Zwei Glocken, Bild: Baumüller

Zwei Glocken mit asynchronen Linearmotoren sorgen für den einzigartigen Klang in der 600 Jahre alten Mögeldorfer Kirche in Nürnberg. Die schmale Bauweise des Motors ermöglicht ein unkompliziertes Anbringen am Glockenstuhl direkt neben der Glocke. Ein weiterer Vorteil der Lineardirektantriebe: Sie erzeugen nur geringe Vibrationen, was der Belastung der Turmstatik entgegenkommt. Bild: Baumüller

Die volle Stunde ist in Mögeldorf erreicht. Ein leises Summen im Glockenstuhl geht dem lauten Glockenschlag, der die Uhrzeit verkündet, voraus. Mit dem Summen beginnen die beiden Glocken der Kirche zu schwingen und läuten: Ding-Dong, Ding-Dong. „Es ist schön, diesen Klang nach zwei Jahren der Stille wieder zu hören“, meint Pfarrer Ulrich Bauer-Marks lächelnd.

Joch, Bild: Baumüller
Die Glocken sind im 16. Jahrhundert gegossen worden und gut erhalten. Die große Glocke ist 930 Kilogramm schwer, die kleine Glocke wiegt 262 Kilogramm. Bild: Baumüller

Zwei Jahre war es still in der evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolaus und Ulrich in Nürnberg-Mögeldorf. Kein Glockengeläut war weit und breit zu hören. Grund dafür war der instabile Dachstuhl der Kirche. Dieser wurde im vergangenen Jahr saniert. Auch die Glocken läuten dank der Linearantriebe der Firma Baumüller, die nur zwei Kilometer von der Kirche entfernt ihren Stammsitz hat, wieder. Anstatt der konventionellen Lösung, sprich dem Einsatz von Drehstrommotoren in Kombination mit mechanischen Übertragungselementen, setzte man auf Lineardirektantriebe. Diese überzeugen durch eine schmale Bauform und ein ruckfreies Anläuten. Zudem ermöglichen sie einen besonders schönen Klang, da die Glocken berührungslos über Induktionskräfte geläutet werden. Die asynchronen Linearantriebe sind wartungs- und verschleißfrei und nur je sechs Zentimeter breit. Die Montage am Glockenstuhl, direkt neben der Glocke, ist unkompliziert, da es bei dieser Lösung keine beweglichen Bauteile, wie Ketten oder Zahnriemen, gibt. Die Kraftentfaltung des Antriebs erfolgt nahe an der Drehachse der Glocke und erzeugt so nur geringe Vibrationen, was der Belastung der Turmstatik entgegenkommt.

25 Jahre in der Glockenläuttechnik

Im Jahre 1993 hat die Firma Schmidt Glockentechnik diese Art der Glockenläuttechnik mit Linearantrieben von Baumüller eingeführt. Jeder Linearmotor besteht aus einem Motor und einer Reaktionsschiene. Der Motor entspricht dem Stator und die Reaktionsschiene dem Rotor eines Drehstromantriebs. Am Joch der Glocke, einem drehbar gelagerten Balken, ist die Reaktionsschiene befestigt. Um die Glocke in Bewegung zu versetzen, wird ein magnetisches Feld benötigt. Der Motor erzeugt dieses und induziert zudem in der Reaktionsschiene ein weiteres Magnetfeld. Diese gegeneinander wirkenden Magnetfelder ziehen sich an und stoßen sich wieder ab und bringen so die Glocke in Bewegung. Sie beginnt zu schwingen und läutet. aru