Thorsten Schulze, Bild: Automation 24

„Die Steuerungstechnik ist beratungsintensiv, weil sie sehr komplex ist und viele Möglichkeiten bietet. Das gilt aber auch für die Applikationsberatung in der Sensorik“, so Thorsten Schulze, Sortimentsmanager bei Automation 24.

Herr Schulze, wie sieht denn bei Automation24 aktuell das Verhältnis von Industrie-4.0-Produkten zu Nicht-Industrie-4.0-Produkten aus?

Prinzipiell ist jedes unserer Produkte im Bereich Industrie 4.0 verwendbar. Selbst eine Leitung gehört schließlich zum großen Ganzen dazu. Von unseren Sensoren sind gut 80 Prozent IO-Link-fähig. Und im Bereich der Steuerungstechnik bieten wir die neueste Simatic S7-1200 von Siemens. Sie ist Profinet- und internetfähig. Darüber hinaus werden in diesem Jahr sicherlich noch einige Neuheiten auf den Markt kommen, die dann zum Beispiel die Datensammlung und das Weiterleiten in Cloudsysteme ermöglichen. Hier treffen wir gerade eine Auswahl der Produkte, die wir ins Sortiment nehmen.

Momentan ist Industrie 4.0 aber noch ein Schlagwort mit vielen Unsicherheiten, oder?

Ich glaube, das ist momentan in der Tat noch ein Problem. Klar, über Industrie 4.0 spricht jeder. Aber wenige können genau beziffern, was es konkret für sie bedeutet, wo sie ansetzen müssen und welche Lösungen der Markt für sie bereit hält. Wenn ich als Anwender beispielsweise Clouds von fünf verschiedenen Herstellern nutze und nicht weiß, wie ich die Daten zusammentragen soll, dann stehe ich vor einem Problem.

Wie schaffen Sie und Ihre Kollegen es, sich in das Thema Industrie 4.0 einzuarbeiten und inhaltlich fit zu halten?

Zum Einen informieren wir uns auf Messen, über Fachmagazine und die Webseiten der Hersteller. Darüber hinaus lassen wir konsequent alle unsere Hersteller ins Haus kommen, damit sie uns die neuen Systeme und Produkte vorstellen und unsere Mitarbeiter schulen.

Das heißt, Sie kennen die Hersteller, mit denen Sie zusammenarbeiten, inzwischen sehr gut?

Genau. Wir pflegen zu allen unseren Herstellern ein partnerschaftliches Verhältnis und sind stets bestens informiert, was Neuerungen und technische Produkte angeht. Zum Beispiel hat unser Steuerungshersteller Siemens einen relativ großen Anteil am Bereich Industrie 4.0. Mit den entsprechenden Fachberatern stehen wir in engem Kontakt und laden sie turnusmäßig zu uns ins Haus ein.

Haben Sie den Eindruck, dass die Beratung auch ein Geschäftsmodell für Automation24 ist?

Unbedingt! Ich sehe das als große Chance, da wir uns so von dem reinen Komponentengeschäft abheben können. Eine Artikelnummer verkaufen und lagern kann jeder gute Logistiker, auch ohne technische Kenntnisse. Aber um ein ganzes System zu beraten und dem Kunden eine Lösung zu bieten, muss man schon eine gewisse Fachkenntnis mitbringen.

Automation24 fungiert also als eine Art Vermittler, der den Überblick behält und hinsichtlich möglicher Lösungen beraten kann?

Die Applikationsberatung gehört bei Automation24 zum Tagesgeschäft, zumindest was unser Produktportfolio angeht. Wenn unsere Hersteller einmal keine Lösung parat haben, empfehlen wir aber durchaus auch Produkte, die wir nicht im Shop führen. Wir möchten unseren Kunden zufrieden stellen. Und dazu gehört es, alle am Markt verfügbaren Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Das Unternehmen: Automation24

Das Unternehmen Automation24 wurde im Jahr 2011 gegründet. Im Juni 2012 startete der Online-Shop. In diesem finden Konstrukteure und Ingenieure über 4.500 Markenartikel aus den Bereichen Positionssensorik, Prozesssensorik, Steuerungs- und Antriebstechnik, Industrial Ethernet, Regelungstechnik, Industrieleuchten, Schalt- und Schutztechnik, Befehls- und Meldegeräte, Spannungsversorgung, Gehäuse, Werkzeuge sowie Verbindungstechnik.

Ausgebildete Techniker und Ingenieure beraten zur konkreten Anwendung über die Komponente hinaus. Sämtliche Produkte sind ab dem ersten Stück zu einem Preis erhältlich, der durchschnittlich 25 bis 30 Prozent unter dem empfohlenen
Herstellerpreis liegt.

Ihr Kunde spart sich also viel Arbeit, wenn er bei Ihnen anruft, weil Sie den Vergleich für ihn erarbeiten?

Das ist der Ansatz unseres Shops! Wir treffen eine Vorauswahl an Produkten, von denen wir der Meinung sind, dass man damit die meisten Anwendungen abdecken kann. Das klappt natürlich nicht immer zu 100 Prozent. Aber wir schätzen, dass sich ungefähr 80 Prozent der Kundenanwendungen damit verwirklichen lassen.

Wie wählen Sie die Hersteller aus?

Zum einen durch langjährige Erfahrung. Wir setzen auf namhafte Hersteller, bei denen man sich auf Qualität verlassen kann. Außerdem testen wir die Produkte, bevor wir sie ins Sortiment nehmen, auf Gebrauchstauglichkeit und Anwendungsmöglichkeiten.

Sie beabsichtigen, dieses Jahr Ihre Produktbereiche auszuweiten. Was haben Sie vor?

Wir werden unser Portfolio in den Bereichen Sensorik und Steuerungstechnik erweitern. Auch das Angebot an Kabelleitungen soll gemeinsam mit unserem aktuellen Lieferanten ausgebaut werden. Wir werden dann zukünftig auch Steuer- und Busleitungen als Meterware anbieten. Aber auch neue Produktbereiche sind geplant, wie zum Beispiel die Sicherheitstechnik. Unser Ziel ist es, hier ein ganzes Produktspektrum abbilden zu können. Außerdem werden wir noch einen weiteren Hersteller ins Sortiment nehmen, um unseren Kunden die Möglichkeit zu bieten, Daten via Profinet und Ethernet wireless zu übertragen.

Noch eine letzte Frage: Was ist der Vorteil für Konstrukteure, wenn sie bei Ihnen bestellen und nicht direkt beim Hersteller?

Wir bieten auf unsere Produkte einen ordentlichen Rabatt ab dem ersten Stück. Außerdem haben wir in der Regel alle Produkte, die wir online anbieten, auf Lager. So können wir am gleichen Tag versenden, und der Kunde bekommt das Produkt nach 24, allerspätestens nach 48 Stunden. Wie bereits erwähnt bündeln wir zudem die Beratungsleistung. Kunden brauchen nicht jeden Hersteller einzeln anzurufen, sondern können sich bei uns ihr individuelles Lösungspaket zusammenstellen.