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Stefan Bollmeyer von ABB sieht die wachsende Bandbreite als Chance. Bild: ABB

Welche neuen Herausforderungen und Chancen stellen sich durch die vierte Industrielle Revolution und das Internet der Dinge für Steuerungen und Bussysteme in der Automation?

Mit dem Internet der Dinge einher geht die Vorstellung eines durchgängigen Zugriffs aus Cloud-Applikationen bis zur Steuerung bzw. bis zum Feldgerät, um neue Funktionen und Services zu ermöglichen. Die Herausforderung wird sein, die Rückwirkungsfreiheit auf die kritische Prozesssteuerung und sicherheitsgerichtete Anwendungen sicherzustellen: Performance, Bandbreite, Cyber Security. Außerdem wird es wichtig sein, dass der Anlagenbetreiber Kontrolle und Transparenz darüber erhält, wer auf welche Daten zugreifen kann, um sein geistiges Eigentum zu schützen. Anlagenfahrweisen oder Parametereinstellungen können die Basis für entscheidende Wettbewerbsvorteile sein. Anlagenlebenszyklen in der Prozessindustrie erlauben keinen radikalen, kurzfristigen Umstieg, zum Beispiel auf ausschließlich IP-fähige Geräte. Heutige Gerätetechnik wird noch für Jahrzehnte in den Anlagen verbaut sein. Daher sind Migrationsstrategien für die installierte Basis nötig, wie FDI, wo traditionelle Feldgeräte durch das Informationsmodell in die IoT Welt eingebunden werden können.

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ABB Field Information Manager: Device Menu - Nach der Freigabe der FDI-Spezifikation hat ABB bereits auf der Hannover Messe 2015 die erste Version des Field Information Manager (FIM) vorgestellt. Dahinter verbirgt sich das erste Tool auf dem Markt, das Feldgeräteintegration (Field Device Integration = FDI) mit den nicht proprietären, gemeinsamen FDI-Common-Host-Components unterstützt. Bild: ABB

Welche Vor- und Nachteile sprechen aus Ihrer Sicht für oder gegen eine Dezentralisierung der Steuerungsintelligenz, welche Funktionen sollten sinnvollerweise ins Feld verlagert werden?

Die Idee der Dezentralisierung ist nicht neu und wurde zum Beispiel mit FF sogar soweit getrieben, dass ein einzelner Regelbaustein auf dem Gerät ausgeführt werden kann. Eine solche Lösung birgt aber Komplexität im Lebenszyklus der Anlage oder wenn unterschiedliche Implementierungen in Komponenten unterschiedlicher Hersteller für den Bediener sichtbar werden. Mit wachsender Bandbreite in der Kommunikation wird es jedoch eher nebensächlich wo Intelligenz läuft. Das heißt, eine Verteilung der Intelligenz sollte nicht mehr nötig sein, um Kommunikationsengpässe zu vermeiden. Es werden eher andere Faktoren werden entscheiden, zum Beispiel: funktionale Trennung von Anlagenbereichen, zum Beispiel aus Sicherheitsaspekten (funktional und IT) oder Verfügbarkeitsaspekten, eine Modularisierung von Anlagen oder die Gruppierung bestimmter Funktionen. Entscheidend wird die Handhabbarkeit sein, bezüglich Wartung und Austausch oder Änderungen von Applikation. Klare überschaubare und idealerweise auch maschinen-interpretierbare Interfaces werden nötig sein, damit auch nach der initialen Installation Änderungen oder Erweiterungen vorgenommen werden können.

Der ABB Field Information Manager (FIM) im Video - Quelle: ABB