Hengstler-Drehgeber, Bild: Actiworks

Der Münchner Software- und IT-Spezialist Actiworks hat eine Cloud-Lösung für die Hengstler-Drehgeber entwickelt – mit ihrer Hilfe können die ermittelten Daten weltweit an jedem Standort mit Internetverbindung ausgelesen werden. Bild: Actiworks

| von Leslie Wenzler, Hengstler

Viele Unternehmen können sich unter einer Cloud nicht viel vorstellen“, hat Actiworks-Geschäftsführer Konrad Peters festgestellt. Die Hemmschwelle, entsprechende Angebote zu nutzen, sei deshalb hoch. Dabei birgt die Digitalisierung große Chancen für die Industrie, denn sie ermöglicht so wegweisende Anwendungen wie die vorausschauende Wartung von Maschinen und Anlagen.

Die Cloud ermöglicht die weltweite Wartung

Zustandsüberwachung, Bild: Hengstler
Die Drehgeber Acuro AD38 und Acuro AD58 von Hengstler eignen sich in Kombination mit der offenen Motorfeedback-Schnittstelle SCS Open Link ideal für den Einsatz in der kontinuierlichen Zustandsüberwachung. Bild: Hengstler

Die Simulation des Münchner Unternehmens Actiworks Application Solutions auf der SPS IPC Drives 2017 sollte den Besuchern des Hengstler-Standes deshalb ihre Bedenken nehmen und ihnen zeigen, welchen strategischen Nutzen die Cloud ihnen bietet. „Wir wollten demonstrieren, wie sich die Daten der Hengstler-Drehgeber weltweit in Echtzeit auf allen Endgeräten anzeigen und in andere Systeme einlesen lassen“, sagt Peters. Damit das gelingen konnte, mussten Hengstler und Actiworks im Vorfeld wichtige Fragen klären: Welche Daten sollte der Nutzer sehen? Wie sollte das Gesamterlebnis für ihn sein? Oder generell: Wie funktioniert die Zusammenführung von zwei unterschiedlichen Systemen? Für Actiworks war es ein typisches Projekt: Die Münchener sind Anbieter von Software-Lösungen im Bereich Apps, Cloud und IoT. Bei der Simulation für die offene Schnittstelle SCS Open Link bestand die Lösung des Software- und IT-Spezialisten aus einem Gateway, über das die Daten der beiden Hengstler-Drehgeber Acuro AD38 und Acuro AD58 in ein lokales Netzwerk übertragen wurden. Nach einer Zwischenspeicherung wurden sie in die Cloud, also an externe Rechner, geschickt, von wo aus sie die Besucher an den bereitgestellten Tablet-PCs über eine von Actiworks programmierte Anwendung abrufen konnten.

Einheitlicher Standard für Servomotor-Feedback-Kommunikation

Zwar sind Projekte dieser Art für die Münchener Alltag – eine Besonderheit gab es bei der Entwicklung der Simulation für Hengstler dann aber doch. „Die Drehgeber senden sehr hochfrequent und wir mussten sehen, wie wir die Datenfrequenz am besten mitteln, um damit gut arbeiten zu können“, erinnert sich Konrad Peters. „Das hat aber hervorragend funktioniert.“ Die offene Schnittstelle SCS Open Link hatte Hengstler gemeinsam mit den Wettbewerbern Baumer und Kübler entwickelt. Damit kamen die Unternehmen dem Wunsch der Industrie nach einem einheitlichen Standard für die Servomotor-Feedback-Kommunikation nach. Grundlage der Einkabellösung ist die Schnittstelle Acuro link von Hengstler, die sich für den Einsatz in Sensoren, Aktoren und Linearmaßstäben eignet. Darüber können Daten und Leistung mit einer Rate von bis zu zehn MBaud und mit Reglerzyklen von bis zu 32 KHz übertragen werden. Ein weiterer Vorteil der Einkabellösung ist das massive Einsparen von Bauraum: Konstrukteure benötigen weniger als 50 Prozent des Steckplatzes als bei herkömmlichen Lösungen.

Drehgeber: optimal für Cloud-Lösungen

Die Hengstler-Drehgeber Acuro AD38 und Acuro AD58 wurden für die Simulation ausgewählt, weil sie optimal mit SCS Open Link zusammenarbeiten. Der Acuro AD58 ist vollständig digital und erreicht Arbeitsdrehzahlen von bis zu 12.000 min-1 und Auflösungen von 24 Bit in der Singleturn-Ausführung. Der Servomotor-Feedback-Drehgeber Acuro AD38 wurde sogar speziell für die Kombination mit der Einkabellösung entwickelt. Er basiert wie der AD58 auf dem Prinzip der optischen Abtastung und ist daher weitgehend unempfindlich gegenüber Schock und Vibrationen. Drehgeberspezifische Werte sind in einem Electronic Data Sheet gespeichert und können jederzeit abgerufen werden. Der AD38 erzielt Arbeitsdrehzahlen von bis zu 10.000 min-1 und Auflösungen von bis zu 24 Bit in der Singleturn- und bis zu 12 Bit in der Multiturn-Ausführung. Dank einer Einbautiefe von lediglich 38 Millimetern lässt sich der Drehgeber auch in enge Bauräume integrieren. Sowohl der Acuro AD 38 als auch der Acuro AD58 lässt sich in einem weiten Temperaturbereich von -40 beziehungsweise -20 bis +115 Grad Celsius einsetzen und eignet sich damit für zahlreiche Anwendungsgebiete.

Noch ist die Cloud-Lösung mit SCS Open Link nur eine Simulation. Hengstler und Actiworks arbeiten aber bereits an einer skalierbaren Lösung, die sich für viele verschiedene Anwendungen nutzen lässt. Da der Drehgeber allerdings nur eine Komponente von vielen in einer Anlage ist, müssen dafür auch die Maschinenbauer mit ins Boot geholt werden. „Das ist ein komplexes Projekt“, meint Konrad Peters. Das Engagement von Hengstler im Bereich der Cloud-Lösungen hat einen ganz bestimmten Grund: Der Drehgeber-Spezialist möchte seinen Kunden mittelfristig nicht nur die vorausschauende Wartung seiner Produkte ermöglichen, sondern auch ihren Mehrwert erhöhen. „Aus den Drehgeber-Daten lassen sich Rückschlüsse auf ihre Nutzung und die vom Kunden benötigten Produkteigenschaften ziehen“, sagt Johann Bücher, Director Encoder Strategy bei Hengstler. „So könnten wir maßgeschneiderte Lösungen anbieten.“ Der Kunde hätte durch die Nutzung von Cloud-Diensten aber auch die Möglichkeit zu wählen, ob er seinen Drehgeber zu einem späteren Zeitpunkt upgraden möchte. „Dadurch wäre eine viel flexiblere Preisgestaltung möglich“, so Bücher.

Der Industrie die Angst nehmen

Da die Unsicherheit in der Industrie in Sachen Cloud noch groß ist, sieht IT-Fachmann Konrad Peters die wichtigste Aufgabe darin, den Unternehmen die Angst zu nehmen. „Wir müssen die Kunden Schritt für Schritt an das Thema heranführen.“ Dass das unumgänglich ist, daran hat er keinen Zweifel: „Die Industrie wird ihre Maschinen und Anlagen internetfähig machen müssen, um die gewünschte Effizienz der Prozesse auch in Zukunft gewährleisten zu können.“  aru

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