Baumer bietet ein breites Sortiment an Drehgebern
Wo heute bewegt wird, wird auch gesteuert und geregelt. Intelligente Antriebskonzepte finden sich in Industrieumgebungen, aber auch in Fahrzeugen, Windenergieanlagen und zahlreichen anderen Anwendungen. Was Motion Control dazu braucht, ist die sichere Rückmeldung über Bewegungszustände. Eine Aufgabe für Drehgeber.

Das ist ja das schöne an Baumer“, erklärt Joachim Acker, Geschäftsführer bei Baumer IVO in Villingen-Schwenningen: „Das Produktsegment Motion Control ist ein Zusammenschluss aus vier Firmen: Baumer, Baumer IVO, Baumer Thalheim und Baumer Hübner. Das bedeutet natürlich auch vier Mal das Portfolio dieser Einzelfirmen.“ Damit, so Acker, gebe es derzeit keinen anderen Hersteller weltweit, der ein derart breites Spektrum an Drehgebern liefern könne. Tatsächlich finden sich bei Baumer Modelle von 20 Millimeter Durchmesser ebenso wie Geräte mit bis zu 3,5 Meter – mit allen denkbaren Zwischenstufen, vom Präzisionsdrehgeber bis zum Heavy Duty Encoder.

Daher verwundert es kaum, dass Baumer Motion Control in fast allen Applikationsarten und in so gut wie jedem Industriezweig zu finden ist. „Wir sind gar nicht so sehr auf eine bestimmte Industrie festgeschnürt, sondern schauen wirklich überall rein“, bestätigt auch Dr. Michael Schneider, zusammen mit Acker in der Geschäftsführung. Von mobilen Maschinen und Fahrzeugen über klassischen Maschinen- und Anlagenbau bis hin zu erneuerbaren Energien – allen voran die Windkraft – liefern Komponenten von Baumer verlässliche Informationen zur Koordination von Bewegungen.

Hundertjährige Geschichte
Insbesondere Baumer IVO kann eine lange Erfahrung vorweisen und hat diese vor Kurzem in einem Jubiläum auch gefeiert: Am 2. Juli feierte das Unternehmen sein hundertjähriges Bestehen. Das Unternehmen wurde 1910 von Christian Irion und Johannes Vosseler gegründet. Am 1. Juli 1910 ließen die beiden unter dem Namen ‚Irion & Vosseler, Zählwerke und Apparatebauanstalt, Schwenningen a.N.‘ eine offene Handelsgesellschaft in das zuständige Handelsregister eintragen. Im Laufe der Jahrzehnte wurde dann aus Irion & Vosseler erst IVO und dann Baumer IVO.

Bis Anfang der 1980er-Jahre lag der Schwerpunkt bei Zählern, aber auch das Thema Drehgeber wurde bereits früh aufgegriffen: 1935 wurde der Urvater des inkrementalen Drehgebers entwickelt. Im Jahre 1976 schaffte das Unternehmen, neben stetigen Zähler-Innovationen, auch im Drehgeberbereich einen großen Fortschritt: Der erste absolute Multiturn-Drehgeber mit BCD-Schnittstelle wurde entwickelt und zur Serienreife gebracht. 1992 kam der erste getriebelose Multiturn-Drehgeber mit serieller Schnittstelle auf den Markt.

Dieser Geber ist heute in modifizierter Form sehr verbreitet bei der Pitchverstellung in Windkraftanlagen. Seit 1996 gehört Baumer IVO zur Baumer Group und spielt neben drei weiteren Standorten eine wichtige Rolle im Produktsegment Motion Control. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren zum Spezialisten für absolute Drehgeber mit Feldbusschnittstellen entwickelt. Es gehört in diesem Segment zu den weltweit führenden Anbietern und wird diese Stellung weiter ausbauen.

„Es ist unser Anspruch nicht zu kopieren, sondern kopiert zu werden. Wir wollen mit unseren Produkten neue Maßstäbe setzen“, betont Joachim Acker. Zum Zählerprogramm gehören mechanische Ausführungen ebenso wie elektronische Controller, die komplexe Steuerungsfunktionen übernehmen können. Das damit verwandte Drehgeberprogramm reicht vom einfachen Inkrementaldrehgeber bis hin zu getriebelosen Multiturn-Absolutwertdrehgebern. Dabei sieht sich das Unternehmen als Spezialist für die Integration von Feldbus- und Ethernetschnittstellen. Eine Synthese beider Techniken bilden Spindelpositioniersysteme für Formatverstellungen an Holzbearbeitungs-, Druck- und Verpackungsmaschinen, die sich unterschiedlichen Automatisierungsgraden anpassen.

Baumer Motion Control ist zwischenzeitlich das größte Produktsegment innerhalb der Baumer-Group. Es gibt drei so genannte Kompetenzcenter an vier Standorten. Das gemeinsame Kompetenzcenter Villingen-Schwenningen und Frauenfeld dreht sich um  Positioning and Format Adjustment. In Eschwege bei Baumer Thalheim ist das Kompetenzcenter Motor Feedback und in Berlin bei Baumer Hübner das Kompetenzcenter Heavy Duty. Insgesamt beschäftigt der Bereich Motion Control etwa 500 Mitarbeiter. Weitere große Bereiche bei Baumer sind Sensor Solutions, Process Instrumentation und Vision Technologies. Alles in allem arbeiten bei Baumer damit rund 2000 Mitarbeiter.

