Sparsamkeit ist bei Antrieben in der Schifffahrt lange eher ein Stiefkind gewesen, durch die steigenden Kraftstoffkosten in den letzen 15 Jahren hat das Thema jedoch mehr Gewicht erhalten. Mit den stark schwankenden Preisen am Ölmarkt wandele sich auch immer das Interesse an energiesparenden Antrieben, erklärt Heikki Soljama, Managing Director im Geschäftsbereich Marine und Hafen bei ABB.

Die diesel-elektrischen Antriebe sind allerdings nicht gerade billig, weswegen sie bei bestimmten Schiffstypen kaum eingesetzt werden. So berichtet Koskela, Senior Vice President bei ABB Marine, dass heute fast alle neuen Kreuzfahrtschiffe vibrationsarme, elektrische Antriebe hätten, während Frachtschiffe nach wie vor hauptsächlich mit dieselmechanischen Antrieben laufen würden. In diesem Fall treiben separate Hilfsaggregate Generatoren an, mit denen an Bord benötigter Strom erzeugt wird.

Für Frachtschiffe lohne es sich in bestimmten Fällen allerdings, über andere Antriebstechniken nachzudenken, argumentiert Koskela. Beispielsweise können Schiffe vom Bug her für die Fahrt auf offenem Meer designt sein, sich aber rückwärts mit einem entsprechend geformtem Heck ohne die Hilfe eines eigenen Eisbrechers durchs Eis bewegen. Die in Fahrtrichtung zeigenden Propeller der Pod-Antriebs helfen dabei mit: Sie zerkleinern das Eis und ziehen Schollen unter den Rumpf.

Diese Technik könnte zum Beispiel in Bezug auf die Nordostpassage von Europa nach Asien ein Thema werden. Die Schifffahrtsbranche liebäugelt mit dieser heute noch oft vereisten Strecke, denn sie ist deutlich kürzer als die südliche Route über den Suez-Kanal. Die Klimaerwärmung könnte den Weg im Norden dauerhaft ebnen.

Vernetzung erhöht Effizienz und Sicherheit

Software und Vernetzung werden in der Schifffahrt immer wichtiger, was auch mit dem Wunsch nach mehr Energieeffizienz zusammenhängt. Es ergeben sich jedoch mit zunehmender Vernetzung über das Einsparpotenzial von Kraftstoff hinaus interessante Möglichkeiten. Dabei geht es einerseits um Condition Monitoring, Wartung und Fehlerbehebung, andererseits um Routenoptimierung und Meeresströmungen. Fernwartung oder sogar Fernsteuerung werden als Zukunftsthemen diskutiert, ganz im Sinne von Industrie 4.0.  Zu diesen Systemen gehören energiebezogene Überwachungs- und Optimierungswerkzeuge, wie Emma. Das ABB-Programm hilft unter anderem dabei, die Trimmung des Schiffes zu verbessern. Andere Programme konzentrieren sich auf Wetterdaten, Meeresströmungen und Wellen. Damit können Betreiber beispielsweise Gebiete mit kritischen Wetterverhältnissen vermeiden. Dies kann bei LNG-Tankern Probleme verringern, die durch Schwapp-Bewegungen des Kraftstoffes im Tank entstehen. Und natürlich danken es die Gäste eines Kreuzfahrtschiffs, wenn ihnen allzu raue See erspart bleibt. Die Systeme verbinden dabei Wettervorhersagen mit Testergebnissen aus Modellversuchen.