Thomas Kreutzer, Leiter Konstruktion und Entwicklung bei Arno Arnold, blickt auf die Entwicklung zurück: „Das Funktionsprinzip des Faltenbalg entspricht immer noch der Idee einer längenveränderlichen Abdeckung zum Schutz hochwertiger Maschinenelemente. Moderne Materialien und Konstruktionsverfahren in Verbindung mit neuen Produktionstechnologien haben zu Produktweiterentwicklungen geführt, die hohen Anforderungen gerecht werden.“

Im Laufe der Jahre habe man bei Arno Arnold erkannt, dass bei starkem Spänebefall ein zusätzlicher Schutz für den Classic-Faltenbalg, dessen Funktion und Standzeiten deutlich erhöht. Vor diesem Hintergrund gibt es jetzt Faltenbälge der Marke Duplet mit zusätzlichen Teleskopblechen, die auf der Oberseite eine geschlossene Front bilden. Sie verbinden die Vorteile eines Faltenbalgs wie Flüssigkeitsdichte und Staubdichte mit den Vorteilen einer Stahl-Abdeckung, wie etwa dem Abhalten von heißen und scharfkantigen Spänen.

„Zu den jüngeren Entwicklungen im Schutzbereich gehören die Überecklösungen Wings und Curvelet. Damit können Eckbereiche durchgehend geschützt werden, ohne merkliche Spannungen in den Blechen und Einschränkungen beim Design hinnehmen zu müssen“, unterstreicht der Konstruktionsleiter.

Jürgen Konrad
„Wir haben durch Jahrzehnte an Erfahrung eine hohe Materialkompetenz angesammelt. So können wir Faltenbälge in bedarfsgerechten Werkstoffen konstruieren.“ Jürgen Konrad, Prokurist bei Arno Arnold. Bild: Arno Arnold

Anwendungsbeispiel Werkzeugmaschinen

Faltenbälge mit Blech
Fix-&-Finish-System: Das System besteht aus Faltenbälgen mit Blechen der Marke Duplet für Hochleistungsbearbeitungszentren. Bild: Arno Arnold

So sind zum Beispiel Hochleistungs-Werkzeugmaschinen heute komplett umhaust. Das kommt dem Schutz des Bedienpersonals zugute. Es trägt aber auch der Tatsache Rechnung, dass Kühlmittel und Späne im Arbeitsraum ständig Flugrichtung und Intensität ändern. Doch beim Wechsel des Werkstückes oder beim Umrüsten der Maschine ist man sehr oft auf den Zugriff von oben angewiesen. Bei Arnold gibt es dazu die unterschiedlichsten Lösungen, eine davon ist die Klappdach-Variante Moover, wie Prokurist Jürgen Konrad bei einem Rundgang durch die Fertigung erklärt.

„Während des normalen Betriebs erfüllt das Dach zuverlässig seinen Dienst als Schutzabdeckung. Wird jedoch eine Kranbeladung erforderlich, kann die Abdeckung über einen Drehmechanismus nach oben geklappt werden. So lässt sich der Arbeitsraum an jeder Stelle der Maschine für die Kranbeladung zugänglich machen“, erläutert Konrad die Funktionsweise.

Die Konstruktion des Dachs hat es in sich: „Wir haben durch Jahrzehnte an Erfahrung eine hohe Materialkompetenz angesammelt. So können wir die Faltenbälge in bedarfsgerechten Werkstoffen konstruieren. Besteht zum Beispiel Gefahr durch Funkenflug, bietet sich die Verwendung selbstverlöschenden Materials oder die Verstärkung des Materials durch zusätzlich auf dem Classic-Balg aufgebrachte Teleskopbleche an. Bei der Notwendigkeit Licht in den Maschinenraum zu bringen, kann das Dach milchig weiß oder transparent ausgestaltet werden“, sagt Prokurist Konrad.

Dass dies aber noch nicht alles ist, zeigt Konrad am Einsatzgebiet von Faltenbälgen für die Abdeckung von Hubtischen. Sie dienen in der Hauptsache dem Verletzungsschutz von Menschen. Man findet sie unter anderem an Montagelinien in der Automobilfertigung. Dort arbeiten die Monteure an höhenverstellbaren Plattformen, auf denen Fahrwerk und Karosserie miteinander vereint werden. Hier dienen die Faltenbälge als Arbeitsschutz.

Intelligente Lösungen für sensible Bedingungen

In der Medizintechnik steht eher die Sicherheit von Menschen im Fokus. In der ohnehin schon belastenden Situation eines CT-Scans denkt der Patient sicher nicht zuallererst an den Klemmschutz der Mitarbeiter. Dabei ist eines gewiss, die Gesundheit des behandelnden Arztes, des Pflegepersonales oder der Ersthelfer sind eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Patientenbehandlung. So sollten sich diese möglichst nicht selbst verletzen, etwa an höhenverstellbaren Zahnarztstühlen oder Krankentragen, an MRT-Liegen oder OP-Tischen den Fuß oder die Hand klemmen.

