Christian Barthen
Christian Barthen ist seit gut zehn Jahren bei Igus und nach Stationen im Vertrieb und Produkt­management nun Leiter des Geschäftsbereichs Energieführungsketten. - Bild: ke NEXT / wk

„Kein Nein ohne Chef“

Igus gilt als eines der innovativsten Unternehmen der Branche, und auch seine Energieführungen entwickeln sich ständig weiter. Das kommt nicht von ungefähr, wie sich im Gespräch mit dem Energieketten-Chef des Kölner Unternehmens zeigt.

Sie haben auf der vergangenen Hannover Messe laut einem Schild auf dem Stand 155 Neuheiten vorgestellt. Bei  wie vielen davon ging es um Energieführungsketten?

In diesem Jahr haben wir 33 neue Produkte im Bereich der e-ketten vorgestellt.

Woher kommt das, dass Sie bei einem im Grunde ausgereiften Produkt jedes Jahr so viele Innovationen entwickeln?

Wir haben so viele Neuheiten, weil von unseren Kunden eben so viele Anforderungen kommen. Außerdem gibt es bei uns eine Regel: kein Nein ohne Chef! Jeder Kollege im Verkauf muss, bevor er zu einer Kundenanfrage Nein sagt, Rücksprache mit seinem Chef halten. Selbst wenn der Kunde sagt, er möchte eine lila gepunktete Energiekette haben oder eine Kunststoffkette, die bis 3000 Grad Celsius funktioniert. Es gibt bei uns kein spontanes „Nein, können oder machen wir nicht“. Die Rückfragen gehen dann wirklich meistens so weit, zumindest bei den Neins, dass es bis zu unserem Geschäftsführer, bis zu Frank Blase geht und er dann entscheidet, ob wir den Entwicklungsaufwand für ein neues Produkt wagen wollen. Alleine durch diese Firmenphilosophie entstehen sehr, sehr viele neue Produkte.  

Haben Sie da ein Beispiel?

Klar. Wir hatten einen Kunden, der wollte einen vergleichsweise dicken Schlauch in eine sehr kleine Energiekette legen, was normalerweise nicht klappt. Aber wir haben entschieden, es zu versuchen und oben einen Steg mit Bügelform entwickelt.  Und so ist ein neues Produkt aus dieser Situation entstanden. Das sind halt die Sachen, die uns interessant machen...

Aber auf so richtig neue Ideen oder abgefahrene Sachen kommt man auf diese Weise doch auch nicht.

Gerade aus der Vielzahl an unterschiedlichsten und spannenden Anforderungen, Anwendungen und Branchen unserer Kunden entstehen sehr viele innovative Ideen. Und hier gehen wir auch aktiv auf sie zu. Ein Beispiel ist unsere Wunschlistenaktion.Immer zu Weihnachten fragen wir alle Kunden und auch alle Mitarbeiter: „Wenn Ihr Euch irgendein Produkt wünschen würdet, das es noch nicht gibt bei uns, was wäre das?“ Da kommen sowohl von den Kollegen weltweit als auch von Kunden immer neue Vorschläge. Ein Beispiel ist die magsnap. Dabei handelt es sich um kleine magnetische Adapter, die sich einfach auf die Öffnungsstege von Energieketten clipsen lassen. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten bei hängenden Anwendungen oder vertikalen Kreisbewegungen. Dieses neue Produkt ist direkt aus einem Kundenwunsch heraus entstanden. Über diese Aktion kommen wir immer wieder an Einsatzbereiche, über die wir vielleicht vorher gar nicht großartig nachgedacht haben. Und dadurch entstehen jedes Jahr sehr, sehr viele neue Ideen und neue Ansätze. Und am Ende auch immer wieder neue Produkte.

Das klingt alles sehr komplex. Wie behalten Sie bei der Vielzahl der Produkte denn noch die Übersicht? Oder vielmehr: Wie macht der Kunde das?

Ja. Komplex ist es, und das ist auch momentan bei uns die größte Herausforderung. Wir haben 80.000 bis 100.000 Einzelteile für Energieketten in unserem Baukasten. Unser Motto ist aber „Energieführen leicht gemacht“. Deshalb ist natürlich die große Aufgabe, das was intern sehr komplex ist, dem Kunden in der Bestellung, im Verstehen des Produktes, in der Handhabung und im Service  möglichst einfach zu machen. Das ist am Ende die eigentliche Aufgabe, der wir uns im Produktmanagement tagtäglich stellen: Wie machen wir ein Produkt, das der Kunde sofort versteht?

Und, wie machen Sie es?

In der Gestaltung versuchen wir, die Produkte so intuitiv bedienbar zu machen wie möglich. Die Namen und Artikelnummern gestalten wir so, dass sie verständlich sind und zum Beispiel die Größe mit beinhalten. Wir haben ein übersichtliches Baukastensystem. Wir haben einen Online-Konfigurator, der den Kunden  sehr weit führt. Wir haben einen Lebensdauer-Kalkulator, mit dem wir dem Kunden sagen können, welches Produkt in seiner Applikation wie lange hält. Das alles wissen wir, weil wir in einem 1750 Quadratmeter großem Labor alle möglichen Einsatzfälle tatsächlich testen. Wir simulieren nicht, wie lange die Kette hält, wir überprüfen es. Auf Wunsch natürlich auch genau mit den Parametern, die der Kunde in seiner Anwendung später vorfindet. Und wenn doch nichts passt: kein Nein ohne Chef...

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