Zwei Fragen an Eugen Elmiger, Maxon Motor

Wie entwickeln sich die Anforderungen an Kleinantriebe?
In der Regel kann man sagen, dass auf 1000 Anwendungen 1000 verschiedene Anforderungen kommen. Deshalb haben wir einen Online-Konfigurator entwickelt, mit dem wir möglichst viele Kunden bestmöglich bedienen wollen. Ob der Kunde jetzt ein Stück oder eine Million Stück bestellt – wir machen das. Das ist ja auch das eigentlich Faszinierende: Wenn wir immer wieder die gleichen drei Motoren produzieren würden, wäre das doch langweilig. Spannend wird es, wenn wir gemeinsam mit dem Kunden immer wieder etwas ändern, modifizieren und am Ende kundenspezifische Antriebe entwickeln können. Besonders spannend sind für uns die Systeme mit Elektronik, Software, Sensorik und anderen Systemkomponenten. Solche kundenspezifische Antriebe machen wir gerne, das ist wirklich Ingenieur-Kunst.

Eugen Elmiger

Eugen Elmiger ist seit 1991 bei Maxon Motor tätig und seit 1. Januar 2011 Vorsitzende der Geschäftsleitung.

Kundenspezifisch ist das eine, performant das andere. Welche Anwendungsfelder werden die kompakte Antriebstechnik Ihrer Meinung nach in Zukunft besonders fordern?
Da wäre zum Beispiel die Robotik. Wenn der Markt einmal in Fahrt kommt, wenn wir da 100.000 oder eine Million Motoren für solche kleinen Roboter bauen dürfen, dann wird es natürlich spannend für uns. Wir sind da in besonderem Maße gefordert, weil der Antrieb in so einem Roboter nebst den Batterien das schwächste Glied ist. Es geht um sehr kleine Antriebe mit enormer Performance. Ein Beispiel: 1981 haben wir das erste Elektrofahrrad hier bei Maxon gebaut. Mit dem konnten wir vom Werk nach Sachseln in das nächste Dorf fahren – das sind etwa zwei Kilometer – und dann war der Akku leer. Damals hatten wir gerade einmal sechs Antriebe in diesem Elektrofahrrad. Heute bauen Sie einen kleinen Roboter mit über 26 Antrieben, und der läuft dann Stunden lang. Soll heißen: Die Batterien sind besser geworden und die Effizienz des Systems, das heißt auch die Motoren, sind besser geworden.
Immer wichtiger und anspruchsvoller wird auch der Prothesenbereich, quasi das Ersatzteillager für den Menschen: ob das jetzt externe Prothesen sind, implantierbare Insulinpumpen oder Blutförderungssysteme. Heute gibt es sogar schon vier- oder sechs-Millimeter-Motoren, die man in die Aorta einführt zur Blutfluss-Unterstützung. Die Medizintechnik macht nicht ohne Grund schon heute rund 50 Prozent unseres Umsatzes aus. Hinzu kommen natürlich die alten Bekannten wie die Automation, Luft- und Weltraumtechnik oder die Automobiltechnik, die genauso die Zukunft unserer Anwendungsfelder prägen werden. wk

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