Kone-Projektleiter Heiner Zeiger - Bild: Christian Augustin
Kone-Projektleiter Heiner Zeiger in der „Tube": Er begleitet das Projekt seit seinem Beginn 2007. Bild: Christian Augustin

Für die Bogenrolltreppen wurde eine notwendige Gesamtleistung von 60 Kilowatt errechnet – das 7,5-fache einer typischen „Kaufhausrolltreppe“ (rund acht Kilowatt). Um die Last gleichmäßiger auf die Kette verteilen, die Kette leichter auslegen und so auf einen Montagekran verzichten zu können, wurde die Leistung nicht auf einen einzigen Antrieb im Kopf, sondern auf vier Asynchronantriebe entlang des Gerüsts verteilt: die Sektionalantriebe. Bereits im Normalbetrieb muss jede Anlage enorme Lasten bewältigen: Steht auf jeder der knapp 200 sichtbaren Stufen ein Erwachsener (75 Kilogramm), bewegen die Antriebe 15 Tonnen. Ausgelegt wurde die Anlage jedoch für 120 Kilogramm pro Stufe beziehungsweise 23 Tonnen Gesamtlast.

Der 165,40 Meter lange Handlauf erfolgt durch zwei Antriebe, darunter einen der Stufenbandantriebe. So wird ein Antrieb gespart und zugleich für steten Gleichlauf von Handlauf und Stufenband gesorgt. Aber warum überhaupt zwei Antriebe? Am oberen und unteren Ende des Gerüsts platziert, sorgen sie dafür, dass der Handlauf stets gleichmäßig auf der Führung anliegt und nicht an den Köpfen der Balustraden herausgeschoben wird.

Zur Synchronisation aller Antriebe wurde ein spezieller Controller notwendig. Er sichert die Kommunikation zwischen zentraler Steuereinheit, den Antriebsumrichtern und Antriebssensoren per Bus-System.

Auch eine Welle wäre möglich

Planung und Ausführung der Bogenrolltreppen haben Kone ganz neue Wege eröffnet. Die angewandten Konstruktionsprinzipien erlauben, aus der - zwischenzeitlich patentierten - Bogenform heraus, Rolltreppen und Rollsteige in Wellenform zu konstruieren. Die Sektionalantriebe wiederum erlauben, bei künftigen Anlagen mit extremer Förderhöhe auf zimmergroße Zentralantriebe zugunsten kleinerer, standardisierter Komponenten zu verzichten. So lässt sich auch der Einsatz von (vollsynthetischem und biologisch abbaubarem) Getriebeöl im Vergleich zur üblichen Menge deutlich begrenzen – im Falle der Elbphilharmonie auf mindestens ein Drittel. jl