Roboter-Barkeeper, Bild: Kuka

Ein Blickfang neben dem anderen: Der Roboter-Barkeeper arbeitet in einer Rooftop-Bar direkt neben dem berühmten Mailänder Dom. Bild: Kuka

| von Sebastian Schuster, Kuka

Bei Toni, einem Kuka-Roboter aus der KR-Agilus-Baureihe, können Besucher ihren Drink per App bestellen.

Von der Dachterrasse des TownHouse-Duomo-Hotels aus hat man einen beeindruckenden Blick auf die Kathedrale und die Dächer von Mailand. Nicht umsonst heißt die Bar, die sich hier befindet, The View. Doch nicht nur die Aussicht ist spektakulär, auch der Service ist ungewöhnlich. Denn Barkeeper Toni ist ein Roboter. Entwickelt wurde das vollautomatische Bar-System von dem Turiner Unternehmen Makr Shakr. Angefangen hat alles mit der Idee, den Bar-Besuchern die Möglichkeiten der Digitalisierung und Automatisierung näherzubringen. „Wir wollten unsere Leidenschaft für Cocktails und Design mit den Mitteln der modernen Technik kombinieren“, erklärt Alessandro Incisa, Chief Technology Officer bei Makr Shakr. Toni ist eine vollautomatische Roboterzelle, in der hochmoderne, auf dem Internet of Things (IoT) basierende Komponenten mit standardisierten Automationskomponenten kombiniert werden

„Wir laden die Besucher dazu ein, auf eine einfache Art und Weise mit den Robotern zu spielen.“


Alessandro Incisa, Chief Technology Officer bei Makr Shakr

Zwei Kuka-Roboter aus der KR-Agilus-Baureihe vom Typ KR 10 R1100 und KR 6 R900-2 teilen sich die Aufgaben beim Zubereiten der Drinks: Während der eine das Mischen, Rühren und Schütteln übernimmt, zeigt der andere coole Dance-Moves und unterstützt beim Ausschenken. Montiert sind die beiden Roboter auf einem Tresen, über dem Halterungen für über 150 Flaschen montiert sind. Aus diesen zapft der Roboter die Zutaten für die Drinks. Außerdem befinden sich in der Rückwand der Roboterzelle neben einem Eisspender und einem Obstschneider für die Zitronen- oder Limettengarnitur, auch ein Zapfhahn für Bier, Wein und Soda. Selbst braunen Zucker oder Minzblätter kann der Roboter über zwei Portionierer zufügen. Außerdem ist in der Rückwand ein Waschbecken verbaut, in dem der Roboter den Shaker nach jeder erledigten Bestellung ausspült.

Steuerung per App

Tablet, Bild: Kuka
Über eine App können die Gäste ihre Getränke bestellen oder eigene Drinks kreieren. Bild: Kuka

Gesteuert wird das Bar-System über die Kuka-KR-C4-Steuerung sowie über eine SPS. Mit der Roboter-Programmierung müssen sich die Gäste jedoch nicht auskennen; für sie ist die Bestellung denkbar einfach: Über eine App auf dem Smartphone oder Tablet wählen sie ihren Drink aus. Die Info wird an den Roboter übertragen, der die Aufträge in der Reihenfolge der Eingänge abarbeitet. Per App wird der Gast informiert, sobald sein Getränk zur Abholung an der Bar bereitsteht. Die klassischen alkoholischen und alkoholfreien Cocktails sind in der digitalen Getränkekarte der App gespeichert.

Daneben besteht aber auch die Möglichkeit, über die App eigene Drinks zu kreieren. Die Gäste können sich aus dem gesamten Angebot der Roboter-Bar Getränke nach eigenem Belieben zusammenstellen – inklusive Obstgarnitur, Menge der Eiswürfel und Zubereitungsart. „Wir laden die Besucher dazu ein, auf eine einfache Art und Weise mit den Robotern zu spielen“, sagt Alessandro Incisa. Erfolgreich getestete Eigenkreationen können die Gäste später über die Cloud-Anbindung mit Freunden teilen.

Kombination verschiedener Technologien

Die verschiedenen Technologien in der Roboter-Bar miteinander zu kombinieren und aufeinander abzustimmen, stellte für Makr Shakr die größte Herausforderung in der Entwicklung dar. Nicht nur die Robotersteuerung, sondern auch die App wurden eigens für das Projekt entwickelt. Dabei musste auch eine Anbindung an die von Google betriebene Cloud-Plattform Kubernetes geschaffen werden. Auch die Bewegungen des Roboters waren ein Knackpunkt: Sie sollten den Bewegungen eines menschlichen Barkeepers möglichst ähnlich werden. Gleichzeitig wollte man jedoch nicht die Geschwindigkeit reduzieren, zu der der Roboter in der Lage ist.

Daraus resultierte das nächste Problem: Wie kann verhindert werden, dass der Roboter die Getränke verschüttet? „Während der Entwicklung des Bar-Systems hat sich Makr Shakr kontinuierlich weiterentwickelt“, erklärt Incisa. „Wir haben das notwendige Know-how dazugewonnen, um die Aufgaben zu lösen.“ Dass die Wahl auf einen Roboter von Kuka fiel, hatte mehrere Gründe: Die Schnelligkeit, die intuitive Bedienung und die Zuverlässigkeit der Technik waren die wichtigsten. Aber auch die Ästhetik spielte eine große Rolle. „Kuka hat unser Unternehmen in die Welt der Automatisierung eingeführt und war für uns bei der Entwicklung der Makr-Shakr-Technologie ein zentraler Partner“, zeigt sich Incisa zufrieden.

Das Bar-System ist besonders für die Gastronomie oder Eventveranstalter interessant. Es bietet verschiedene Vorteile: Bei stets gleichbleibender Qualität ist ein 24/7-Betrieb möglich. Lediglich die Zutaten für die Drinks müssen regelmäßig manuell aufgefüllt werden. Der Roboter bereitet die Getränke mit größter Präzision zu. Dennoch: In einem Punkt kann der Roboter nicht mit seinem menschlichen Kollegen mithalten. Zwar verschiebt Makr Shakr mit seinem Bar-System die Grenzen der Interaktion zwischen Mensch und Roboter ein Stück weit. Ein Gespräch mit dem Barkeeper ist jedoch (noch) nicht möglich.

„Es ist nicht unser Ziel, menschliche Barkeeper zu ersetzen“, versichert Incisa. „Bei Toni steht im Vordergrund, dass die Gäste das Mixen erforschen und dabei eine Technologie erleben, die in der Regel nicht Teil ihres Alltags ist.“  Im The View wird die Roboter-Bar gut angenommen. Fasziniert beobachten die Gäste, wie Toni die Drinks mixt. In der Zukunft plant Makr Shakr, die Möglichkeiten der Interaktion zwischen den Gästen und dem Roboter weiter auszubauen. 

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