Wälz- und Gleitlager lassen sich auch weiter optimieren, wenn man das dynamische Zusammenspiel aller beteiligten Komponenten für eine definierte Anwendung betrachtet. Dazu gehören neben der Innengeometrie des Lagers und der Rauigkeit der Laufbahnen auch die Dichtungen und die Schmierstoffe. Findling hat seine Extreme-Serie für besonders anspruchsvolle Einsatzbedingungen unter tribologischen Gesichtspunkten entwickelt. Hierbei kommen unterschiedliche Spezialbefettungen und Dichtungsvarianten aus dem herstellerübergreifenden ABEG-Portfolio zum Einsatz. „Wenn es um Notlaufeigenschaften und Flüssigkeiten als Schmierstoff und zur Wärmeabfuhr geht, ist Edelstahl in Verbindung mit Keramikwerkstoffen die Lösung der Wahl. Findling entwickelte Lager aus Edelstahl, die auch bei hohen Temperaturen verzugsarm sind und gleichzeitig durch chemische Behandlungsverfahren die Härte auf bis zu 70 HRC statt der üblichen 51-58 HRC gesteigert werden“, sagt Klaus Findling.

Schmierstoffe, Bild: Findling Wälzlager
Optimal auf die Lagertechnik abge- stimmte Schmierstoffe tragen zu einer guten Energieeffizienz und erhöhten Lebensdauer der Komponenten bei. Bild: Findling Wälzlager

Auch SKF berücksichtigte die Schmiertechnik bei der Konstruktion und entwickelte für die neuen Radlagereinheiten neben einer besonders reibungsarmen Kassettendichtung auch ein spezielles Low-Friction-Schmierfett, das den Reibungswiderstand zusätzlich verringert. „Zusammen mit konstruktiven Verbesserungen weist diese Radlagergeneration rund 20 Prozent weniger Reibung auf als eine konventionelle Lösung“, sagt Martin Johannsmann.

Inzwischen werden immer mehr synthetische Schmierstoffe mit anwendungsspezifisch optimierten Additivpaketen versehen, die die metallische Berührung der Wälzkörper und der Kontaktflächen vermindern, Reibung und Verschleiß reduzieren und somit die Lebensdauer eines Lagers erhöhen. Die Spezialschmierstoffe der Zukunft sind nach Aussage von Klüber Lubrication homogene Schmierstoffe mit funktionellen Wasseranteilen. „Wasser hat den Vorteil, dass es nachhaltig, weltweit verfügbar, nicht toxisch und nicht brennbar ist. Die Herausforderung für uns lag darin, die physikalischen und biologischen Grenzen zu verschieben und die wasserspezifischen Effekte positiv nutzbar zu machen“, erklärt Dr. Stefan Seemeyer, Leiter Forschung und Produktentwicklung bei Klüber Lubrication. „Bei einem Produktkonzept mit Wasseranteil konnten wir die Reibung sogar so weit reduzieren, dass die Superlubricity in greifbare Nähe kommt.“ Das erste Hydro Lubricant für die Schmierung von Getrieben, Klübersustain GW 0-460, ist seit diesem Jahr auf den Markt. Hydro Lubricants für Lager sind derzeit noch in der Entwicklungsphase.

Bild: Findling Wälzlager

„Wenn wir über Industrie 4.0 sprechen, dann meinen wir im Wesentlichen die intelligente Vernetzung von Komponenten und Maschinen. Es wäre erstrebenswert, Sensoren mit unterschiedlichsten Lagern – gerade auch verschiedener Leistungsklassen – zu kombinieren und in dezentral gesteuerte Systeme einzubeziehen. Mit unseren Premium-Partnern haben wir bereits solche Lösungen im Portfolio.“

Klaus Findling, Geschäftsführer von Findling Wälzlager

Integrierte Fettschmierstoffe

René Achnitz. Leiter Geschäftsbereich Iglidur Gleitlager von Igus, gibt zu bedenken, dass bei einem großen Teil der Wälzlagerausfälle mangelnde, falsche und verunreinigte Schmierung die Ursache sei. Eine Alternative bieten Tribo-Polymergleitlager, da sie durch die integrierten Festschmierstoffe nicht zusätzlich geschmiert werden müssen. Das erhöht die Anlagensicherheit und reduziert zudem die Menge an Schmierstoffen, die in die Umwelt gelangen.

Bild: Igus

„Die Anforderungen an die Lager sind sehr verschieden. Aus diesem Grund kann der Anwender bei Igus aus über 50 Werkstoffen wählen. Zumeist setzen die Kunden aber auf die Allrounder. Und genau hier liegt der Fokus bei den Weiterentwicklungen in den kommenden Jahren: einerseits die Allrounder in allen Belangen weiter zu verbessern, auf der anderen Seite sich durch Spezialwerkstoffe ganz neue Anwendungsgebiete zu erschließen.“

René Achnitz, Leiter Geschäftsbereich Iglidur Gleitlager bei Igus