Mike Gonschior, Bild: ke NEXT
Mike Gonschior hat Energieanlagen-Elektroniker gelernt und danach Elektrotechnik studiert. Seit 2004 ist er bei ifm, die meiste Zeit als Produktmanager im Bereich industrielle Bildverarbeitung. Heute ist er als Produktmanager für die 3D-Kameras mit PMD-Sensor zuständig. Bild: ke NEXT

Mike Gonschior: Es geht wirklich darum, dass man seinen Kunden beobachten und auch zwischen den Zeilen lesen muss. Kein Mensch hat bei einem Nokia-Telefon gesagt, er hätte lieber einen riesengroßen Bildschirm. Jeder hat gedacht, er bräuchte ein kleineres Telefon. Trotzdem wurde das iPhone zum Erfolg. Es ist doch so: Menschen finden immer irgendeinen Work-Around. Wenn neben dem modernen Touch-Screen nochmal eine Maus liegt, dann wird der Nutzer vielleicht gar kein Problem verbalisieren. Aber wenn man diese Maus sieht, sollte man hinterfragen, wofür er sie denn benutzt. Und wenn sich herausstellt, das man das mit einer Änderung in der Software verbessern kann, sollte man das tun.

Woran liegt es, dass User unzufrieden mit der Software sind?

Karolina Beck: Zum Beispiel daran, dass man den Scroll-Balken nicht sieht, weil der Kontrast nicht hoch genug ist. Ab einem gewissen Alter schwächt sich die Empfindlichkeit für Kontraste etwas ab, und dann sieht man womöglich nicht, dass man scrollen kann. Das ist ungünstig, wenn der wichtige Teil unten liegt.

Mike Gonschior: Ein anderes Beispiel ist unser Wiring-Assistent. Wir haben festgestellt, dass die Verdrahtung für mache Kunden zur Herausforderung werden kann. Es gibt eine Normung für Fünf-Pol-Kabel, da ist Ground oder Null immer blau und die Spannungsversorgung ist braun. Bei anderen Steckverbindern ist das aber nicht so, weswegen wir hier nun die Unterstützung durch einen Assistenten haben, der Fehlverdrahtung verhindert. Das ist eine ganz simple Geschichte, aber eben nutzerzentriertes Design.

Was hat Sie im Rahmen Ihrer Untersuchungen überrascht?

Karolina Beck: Man muss für Überraschungen offen sein. Denn jeder Mensch hat ein eigenes mentales Modell von einer Sache. Ich musste erst lernen, dass die Anwender, vor allem die Endanwender, die Bediener der Maschinen, anders denken als die Entwickler. Industrieprodukte sind extrem stark Feature-getrieben. Das heißt, man hat den Wunsch eines Kunden, und der Kunde äußert diesen meistens in Form einer technischen Anforderung. Er äußert keine Bedienbarkeitsanforderung. Und zudem sprechen von beiden Seiten meist die Techniker miteinander. Da wird kaum gefragt: Was fühlt der Anwender, wenn er die Komponente einsetzt oder die Maschine bedient?

Es ist auch sehr unterschiedlich, was bei Tests an Rückmeldung kommt. Von manchen Nutzern zum Beispiel kam ein sehr deutliches Feedback, wenn der Text in einem Wizard nicht gut ist. Das heißt, die lesen das. Andere neigten eher dazu, sich durchzuklicken. Das hat mich auch überrascht.

Teachingprozess, Bild: ifm
Auch durch den Teachingprozess – hier die Vollständigkeitskontrolle von Getränkekästen – führt ein Wizard. Der Nutzer wird unter anderem gefragt, ob schräg stehende Kästen toleriert werden. Bild: ifm

Was ist die größte Herausforderung bei so einem Prozess?

Mike Gonschior: Ich glaube, das Schwierige ist, dass die Benutzerführung immer ein Kompromiss sein wird zwischen Standardisierung, das heißt, möglichst viele Produkte möglichst ähnlich bedienbar zu machen, und Optimierung für Einzelprodukte. Da wird man sich immer wieder abgleichen müssen, wenn neue Produkte hinzukommen, um festzustellen, mit welchem Maß an Standardisierung der größtmögliche Nutzen für die verschiedenen Nutzergruppen zu erreichen ist.

Wie haben Sie die Bediensoftware nun konkret ausgelegt, um all diesen Maßgaben gerecht zu werden?

Karolina Beck: Das fängt schon mit den verschiedenen Zugängen in der Software an. Der Spezialist bekommt alle Einstellmöglichkeiten und kann in Ruhe an allen Parametern der O3D drehen und testen. Der Generalist braucht eine schnelle, kompakte Lösung. Der sucht sich seine Applikation aus, und wird in nur sechs Schritten durch einen Wizard geführt. Wir haben auch das Design angepasst. Industriessoftware sieht ja häufig noch so ein bisschen aus wie Windows 3.1 und ist nicht vergleichbar mit Touchscreen-Softwareoberflächen, die man sie von Smartphones oder Tablets heutzutage kennt.

Generell haben wir darauf geachtet, dass die Software per Touchscreen bedienbar ist, weil wir immer öfter im Feld sehen, dass solche Tools genutzt werden. Wir haben uns natürlich auch damit auseinandergesetzt, dass man Farbfehlsichtigkeit mit einplanen muss und dass es auch dazu kommen kann, dass die Software auf einem Beamer präsentiert wird. Auch da muss sie vernünftig funktionieren, müssen die Schriftgrößen lesbar sein. Wir haben all diese technischen Basis-Standardgeschichten ebenso optimiert.