| von Wolfgang Kräußlich
Markus Sandhöfner und Robert Kickinger, B&R, Bild: ke NEXT
Am Stammsitz in Eggelsberg stellten Markus Sandhöfner (links) und Robert Kickinger (rechts) Acopostrak im Detail vor. Markus Sandhöfner ist Geschäftsführer von B&R Deutschland, Robert Kickinger ist für die Marktentwicklung des Technologiebereichs Langstator-Linearmotoren zuständig. Bild: ke NEXT

Wenn Sie Ihre neue Produktgruppe betrachten: Liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Mechanik, der Rechenpower oder der Software?

Markus Sandhöfner: Im Grunde kommt es auf all das an, und zusätzlich braucht es leistungsfähige IT. Sehen Sie, das Shuttle, die Führung, das ist pure Mechanik. Dann haben wir in den Motorsegmenten die Spulen, das ist Elektromechanik. Die Spulen werden in den Segmenten bestromt, wir haben im Endeffekt ein komplettes System aus Motor und Leistungselektronik. Als nächstes ist die elektronische Auswertung integriert, Sensorik, und dann noch eine Logik, die teilweise bereits im Segmentcontroller mit untergebracht ist. Die Segmente müssen untereinander kommunizieren, ebenso wie nach oben in den Prozesscontroller. Hier braucht es eine entsprechende Vernetzung. Insgesamt ist eine Software nötig, die alles steuert und an übergeordnete Systeme anbindet.

Robert Kickinger: Denn der Punkt ist ja der: So eine flexible Maschine arbeitet nicht für sich, die muss ihre Aufträge aus einem Webshop oder Warenwirtschaftssystem erhalten. Sie muss im Sinne von Industrie 4.0 individuell und kundenbezogen automatisch reagieren. Entsprechend bietet unsere Technik zum einen Schnittstellen zu den Logistiksystemen, zum anderen die Möglichkeit, dass jedes Shuttle Informationen über das Produkt oder den Bearbeitungszustand mit sich führt.

Mit einem RFID-Tag am Shuttle?

Robert Kickinger: Nicht unbedingt. Natürlich lässt sich ein Identifikationssystem einbinden, etwa wenn das im Pharmabereich gefordert ist. Aber in vielen Anwendungen ist das nicht nötig. Grundsätzlich erhält jedes Shuttle beim Hochfahren der Anlage eine ID zugewiesen. Das System verfolgt ab da die Position per Software, und die Produktionsdaten werden dem Shuttle in einem Datenbereich virtuell zugeordnet. Solange das System läuft, weiß ich immer, wo welches Shuttle gerade ist.

Markus Sandhöfner: Die Bearbeitungs- oder Qualitätssicherungsstationen melden dem System jeweils den Zustand der bearbeiteten Ware, sodass im Prozessprogramm entschieden werden kann, ob Ausschuss ausgeschleust wird oder ob für Sonderwünsche zusätzliche Bearbeitungsschritte nötig sind. Wir bieten mit Acopostrak ein integriertes Konzept. Das ist entscheidend, weil wir es nicht mit einem einfachen Linearmotorsystem zu tun haben, sondern mit einem kompletten Materialtransport- und -logistiksystem. Das muss in einer Hand liegen, denn mehrere Hände können all die Schnittstellen nicht sauber handhaben.

Wieviel Rechenpower ist denn nun wo im System verteilt? Wie leistungsfähig muss der zentrale Prozessrechner sein?

Robert Kickinger: Wir denken dezentral und hochskalierbar. Dass heißt, die Leistungsfähigkeit des Systems ist unabhängig von der Anzahl der Shuttles, die auf dem System laufen, unabhängig von der Anzahl der Segmente, die ich in einem System habe. Natürlich gibt es auch hier irgendwann Grenzen, aber für den Normalgebrauch, also Tracklängen bis 100 Meter, gibt es kein Limit. Entsprechend haben wir die Rechenpower da, wo wir sie brauchen: Die Spulen brauchen sehr schnelle Zyklen, der Übergang der Shuttles von einem Segment auf das andere oder von einer Spule auf die andere, das sind Dinge, die sehr sehr schnell und hochgenau passieren müssen. Diese Vorgänge haben wir im Controller jedes Segments mit der Rechenkraft eines Smartphones vereint. Dadurch reicht für die zentrale Steuerung einer komplexen Anlage ein einziger Industrie-PC, der dann auch nicht Unmengen an Rechenkernen braucht. Wichtig ist, dass das Netzwerk mitspielt. Hier nutzen wir Powerlink, das schnell ist und direkte Peer-to-Peer-Kommunikation ermöglicht. wk

Kräußlich mit Acopostrak, Bild: ke NEXT
Hands on: bei einem Besuch am B&R-Stammsitz in Eggelsberg lässt sich ke-NEXT-Chefredakteur Wolfgang Kräußlich alle Besonderheiten von Acopostrak genau zeigen. Schauen Sie dazu auch die Videoreportage! Bild: ke NEXT

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