Vor diesem Hintergrund hat Arno Arnold eine spezielle Serie von Schutzabdeckungen zum Einsatz im medizinischen Bereich entwickelt. Simone Weimann-Mang erklärt, wie das funktioniert. „Kastenbälge für höhenverstellbare Krankenbetten und Krankenfahrzeuge beispielsweise werden farblich der Bettumrahmung angepasst und bilden durch eine Wechselfaltung einen abgeschrägten Übergang. Sie verhindern so die Verletzungsgefahr für das Personal zum Beispiel bei der Patientenumbettung.“

Speziell für die Anwendung in der interventionellen Radiologie, der Kardiologie, sowie bei MRT-Liegen gibt es die Arnold-Medical-Rollosysteme mit einem geräuschdämmenden abgeschirmten Federsystem. Denn wichtig für die Medizintechnik ist, dass alle Einzelteile den Ansprüchen an Funktionalität, Hygiene und Ästhetik gleichermaßen gerecht werden. fa

Das Unternehmen Arno Arnold

Bandoneon

Umfassender Maschinenschutz

Am Anfang stand der Tango und mit ihm das Bandoneon. Das Prinzip, den Aufbau eines Faltenbalgs als Basis für die Herstellung von Schutzabdeckungen zu verwenden, hat Arno Arnold vom Musikinstrument auf den Maschinenbau übertragen. Seither ist das Unternehmen Entwickler, Hersteller und Dienstleister rund um das Thema Schutzabdeckungen. Doch damit nicht genug. Arnold unterstützt die Konstrukteure seiner Kunden bereits bei der Projektdefinition, bei der Entwicklung eines optimalen Abdeckungskonzepts inklusive Auswahl der geeigneten Materialien, über Funktions- und Haltbarkeitstests auf Prüfständen im eigenen Technologiezentrum, bis hin zur Hilfestellung bei der Montage. Und wenn der Kunde es „all inclusive“ möchte, ist auch das möglich. Schutzabdeckungs-Komplettsysteme der Marke Fix & Finish werden einbaufertig geliefert und bieten einen umfassenden Maschinenschutz.

ke NEXT hakt nach

Simone Weinmann-Mang
Geschäftsführerin Simone Weinmann-Mang ist die Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers Ernst Louis Arnold. Bild: Arno Arnold

Vier Fragen an Simone Weinmann-Mang, Arno Arnold

Was hat denn der Tango mit Ihren Maschinenschutzelementen zu tun?

Sicherlich ist der Tango nicht das erste, woran man denkt, wenn man moderne Bearbeitungszentren mit unseren Schutzabdeckungen sieht. Arnold-Bandoneons galten als die Stradivari der Balginstrumente, Musikinstrumente, die untrennbar mit dem Tango verbunden waren. Dann entstand die Idee, das Mittelstück des Musikinstrumentes zu modifizieren und als Faltenbalg zum Einsatz in der Industrie weiterzuentwickeln. 1930 wurde Arnold das erste Patent eines harmonikaförmig gefalteten Balges als Schutzabdeckung – für Führungsbahnen an Werkzeugmaschinen – erteilt. Seit 1971 hört man in unserem Unternehmen nur noch selten Bandoneonklänge, meine Liebe zum Tango ist aber geblieben.

Worin liegt das Geheimnis einer guten Schutzabdeckung?

Bleche biegen, das ist heute keine Kunst mehr. Aber daraus alleine entsteht noch keine Schutzabdeckung, die maximalen Kundennutzen bietet. Unser Erfolgsgeheimnis liegt darin, dass wir für unsere Kunden individuelle Schutzabdeckungslösungen schaffen. Dadurch sind immer wieder auch neue Ideen entstanden, für die wir viele Patente oder Gebrauchsmuster innehaben.

Wie stellen Sie sicher, dass ein optimaler Maschinenschutz gewährleistet wird?

Wir verwenden für die Faltenbälge spezielle High-Tech-Materialien. So können wir gewährleisten, dass die Schutzabdeckungen auch extremen Belastungen wie Hitze, Ölen, Flammen oder feinem Staub standhalten.

Im vergangenen Jahr konnten Sie das 150-jährige Bestehen Ihres Familienbetriebs feiern. Wie haben Sie sich für die Zukunft aufgestellt?

Wir haben im vergangenen Jahr über zwei Millionen in eine neue Halle und einen neuen Maschinenpark investiert. Als Traditionsunternehmen setzen wir einerseits auf den Standort Deutschland, andererseits erwirtschaften wir rund 30 Prozent unseres Umsatzes mit Produkten, die in den letzten fünf Jahren entwickelt wurden. Dank stetiger Verbesserungen, neuer Produkte und zahlreicher Patente haben wir uns zukunftsfähig aufgestellt.

Interviewfragen von Ingrid Fackler, Redaktion