Welle-Nabe-Verbindungen, Bild: Ringspann

Auf seinem Weg zum One-Stopp-Supplier für hochwertige Antriebstechnik-Komponenten hat der Hersteller Ringspann in den letzten Monaten sein Angebot an reibschlüssigen Welle-Nabe-Verbindungen aktualisiert und erweitert. Auch neu: Im WNV-Webshop des Unternehmens können Konstrukteure schon in der Entwicklungsphase genaue Produktvergleiche und -berechnungen anstellen. Bild: Ringspann

Neue Premium-Schrumpfscheiben, eine Neuberechnung aller WNV-Baureihen und zuletzt die Webshop-Freischaltung für Welle-Nabe-Verbindungen – das sieht fast nach einer Produktoffensive aus. Oder täuscht der erste Eindruck?

Keineswegs, tatsächlich sind das alles erste Ergebnisse einer Produktoffensive im Bereich Welle-Nabe-Verbindungen (WNV), die wir vor einigen Jahren in Gang gesetzt haben. Dieser Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen; derzeit befinden wir uns sozusagen mitten in der Reibschluss-Offensive.

Technik im Detail

Höhere Drehmomente dank Reibschluss

Schrumpfscheiben für die Außenspannung und Konus-Spannelemente für die Innenspannung bestehen aus Kegelflächen, die mit Spannschrauben aufeinander gezogen werden. Die dadurch erzeugten Radialkräfte sorgen für einen sicheren Reibschluss zwischen den an der Übertragung von Drehmomenten oder Kräften beteiligten Maschinenteilen. Im Gegensatz zu traditionellen formschlüssigen Welle-Nabe-Verbindungen mit Passfeder können Schrumpfscheiben und Konus-Spannelemente von Ringspann erheblich höhere Drehmomente übertragen. Dadurch lassen sich die Wellen kleiner und kürzer dimensionieren, was die Realisierung kompakter Antriebseinheiten unterstützt.

Damit sprechen Sie die reibschlüssige Befestigung an, das technische Grundprinzip aller Welle-Nabe-Verbindungen von Ringspann. Werden Sie diesem Prinzip treu bleiben?

Auf jeden Fall. Der ständigen Weiterentwicklung des Reibschluss-Prinzips gilt unsere ganze Aufmerksamkeit. Dazu befassen wir uns unter anderem intensiv mit der gezielten Beeinflussung des entscheidenden Faktors Reibwert. Hierbei profitieren wir nicht nur von vielen Jahrzehnten praktischer Erfahrung mit Anwendern auf der ganzen Welt, sondern auch von der Zusammenarbeit mit den Universitäten im Rahmen unserer Tätigkeit in der Forschungsvereinigung Antriebstechnik (FVA). Als langjähriger WNV-Hersteller verfügen wir zudem über fundiertes Konstruktions-Know-how auf diesem Gebiet und ein eigenes Prüffeld für die Grundlagenforschung und die Qualitätssicherung. All das unterscheidet uns übrigens auch von den Händlern.

Erzählen Sie uns bitte etwas zu Ihren Neuheiten.

Herausragend sind unsere neuen, besonders hochwertigen Premium-Elemente vom Typ RLK TC. Das Kürzel steht für True Centering und verweist auf die extrem hohe Genauigkeit, mit der diese doppelgeschlitzten Konus-Spannelemente die Nabe zur Welle zentrieren.

Neu sind auch die preisgünstigen dreiteiligen Schrumpfscheiben RLK 603 S. Das S steht für Strong, da diese WNV mit sehr hohen Leistungsdichten punkten. Schon im letzten Jahr neu ins Programm aufgenommen wurden die Baureihen RLK 608 und RLK 603. Das sind zwei- und dreiteilige Schrumpfscheiben zur Außenspannung von Hohlwellen mit sehr großen Durchmessern. Ein weiteres übergreifendes Highlight ist die komplette Neuberechnung aller WNV.

Bild: Ringspann

 

„Im internationalen Bereich hingegen fehlt oft noch das Vertrauen in reibschlüssige Verbindungen – das gilt vor allem für die USA.“

Franz Eisele, Ringspann

Was ist denn das Besondere an dieser neuen Berechnungsmethode?

Sie ist realitätsnäher als bisherige Verfahren und macht deutlich, dass viele unserer Welle-Nabe-Verbindungen mehr leisten als es die bisherigen Datentabellen erkennen ließen. Damit dieses neue Knowhow auch allen Anwendern rasch zur Verfügung steht, haben wir es sofort eingebunden in den Produktkatalog 2017/18 und das kostenfreie Online-Berechnungstool auf unserer Website.

Im Zusammenspiel mit unserem neuen WNV-Webshop kann jeder Konstrukteur nun schon in der Entwicklungsphase schnelle und genaue Produktvergleiche anstellen. Das vermeidet Fehler bei der Auslegung und vereinfacht die Auswahl der WNV.

Welche typischen Fehler beobachten Sie denn bei der Anwendung von WNV?

In Europa sind die meisten Konstrukteure mit dem Thema WNV heute sehr vertraut; schwere Anwendungsfehler sind daher selten. Probleme treten gelegentlich bei Hohlwellen-Verbindungen auf, weshalb wir unser Berechnungstool um die Spannungsberechnung im Inneren von Hohlwellen ergänzt haben. Im internationalen Bereich hingegen fehlt oft noch das Vertrauen in reibschlüssige Verbindungen. Das gilt vor allem für die USA, wo wir derzeit versuchen, auf der Basis unseres Technologie-Knowhows neue Trends zu setzen. Im asiatischen Raum fehlen den Anwendern mitunter wichtige technische Grundkenntnisse. Das kann dazu führen, dass bestehende Konstruktionen ohne Rücksicht auf die WNV-relevanten Aspekte modifiziert werden.

Abschließend würden wir von Ihnen gerne noch erfahren, an welchen Entwicklungen Ihre Sparte derzeit arbeitet?

Da möchte ich nicht zu tief blicken lassen. Dass viele unserer Überlegungen sich um das Thema Reibwert drehen, wurde schon gesagt.

Da das für reibschlüssige Welle-Nabe-Verbindungen der Dreh- und Angelpunkt ist, werden wir uns damit auch weiterhin intensiv befassen. Dabei stellen wir auch bewährte Konzepte in Frage, um neuartige Spannelemente zu generieren. Verstärkt werden zudem Wünsche nach Lösungen für neue Werkstoffe an uns herangetragen. Hier geht es zum Beispiel um den Umgang mit Keramik oder Technischen Kunststoffen. Jl

Neues Tool

Welle-Nabe-Verbindungen berechnen

Zeitgleich mit der Herausgabe des neuen Produktkatalogs 2017/18 hat Ringspann auch sein Online-Berechnungstool auf eine optimierte Reibschluss-Berechnungsmethode umgestellt. Konstrukteure und Einkäufer können sich damit rasch zur technisch und kostenmäßig besten Welle-Nabe-Verbindung durchklicken. Das Tool verarbeitet nicht nur alle wichtigen Parameter (Nabenmaß, Flächenpressung, Drehmoment, Anzugsmomente etc.), sondern kann das zu übertragende Drehmoment auch unter Berücksichtigung der Axialkräfte sowie zusätzlicher Biegemomente berechnen. Alle Ergebnisse lassen sich als PDF-Datei downloaden und CAD-Modelle sind ebenfalls verfügbar.