Georg Stawowy, Lapp

Georg Stawowy, Vorstand Innovation und Technik bei der Lapp Holding. (Bild: Lapp)

ke NEXT: Herr Stawowy, wie sieht aktuell die Situation in puncto Lieferketten bei Ihnen aus? Wie geht Ihr Unternehmen mit Problemen in diesem Bereich um?

Georg Stawowy: Die Versorgungslage ist in der Tat unglaublich angespannt. Aber unser Supply Chain Management hat sich gut vorbereitet, um auch noch in einem schwierigen Marktumfeld erfolgreich zu beschaffen. Gut gepflegte Lieferantenbeziehungen und extrem flexible, eigene Werke sind der Schlüssel. Lapp hat für viele Materialien langfristige Rahmenverträge und so war die Verfügbarkeit besser als die vieler Wettbewerber. Wir haben bereits vor ein paar Jahren im Rahmen des Risikomanagements Partnerlieferanten identifiziert, mit denen entsprechende vertragliche Vereinbarungen getroffen wurden. Strategisch setzen wir aber auch auf Diversifizierung. Unser Ziel ist es, dass für jede Produktgruppe mindestens zwei Lieferanten zu akquirieren sind, sodass jeder Standort auf der ganzen Welt flexibel beliefert werden kann. Diese Bemühungen zeigen bereits Erfolge: Beispielsweise hat Lapp im Bereich Industrial Communication in den vergangenen 12 Monaten vier neue Lieferanten qualifiziert und die Anzahl somit verdoppelt. Bei der Suche nach neuen Lieferanten setzen wir auf eine Artificial-Intelligence-Lösung: Diese Software kann in Hochgeschwindigkeit das Internet durchforsten, findet Lieferanten auf der ganzen Welt und bewertet sie. Diese kann das Einkaufsteam dann gezielt angehen.

Die Energiepreise steigen und steigen. Wie sehen Sie die Finanzierbarkeit von Energie und Strom für Ihr Unternehmen? Welche Maßnahmen ergreifen Sie kurz- und mittelfristig?

Stawowy: Bei Lapp standen Erneuerbare Energien schon immer im Fokus. Allein am Standort Stuttgart haben wir seit 2005 eine große Photovoltaikanlage auf unserem Logistikgebäude, die Europazentrale wird mit Geothermie beheizt und wir beziehen für den Standort Stuttgart ganz bewusst nur grünen Strom. Trotz all dieser Maßnahmen müssen wir das Thema Energie als Kostenblock deutlich ernster nehmen. Die zusätzlichen Ausgaben für Energie werden in diesem Jahr in die Millionen gehen. Aus diesem Grund sind wir gerade dabei, weitere Energieeinsparmaßnahmen zu prüfen. Hier sehen wir vor allem die Extrusion in der Produktion als einen wichtigen Hebel.

Bereitet Ihrem Unternehmen die Verfügbarkeit von Energie und Strom in den kommenden Monaten Sorge?

Stawowy: Natürlich, wir sind hochgradig alarmiert. Wir benötigen zwar kein Gas für unsere Produktionsprozesse und können grundsätzlich so die Produktion von Kabeln sicherstellen. Schwierig würde es allerdings, wenn den Polymer-Herstellern wie zum Beispiel der BASF der Gashahn abgedreht würde. Dann haben nicht nur wir ein Problem, sondern die ganze Wirtschaft.

 

Fühlen Sie sich als Unternehmen ausreichend von der Politik gesehen? Was wünschen Sie sich von der Politik.

Georg Stawowy: Ich habe das Gefühl, dass der Wirtschaftsminister einen guten Job macht. Er wägt alle Details genau ab und ist sich der Risiken ganz bewusst, wenn man der Industrie oder den Privathaushalten den Gashahn abdrehen würde. Ich wünsche mir jetzt allerdings eine schnelle Entscheidung, wie es weitergeht und wer im Notfall priorisiert wird. Und ich wünsche mir, dass es bei der Prüfung von alternativen Energiequellen keine Tabus gibt.

Die Fragen stellte Angela Unger-Leinhos, Redakteurin ke NEXT

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