Was meinen Sie mit Spritzgussqualität?

Ich meine nicht die Designebene, da haben wir immer noch den Schichtaufbau, das kann man an den Oberflächen teilweise sehen. Ich meine die technischen Eigenschaften des Materials, also die mechanische Belastungsfähigkeit in Zugproben, Dehnungsproben oder Kompressionstests. Wir sind hier nahezu 100 Prozent identisch zum Spritzguss. Wir sprechen gerne von 90 plus, was wir erreichen können, also wirklich von Funktionsteilen, die auch dauerhaft eingebaut werden können und technisch nahezu die gleiche Funktion erfüllen wie ein Spritzgussteil.

Teststreifen, Bild: German RepRap
Ein auf dem LAM-Drucker additiv gefertigter Teststreifen. Die mechanischen Eigenschaften sind selbst in der Z-Achse sehr nah an denen eines gespritzten Silikonbauteils. Bild: German RepRap

Aber ist bei so einem schichtweisen Aufbau die Z-Achse nicht immer noch ein Schwachpunkt?

Die Frage freut mich sogar. Fakt ist, dass wir in Reißproben auch auf der Z-Achse nah am Spritzguss dran sind. Das klingt komisch, aber wenn Sie einen Spritzguss haben, haben Sie einen Anspritzpunkt, von dem das Material rausgeschossen kommt und in die Form geht. Genauer können Sie das nicht regeln. In einem 3D-Druck-Verfahren können Sie das Auftragen des Materials steuern. Sie können in Kreuz-, Gitter- oder Wabenstrukturen auftragen, Sie können den Strukturaufbau im Objekt steuern. Das wiederum hat auch andere technische Eigenschaften zur Folge. Wo beim Spritzguss alle Moleküle gerade ausgerichtet sind, können wir die Auftragsrichtung und somit die Vernetzung auf Molekülebene beeinflussen, und somit haben wir teilweise bessere Festigkeiten im Material. Ich sehe dieses Verfahren wirklich als Durchbruch. Für mich persönlich ist es die Vision, dass dieses Verfahren viele andere Produktionsprozesse ersetzen kann. Es gibt schon weitere Überlegungen in Richtung PU, da haben wir auch zwei Flüssigkeiten, die vermischt und zur Aushärtung gebracht werden.

German-RepRap-Geschäftsführer Florian Bautz. Bild: ke NEXT

 

"LAM ist ein Game Changer, weil man wegkommt vom Prototypenbau hin zu einer Serienproduktion in Stückzahl 1 – und das mit technischen Eigenschaften in Spritzgussqualität."

Florian Bautz, German RepRap

Wie sind Sie auf dieses neue Verfahren gekommen?

Die Idee ist ungefähr drei Jahre her. Ich habe über das Filament nachgedacht, dass es sehr genau sein muss im Durchmesser, dass schon seine Produktion aufwendig ist und dass man am Ende immer noch die schwierigen Eigenschaften von so einem Thermoplast hat, mit Verzug und Ausdehnen und Schrumpfen je nach Temperatur. Das war ein Anlass für mich zu sagen, okay, es muss doch etwas anderes geben, womit ich diese Probleme nicht mehr habe. Also bin ich auf

Flüssigkunststoffe gekommen. Die lassen sich in Fässern transportieren und mit Pumpen und Ventilen sehr präzise dosieren. In der anfänglichen Entwicklung war ich dann eher pragmatisch. Ich probiere gerne Sachen aus, auch wenn es anfangs vielleicht nur zwei Medizinspritzen sind, die ich versuche gleichzeitig auszudrücken. Auch bei Klebern gibt es ja diese Doppelspritzen. So pragmatisch darf man sich das zu Beginn tatsächlich vorstellen, ich wollte einfach schauen, ob es generell funktioniert. Und dann haben wir halt immer mehr investiert, haben analysiert, was der Markt dazu sagt, und haben in Kooperation mit einem Materialhersteller sowie einigen Kunden in konkreten Projekten probiert, was funktioniert. Das Feedback ist mittlerweile hervorragend. Mit dem Silikondruck eröffnen wir uns komplett neue Branchen. Medizinprodukte, Babyschnuller, elektrische Isolation, Dichtungen, Silikon wird ja fast überall eingesetzt.

Sie sind mit LAM ja noch im Prototypenstadium. Ab wann sollen fertige Anlagen lieferbar sein?

Dieses Jahr. Wir sind mit der Technologie schon sehr weit, wir machen das ja nicht erst seit gestern. Wir haben die Prozessflüsse und das Material im Griff, es werden noch hier und da ein paar Feinheiten justiert. Mit dem Seriengerät werden wir auch verschiedene Shore-Härten anbieten. Unsere Planung ist, im vierten Quartal dieses Jahres verkaufsfertige Geräte zu produzieren. Auf der Messe Formnext werden wir definitiv eine Maschine stehen haben.

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