Fertig-Motors-Zentrale, Bild: Fertig Motors

Die neue Mechanikfertigung liegt in unmittelbarer Nähe der Fertig-Motors-Zentrale in Marktheidenfeld. Bild: Fertig Motors

Eigentlich hätte sich Erwin Fertig nach einem sehr erfolgreichen Berufsleben zurückziehen können, als er das von ihm und Heinz Lang 1978 gegründete Unternehmen Elau an Schneider Electric verkauft hatte. Das war 2005 und Fertig ging auf die 60 zu. Allerdings, so erzählte der heute 70-jährige im Februar auf der Einweihungsfeier der neuen Werkhalle, habe er mit Schneider mündlich abgesprochen, dass die Motorenfertigung in Marktheidenfeld bestehen bleibe. Als Schneider Electric später die Motoren dennoch in den Schwarzwald verlegte, sah sich der gelernte Radio- und Fernsehtechniker und studierte Elektrotechniker gegenüber seinen Marktheidenfelder Leuten wohl in der Pflicht. Vielleicht war ihm auch nur ein wenig langweilig. Wie auch immer, er fasste den Plan, eine eigene Motorenherstellung aufzubauen.

CNC-Maschinen, Bild: Fertig Motors
Mit den neuen CNC-Maschinen ist eine Produktion mit hohem Automatisierungsgrad und minimierten Rüstzeiten möglich. Bild: Fertig Motors

Zu diesem Zweck wandte er sich an Hans Beckhoff, der mit seinem sehr erfolgreichen Automatisierungsunternehmen zum einen ein finanzstarker Investor, zum anderen aber auch ein hervorragender Vertriebspartner sein könnte. Kurz gefasst: Die beiden Unternehmer einigten sich, und so wurde die Fertig Motors GmbH im März 2010 als Joint Venture von Hans Beckhoff und Erwin Fertig initiiert. Ziel des Joint-Ventures ist seither die Entwicklung und Produktion von preiswerter, technisch hochwertiger Servoantriebstechnik für die Automatisierungsindustrie. Und das mit Ambitionen: Mittelfristig möchte Fertig in diesem Marktsegment bezüglich Stückzahl und Umsatz die Nummer drei in Deutschland werden, hinter Firmen wie Siemens und Bosch Rexroth. Dass das klappen könnte, belegen die Zahlen.

Einkabellösung Ethercat P, Bild: Fertig Motors
Dezentraler Servoantrieb mit Einkabellösung Ethercat P: Der AMP8000 bildet eine gute Basis für kompakte und konsequent modularisierte Maschinen. Bild: Fertig Motors

Von einem Wachstum mit durchschnittlich 30 Prozent pro Jahr über die letzten fünf Jahre berichtete Geschäftsführer Dietmar Hamberger im Pressegespräch an Rande der Einweihungsfeier. Allein im vergangenen Jahr sei es um mehr als 40 Prozent nach oben gegangen, die Firma habe über 70.000 Servomotoren produziert. Das ist umso erstaunlicher, als dass es 2015 noch 40.000 und 2013 gerade mal 10.000 waren. Erklärtes Ziel des aufstrebenden Unternehmens ist es, 2020 mehr als 100.000 Servomotoren herzustellen. Sollte sich die Lage nicht dramatisch verschlechtern, könnte das Ziel auch schon ein Jahr früher erreicht sein, vermutete Erwin Fertig später bei der Feier. Der Umsatz stieg 2017 um etwa vier auf 22 Millionen Euro, für 2018 ist ein Wachstum von 25 Prozent geplant.

Mit den Produktionszahlen ist auch die Belegschaft gewachsen. 2010 ging es mit nur acht Mitarbeitern los, inzwischen sind es mehr als 90 Beschäftigte, 25 davon sind im vergangenen Jahr hinzugekommen. Ende 2018 werden es wohl über 100 sein.

Das neue Werk ist anders

Einweihung der neuen Mechanikfertigung, Bild: Fertig
Michael Pfister, Produktmanager Antriebstechnik bei Beckhoff, die beiden Gründer von Fertig Motors Erwin Fertig und Hans Beckhoff, sowie Dietmar Hamberger, zweiter Geschäftsführer von Fertig Motors, bei der Einweihung der neuen Mechanikfertigung (v.l.n.r.). Bild: Fertig Motors

Jetzt also ein neues Werk. Fertig Motors hat mit dem Produktionswerk 2 in Marktheidenfeld eine eigene Mechanikfertigung aufgebaut und dafür über vier Millionen Euro alleine in den Bau der 2.500 Quadratmeter Produktionsfläche und zusätzlichen 1.000 Quadratmeter Büro- und Sozialräume investiert. Hinzu kommen rund drei Millionen Euro Investition in den Maschinenpark – schließlich soll die neue Fertigung weitgehend automatisiert und hocheffizient arbeiten. Es spricht dabei für den guten Ruf, den sich das Unternehmen in der Region in den vergangenen acht Jahren aufgebaut hat, dass Fertig alle neuen Stellen mit versierten Fachkräften besetzen konnte. Das war umso wichtiger, als dass in der vorhandenen Belegschaft keinerlei Know-how in spanender Metallbearbeitung vorhanden war. Denn bislang hatte sich Fertig als Kernkompetenz auf den elektrischen Teil des Motors fokussiert, die Magnete und Spulen. Selbst die Kollegen aus Verl, von Beckhoff, konnten hier als Elektronikspezialisten nicht aushelfen.

Nun produziert Fertig Motors also auch jene Teile, die die Firma bisher zugekauft und dann montiert hat. Nur 13 Mitarbeiter sind derzeit in der Produktion der Gehäuse oder Motorwellen beschäftigt, was zeigt, wie hoch der Automatisierungsgrad der neuen Fabrik ist. Grund für die Überlegung, selbst zu produzieren, war vor allem das enorme Wachstum der Firma. Die bisherigen Lieferanten konnten schlicht nicht so viel liefern, wie der aufstrebende Motorenhersteller benötigt. Die neue Fertigung liegt sinnvollerweise in unmittelbarer Nähe der Fertig-Motors-Zentrale. So können die Achsen und Gehäuse, die im neuen Werk entstehen, schnell in die interne Logistik eingebunden werden.

Dass das neue Werk aber gleich so groß wurde, liegt wiederum an Hans Beckhoff. Der war zunächst gegen Erwin Fertigs Plan, 800 Quadratmeter Mechanikfertigung zu bauen. Als er dann aber überzeugt war, regte er an, gleich 2.500 Quadratmeter zu planen. So ist das wohl: Die Zukunft braucht Macher und Visionäre. Mit Fertig und Beckhoff sind in Marktheidenfeld solche am Werk.