In den Folgejahren wurde das Produktspektrum sukzessive erweitert. Es folgten weitere Baugrößen nach oben und nach unten, Anbindungsvarianten wie mit Klemmnabe sowie axial oder radial montierbar. „Jede unserer Neuentwicklungen und damit jeder unserer Standards ist getrieben von einer Kundenanforderung“, erklärt Frank Kronmüller, Executive Vice President bei R+W. „Das ist bei uns auch in einer Firmenphilosophie hinterlegt. Wir versuchen, die Probleme des Kunden zu lösen und sehen dann, ob das neue Produkt das Zeug zu einem Standard hat.“ Die Philosophie scheint ganz gut zu funktionieren, denn insbesondere im Bereich der Metallbalgkupplungen hat das Unternehmen aus Klingenberg es geschafft, eigene Duftmarken zu setzen.

Zum Beispiel 1994, als R+W mit der Miniaturbaureihe die kompakteste Sicherheitskupplung auf Metallbalg-Basis geschaffen hat. Mit einem selbst weiterentwickelten Kugel-Kalotten-Prinzip war es möglich, immer höhere Drehmomente in immer kleineren Durchmessern zu übertragen, und dabei immer noch eine Überlast-Funktion mit dabei zu haben.

Metallbalgkupplung von R+W. Bild: R+W
Bis zu 80% Zeitersparnis mit der Metallbalgkupplung von R+W. Bild: R+W

Bereits 1995 gab es den nächsten Meilenstein in der Produktentwicklung von R+W. „Auch hier war es wieder ein Kundenwunsch, den wir erfüllen wollten“, erklärt Kronmüller. „Der Kunde schätzte die Präzision unserer Metallbalgkupplung, hatte aber das Problem, dass er einen Wellenabstand von einem Meter zu überwinden hatte. Die Herausforderung war, diese lange Distanz zu überbrücken, ohne dass der flexible Balg flattert oder das Verbindungsrohr durchhängt.“ Die Lösung schafften die Ingenieure bei R+W, indem sie in den Balg eine halbrunde Abstützung einbrachten, die dem Balg die Freiheit ließ, den Wellenversatz auszugleichen, gleichzeitig aber ein Durchhängen verhinderte. Das Portfolio der Gelenkwellen auf Metallbalgbasis war geboren. Abstände bis zu sechs Meter können damit überbrückt werden, ohne dass eine zusätzliche Abstützung nötig ist.

1999 stieg R+W dann auch in den Markt der Elastomerkupplungen ein. Dank neuer Werkstoffe konnten die dämpfenden Eigenschaften dieses Kupplungstyps genutzt werden, ohne die Präzision zu vernachlässigen. Bei direkter Wegmessung in der Maschine oder, wenn wie bei einer Kugelumlaufspindel die Kupplung präziser ist als die Spindel, sind die preiswerteren Elastomerkupplungen eine sinnvolle Alternative.

2006 schickte sich R+W an, einen tatsächlichen Standard zu schaffen, nicht nur einen firmeninternen: Zusammen mit dem Tüv Süd erarbeiteten die Klingenberger Ingenieure ein Prüfverfahren für Sicherheitskupplungen nach dem Kugel-Kalotten-Prinzip. Die Zahl der Ausrastungen, Präzision, Drehzahlen, Nachlaufzeit ohne Erwärmung, alles wurde zu einer Prüfung zusammengestellt, die heute jede Kupplung bestehen muss, die als Tüv-zertifizierte Sicherheitskupplung verkauft werden soll.