Vielfältige Einsatzbereiche
Motion Control ist ein vielfätig benutzter Begriff, aber er beschreibt das, was in unserer modernen, hoch automatisiertenWelt immer öfter nötig ist: Die koordinierte Steuerung bewegter Elemente.  Kernkomponenten sind dabei heute Steuerung, Frequenzumrichter, Motor und Drehgeber oder Sensor. Also ein geschlossener Regelkreis. Genau hierfür liefert Baumer die zentrale Sensorikkomponente. Schließlich braucht jede kontrollierte Bewegung einen Sensor, der rückmeldet: wo befindet sich eine Achse?

Ein dominierender Markt für Baumer ist derzeit die Windenergiebranche. Heute zahlt es sich aus, dass Baumer schon seit Anfang 2000 in diesem Bereich tätig ist, hauptsächlich in der Flügelverstellung, den Pitch-Applikationen. „Das ist eine relativ treue Branche. Wer dabei ist und keine Fehler macht, hat die Chance auch weiterhin dabei zu bleiben“, erklärt Acker den Markt. „Wir sind bei den wesentlichen deutschen Herstellern dabei und konnten das Geschäft auch international massiv ausbauen.“

Auf die Windenergie folgen vom Umsatz her gleich die Fabrikautomation und der allgemeine Maschinenbau. Egal ob Holzbearbeitungsmaschine, Verpackungsmaschine oder Druckmaschine – überall werden Dregeber benötigt. Ein derzeit recht gut wachsender Markt sei der Bereich mobiler Maschinen wie Baumaschinen, Lastwagen und Krane. Damit die immer gewagteren Konstruktionen nicht kippen, müssen sowohl die Stützstreben, als auch Kranausleger ständig überwacht werden.

Nach allen Seiten offen
Ein Trend der vergangenen Jahre ist die starke Diversifizierung bei den Schnittstellen. Für die zahlreichen Feldbussysteme, die bereits seit vielen Jahren bekannt sind, werden immer wieder neue applikationsspezifische Profile, wie etwa CANopen Lift, entwickelt. Hinzu kommen die ganzen Echtzeitschnittstellen, für die die Nachfrage nun doch stärker wird.

Hier bietet Baumer heute praktisch alle relevanten Schnittstellen an. „Einer unserer Hauptfokuspunkte sind die absoluten Drehgeber und die damit zusammenhängenden Schnittstellen. Bei diesen bieten wir heute ein Portfolio, von dem ich behaupten würde: das ist einzigartig auf dem Markt“, ist sich Michael Schneider sicher. „Auch das Thema Safety wird in der Zukunft stärker nachgefragt werden und auch hier sind wir bestens aufgestellt“, ergänzt er.

Besonderen Wert legt man bei Baumer auf die hohe Qualität und Zuverlässigkeit der Produkte. Und obwohl Drehgeber technisch sehr ausgereifte Geräte sind, macht auch dort der Fortschritt nicht halt. Baumer setzt bereits seit fast zwanzig Jahren auf wartungsfreie getriebelose Multiturn-Systeme. Dieser batteriegestützten Technologie werden zukünftig Generatorlösungen zur Seite gestellt, die über eine energieautarke Multiturnabtastung verfügen. Damit lassen sich noch kompaktere und robustere Bauformen realisieren. 

„Es geht aufwärts“
Im Gespräch: Joachim Acker und Dr. Michael Schneider, Geschäftsführer Baumer IVO

 

Die Krise klingt ab. Wo geht es jetzt für Baumer hin?
Acker: Es geht aufwärts. Die Auslastung ist sehr gut und wir sind mit den aktuellen Auftragseingängen sehr zufrieden. Das Wort „Krise“ haben wir aus unserem Wortschatz gestrichen. Wir arbeiten momentan am gezielten Ausbau unseres Produktportfolios. Wir werden in den kommenden zwölf Monaten mit einer Vielzahl neuer Produkte an den Markt kommen, unter anderem im Bereich Safety. Auch das Thema Internationalisierung wird weiterhin im Fokus stehen.
Schneider: Wir investieren auch in den Ausbau von Märkten. Zum Beispiel hat Baumer in diesem Jahr eine neue Vertriebsniederlassung in Brasilien gegründet, weitere Länder stehen auf dem Plan. Im Bereich Motion Control arbeiten wir weltweit mit zwölf Sales Units der Baumer Group zusammen. Unsere Verkaufsgesellschaft in China beschäftigt zwischenzeitlich 60 hochqualifizierte Mitarbeiter in Vertrieb und technischem Support. Das wirkt sich natürlich äußerst positiv auf die Geschäftsentwicklung des Produktsegments Motion Control aus.

Wie erklären Sie sich den Erfolg von Baumer Motion Control?
Acker: Der Kunde bekommt bei uns nicht nur ein Produkt, sondern in einem ganz erheblichen Maß unseren Service und unsere Beratungsleistung vor Ort. Der Kunde kauft Verbindlichkeit, zum Beispiel hinsichtlich der Qualität und Liefertreue. Unsere Standardlieferzeit liegt bei sieben Arbeitstagen, wenn erforderlich liefern wir auch innerhalb von 24 Stunden. Diese Performance ist deutlich besser als das, was von den meisten Wettbewerbern geboten wird. Unser Gesamtpackage – innovative Produkte, Service, Lieferleistung, Beratung vor Ort – das hebt uns deutlich vom Wettbewerb ab.  
Schneider: Baumer hat konsequent in die Personalentwicklung, neue Technologien, modernste Produktionsverfahren und last but not least in die Gebäude aller Standorten investiert. Nach umfangreichen Investitionen in Eschwege und Schwenningen konnte Baumer Hübner vor wenigen Wochen einen Neubau in Berlin beziehen – es gibt sicherlich nur wenige Firmen, die in den vergangenen Jahren ein solches Projekt in Berlin durchgezogen haben. Das zeigt das große Interesse der Baumer Group an den Standorten in Deutschland.