Sauggreifer, Bild: Homag

Ein gewaltiger Sauggreifer verfügt über mehr als 30 individuell ansteuerbare Sektionen, um das mögliche Zuschnittspektrum abgreifen zu können. Bild: Homag

Gerade in der Möbelindustrie geht der Trend weltweit Richtung Individualisierung. Die Material- und Variantenvielfalt kennt hier kaum noch Grenzen und verändert die altbekannte Serienfertigung vielerorts radikal. Für die Hersteller bedeutet das zunehmend die Fertigung kleiner Losgrößen oder gar Losgröße 1.

Um Anwender aus Industrie und Handwerk dabei bestmöglich zu unterstützen, machte man sich bei Homag Plattenaufteiltechnik, vormals Holzma, an die Entwicklung einer Aufteilzelle. Worauf die Maschinenkonstrukteure dabei fokussierten, bringt Uwe Elhaus, Leiter Mechatronik bei Homag Plattenaufteiltechnik, auf den Punkt: „Ein übergeordnetes Entwicklungsziel hieß, die bis dato gegenläufigen Faktoren Einzelteilfertigung und maximalen Output unter einen Hut zu bringen. Das konnte nur durch taktzeitoptimierte Vollautomation mit maximaler Flexibilität gelingen und da waren wir auch schon beim Thema Roboter angelangt.“

FlexTec-Schnittplan, Bild: Homag
Beispiel für einen FlexTec-Schnittplan. Bild: Homag

In aufwendigen Analysen haben die Maschinenbauer alle möglichen Alternativen untersucht. Dabei kristallisierten sich Roboterlösungen in punkto Flexibilität und Handhabungsgeschwindigkeit als unschlagbar heraus. Von allen untersuchten Palettierrobotern kamen die vierachsigen Yaskawa-Maschinen der MPL-Baureihe dem bestehenden Anforderungsprofil im Hinblick auf Geschwindigkeit, Verfügbarkeit, Reichweite und Tragkraft sehr nahe. Doch auch die gemeinsame Zusammenarbeit war ein wichtiger Aspekt, wie Dieter Pilz, Homag Group Director Strategic Sourcing, betont: „Die Mannschaft von Yaskawa ließ sich komplett auf unser Projekt ein, investierte viel Zeit und steuerte bereits vor endgültiger Auftragsvergabe viel Know-how bei.“

Vollautomatischer Zuschnitt – Nachschnitte ohne Limit

„Ein kompaktes Plattenaufteilzentrum, das den Individualzuschnitt vollautomatisch mit nur einer Säge erledigt und dabei Nachschnitte ohne Limit bei maximaler Flexibilität in der Schnittplangestaltung erlaubt – genau darauf hatte der Markt gewartet“, so Elhaus über die Einführung der Robotersäge HPS 320 FlexTec.

Da sich die Robotersäge wahlweise an automatische Flächenlager anbinden oder auch in komplette industrielle Fertigungsanlagen integrieren lässt, zählen Handwerk und Industrie gleichermaßen zum Kundenkreis. Durch einen intelligenten, modularen Aufbau lässt sich die Aufteilzelle nach Kundenwunsch zusammenstellen und sowohl im Teilefluss als auch in der Leistung anpassen.

Herzstück – in der Ausführung mit 3.200 Millimeter Schnittlänge – ist ein schneller Yaskawa-Palettierroboter Motoman MPL300II. Bei der Säge mit 4.300 Millimeter Schnittlänge kommt ein Motoman MPL500II mit noch höherer Tragkraft zum Einsatz. Beide Vierachser verfügen über die identische Reichweite von 3.159 Millimetern und können das komplette Platten-, Teile- und Streifenhandling an der Anlage übernehmen. Dazu hebt der Roboter die Streifen nach dem ersten Längsschnitt an, dreht sie und legt sie auf dem hinteren Maschinentisch beziehungsweise dem Streifenpuffer für den erneuten Zuschnitt, den Querschnitt, ab.

Gleiches gilt für Nachschnitte, bei denen der Roboter ebenfalls für die lagerichtige Zuführung der Teile sorgt. So sind vollautomatische und fehlerfreie Nachschnitte ohne Limit möglich. Am Ende legt der Roboter die fertigen Teile auf die automatische Auslaufrollenbahn oder stapelt sie auf Paletten ab.

Know-how-intensive Greifertechnologie

Viel Erfahrung steckt in der Entwicklung des gewaltigen Sauggreifers, der für die Teilehandhabung zuständig ist. Die große Saugtraverse verfügt über mehr als 30 individuell ansteuerbare Sektionen, um das mögliche Zuschnittspektrum abgreifen und positionieren zu können. „Nur mit aufwendigen Simulationen ist es uns gelungen, die Saugtraverse für alle möglichen Positionen unter Berücksichtigung der Reichweite des Roboters auszulegen. Immerhin reicht die Bandbreite der zu greifenden Werkstücke von minimal 240 mal 80 bis maximal 4.300 mal 2.200 Millimeter, was in etwa einem Flächenverhältnis von 1:500 entspricht“, betont Elhaus.

Um größtmögliche Sicherheit und schnelle Handhabungsvorgänge zu gewährleisten, ist die Einhaltung des Unterdrucks sensorisch überwacht. Die Parameter Unterdruck und Plattengewicht werden dabei permanent in Relation gesetzt und bei Bedarf wird die Geschwindigkeit des Roboters angepasst.

Dank der hohen Performance des Yaskawa-Vierachsers kann die Säge ihre volle Leistungsfähigkeit ausspielen, ohne Wartezeiten durch das Roboterhandling hinnehmen zu müssen. Das Zusammenspiel dieser beiden Komponenten sorgt für eine Leistung von bis zu 1.500 Teilen pro Schicht.

Roboterprogrammierung nicht erforderlich

Ein weiterer großer Vorteil des Plattenaufteilzentrums ist die einfache Bedienbarkeit, die eine Programmierung des Roboters überflüssig macht. Der Vierachser ist steuerungstechnisch vollständig in die Maschinensteuerung der HPS 320 FlexTec integriert. Seine Greif- und Bewegungsmuster werden automatisch ohne Zutun des Bedieners aus den Schnittplänen generiert. Die Erstellung dieser Pläne erfolgt über die Homag Optimierungssoftware Schnitt Profi(t) offline vom Büro aus.

Mit der Einführung der HPS 320 FlexTec ist Homag ein technologischer Sprung beim Zuschnitt von Einzelplatten gelungen. Die Vorteile dieser Lösung: Dank Roboterhandling lassen sich nun erstmals beliebig viele Nachschnitte mit nur einer Säge realisieren. Erforderten mehrfache Nachschnitte bisher immer ein manuelles Eingreifen, so ist heute bei vollautomatischen Abläufen maximale Flexibilität angesagt.

Bei einer Vollverkettung arbeitet die Robotersäge über längere Strecken mannlos. Künftig wird dies auch bei nicht verketteten Anlagen möglich sein, wie eine neue Anlagenvariante, die auf der Ligna 2017 Premiere feierte, belegt. jl

Anlagenlayout einer HPS 320 FlexTec, Bild: Homag
Mögliches Anlagenlayout einer HPS 320 FlexTec: Die Säge lässt sich wahlweise an automatische Flächenlager anbinden oder auch in komplette industrielle Fertigungsanlagen integrieren. Bild: Homag