Bionicman, Bild: Maxon Motor

Michel Fornasier trägt seit etwas mehr als vier Jahren eine bionische Handprothese. Der Schweizer hat sich zum Ziel gesetzt, Kinder auf spielerische Art an das Thema Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung heranzuführen. Dies tut er unter anderem mit seinem Alter Ego Bionicman. Bild: Maxon Motor

Michel Fornasier wirft sich sein blaufunkelndes Cape über und ist nicht länger ein gewöhnlicher Mensch mit Alltagsproblemen und Einschränkungen. Er verwandelt sich in sein Alter Ego Bionicman, hat unbegrenzte Kräfte, kann fliegen und sogar die Zeit zurückdrehen. „Das Kostüm sorgt für diese spezielle Magie“, berichtet er. „Wenn ich vor Schulkindern stehe, dann sind sie überzeugt, dass der echte Bionicman vor ihnen steht. Das ist einfach ein wahnsinnig schönes Gefühl.“ Doch Fornasier zieht sich seinen Superheldenanzug nicht über, um sich gut zu fühlen. Er hat eine Mission: So ist er angetreten, um das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken und ihnen zu zeigen, dass sie mit körperlicher Beeinträchtigung nicht besser oder schlechter als andere Kinder sind. Bionicman kämpft für Toleranz und gegen Mobbing.

Hightech-Prothese mit 25 Bewegungsmustern

Fornasier ist ohne rechte Hand zur Welt gekommen und weiß, wovon er spricht. Nie hat er sich beeinträchtigen lassen, hat früh gelernt, die Schuhe selber zu binden und ist inzwischen sogar einen Marathon gelaufen. Warum auch nicht? Seit rund vier Jahren besitzt er eine myoelektrische Handprothese von Touch Bionics, ein Hightech-Gerät mit sechs integrierten Maxon-Motoren, das 25 Bewegungsmuster bereithält. „Die Prothese hat mir in vielerlei Hinsicht den Alltag erleichtert, auch wenn sie nur 15 Prozent der menschlichen Hand ersetzen kann. Ich fahre damit Fahrrad, Scooter und kann mit beiden Händen auf der Tastatur schreiben. Und nur schon das Smartphone mal mit der rechten Hand zu halten, ist ein wunderbares Gefühl“, erzählt er.

„Es gibt noch viel zu tun: Ingenieure müssen Prothesen weiterentwickeln, und die Gesellschaft muss Menschen mit Beeinträchtigungen ebenbürtig behandeln.“

Stefan Röschi, Maxon Motor

Von Spiderman zu Bionicman

Früher fragten ihn die Kinder: „Verleiht dir die Hand Superkräfte?“ Am Anfang verneinte Fornasier. Nach und nach jedoch antwortete er: „Wer weiß?“ So bildete sich langsam die Idee für Bionicman. Fornasier wandte sich an den Comiczeichner David Boller, der in den USA für Marvel und DC gearbeitet hatte und auch schon Spiderman zeichnete. Gemeinsam kreierten sie die ersten Geschichten von Bionicman, der den Menschen in verschiedenen Situationen zu Hilfe eilt.

Oft spielt dabei eine körperliche Beeinträchtigung eine Rolle. „Es geht mir darum, auf spielerische Art darauf hinzuweisen, dass es Menschen mit Beeinträchtigung gibt, die aber so behandelt werden wollen wie alle anderen.“ Inzwischen ist der erste Comic-Sammelband erschienen, ein zweiter Teil soll Ende 2019 auf den Markt kommen.

Während Bionicman für die moralische Unterstützung sorgt, hilft Fornasier mit modernster Technik. Im Jahr 2016 hat er dafür die Charity-Organisation „Give Children a Hand“ gegründet, der er sich mit viel Herzblut widmet. In enger Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und dem Wyss Institut werden bezahlbare Handprothesen für Kinder entwickelt, deren Komponenten aus dem 3D-Drucker kommen. 25 Kinder sind aktuell mit einer Prototyp-Prothese ausgestattet und geben laufend Feedback für Verbesserungen. «Kindern ist die Optik oft wichtiger als die Funktionalität», sagt Michel Fornasier und lacht. „Die Prothese soll vor allem cool aussehen.“

Kindern mit modernster Technik helfen

Es gibt noch viel zu tun: Ingenieure müssen Prothesen weiterentwickeln, und die Gesellschaft muss Menschen mit Beeinträchtigungen ebenbürtig behandeln. Dafür kämpft Bionicman. Und dafür steht auch der Cybathlon-Event, der im Jahr 2016 stattgefunden hat und 2020 erneut in Zürich über die Bühne geht.

Kein Wunder, ist Michel Fornasier Ambassador des Cybathlons: „Ich teste in erster Linie neue Aufgaben für den Handprothesen-Parcours und gebe mein Feedback an die Verantwortlichen: Was ist schwierig, was könnte man anders gestalten?“ Zudem rührt er für den Cybathlon kräftig die Werbetrommel. „Es ist ein toller Event, denn hier geht’s um Menschen und nicht um Behinderung.“ Fornasier zeigt sich auch beeindruckt vom Ehrgeiz, den die Ingenieure und Piloten an den Tag legen. „Die Entwicklungen, die daraus entstehen, kommen am Ende den Nutzern zugute.“ Fornasier wird es sich nicht nehmen lassen, auch im Jahr 2020 an vorderster Front am Cybathlon mitzufiebern. Und so bilden der Cybathlon und der Bionicman ein unschlagbares Team, das gesellschaftliche Tabus bricht und Brücken zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung baut. aru

Hintergrundinfos

Maxon Motor unterstützt den Cybathlon 2020

  • Am Cybathlon treten Menschen mit körperlichen Behinderungen (Piloten) in Parcours gegeneinander an, unterstützt von modernsten technischen Assistenzsystemen.
  • Die zweite Austragung des Events wird am 2. und 3. Mai 2020 in Zürich stattfinden.
  • In sechs Disziplinen messen sich die Piloten und mit ihnen die Entwicklerteams: virtuelles Rennen mit Gedankensteuerung, Fahrradrennen mit elektrischer Muskelstimulation (FES), Geschicklichkeitsparcours mit Armprothesen, Hindernisparcours mit Beinprothesen, Parcours mit robotischen Exoskeletten, Parcours mit motorisierten Rollstühlen.
  • Hinter dem Cybathlon steckt die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH). Sie bietet mit dem Event auch eine Plattform, um den Austausch zwischen Technologieentwicklern, Menschen mit Behinderungen und der Öffentlichkeit zu fördern.
  • Maxon Motor unterstützt den Event erneut – dieses Mal als Presenting Partner. Mehr Infos gibt es unter: www.cybathlon.com

3D-Druck - Bleiben Sie informiert

Sie interessieren sich für 3D-Druck? Und suchen einen kostenlosen Infodienst, der Sie zuverlässig über die neuesten Entwicklungen in der Branche informiert? Mit unserem 3D-Druck-Newsletter sind Sie immer informiert! Jetzt anmelden und kostenlos von exklusiven Hintergrundberichten, News, Interviews und Erklärinhalten rund um den professionellen 3D-Druck profitieren!