Gantry, Bild: Tsubaki Kabelschlepp
Bei einer Gantry wurde auf eine Stahlkette in 4-Band-Ausführung eine kleinere angeordnet. Mit einer am Lager der Aufhängung installierten Trommel, an der die Energieführung eingehängt ist, ließ sich das komplexe System in 360°-Drehung bewegen. Bild: Tsubaki Kabelschlepp

Aber auch für Standardanwendungen kann der Einsatz von besonderen Materialien sinnvoll sein. Ein besonderes Beispiel dafür sind Ketten, die für lange Verfahrwege gleitend eingesetzt werden. In diesem Fall gleitet die Kette aufeinander, was unwillkürlich zu einem Verschleiß der Kontaktflächen führt. Um die Lebensdauer dieser Systeme zu erhöhen, setzt das Unternehmen an den Gleitflächen Gleitschuhe ein, die aus einem speziell hochabriebfesten Kunststoff hergestellt werden. Der Kunststoff enthält Additive, die nicht nur den Abrieb selbst unter schwierigen Umgebungsbedingungen minimieren, sondern auch einen minimalen Gleitreibungsfaktor und somit geringe Zugkräfte für die Bewegung der Kette gewährleisten. Sind die Gleitschuhe abgerieben, werden sie einfach ausgetauscht. Ohne Verwendung dieser Gleitelemente müssten die Kettenbänder oder gar die gesamte Kette getauscht werden. So ist mit einem Satz kostengünstiger Gleitschuhe eine Lebensdauer von bis zu 150.000 Gleitkilometern realisierbar.

Stahlketten – besonders robust und langlebig

Kunststoffketten sind aber nicht für alle Anwendungen zweckmäßig. Bei extrem rauen Umgebungsbedingungen, sehr hohen Temperaturen oder hohen mechanischen Belastungen ist der Einsatz von Energieführungsketten mit Kettenbändern aus Stahl sinnvoll. Sie können sehr große freitragende Längen bei hohen Zuladungen durch Leitungen gewährleisten. Aufgrund des höheren Gewichts lassen sich Stahlketten zwar nur bis ca. zwei Meter pro Sekunde Verfahrgeschwindigkeit einsetzen, allerdings spielt dieser Aspekt bei den klassischen Anwendungsgebieten Schwermaschinenbau, Stahlwerktechnik, Mining oder Tiefbohrtechnik fast immer eine untergeordnete Rolle. Die Robustheit und Haltbarkeit der Lösung steht im Vordergrund. Auf Wunsch können durch Zusatzmaßnahmen sogar Verfahrgeschwindigkeiten bis vier Meter pro Sekunde realisiert werden. Stahlketten lassen sich im Vergleich zu Kunststoffketten mit gleicher Tragfähigkeit deutlich kompakter bauen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine Stahlkette bei gleichen Bauabmessungen und Belastungen eine doppelt so große freitragende Länge aufweist wie eine Kunststoffkette der gleichen Größe. Der Konstruktionswerkstoff Stahl spielt hier alle Festigkeitsvorteile aus. Zusatzlasten bis mehrere hundert Kilogramm pro Meter sind ausführbar, wenn mehrere Kettenbänder nebeneinander angeordnet werden können.

Für jede Anwendung eine Energieführungskette

Horizontalbohranlage, Tsubaki
Kundenspezifische Stahlkette für eine Horizontalbohranlage, die seitlich am Bohranlagen-Lafettenmast angebracht ist und dort extremen Umgebungsbedingungen trotzt. Bild: Tsubaki Kabelschlepp

Viele Kunden wählen Stahlketten aufgrund ihrer hohen Robustheit, die rauen Umgebungsbedingungen mit hohem Verschmutzungsgrad unter großer mechanischer Belastung widerstehen können. Neben der typischen Anwendung beispielsweise in Stahlwerken an Walzgerüsten, Stranggieß- oder Flämmanlagen leisten sie besonders im Bereich der Bohrtechnik seit vielen Jahren zuverlässige Dienste. Auch kompliziertere Bewegungsabläufe wie die Energieversorgung eines drehenden Kohlebaggers oder Reclaimers sind unter diesen stark schmutzbehafteten Anwendungsfällen zu einem Standard geworden.

Auch das Thema Temperatur lässt sich mit Stahl-Energieführungsketten deutlich einfacher bewältigen als mit Kunststoffketten. Bereits im einfachen Standard mit Aluminium-Stegsystemen lassen sich Stahlenergieführungen bei Temperaturen bis 250 °C realisieren. Energieführungsketten, bei denen sowohl Bänder als auch Stege komplett aus Edelstahl gefertigt werden, widerstehen sogar Dauertemperaturen von 600 °C. Diese Modelle finden nicht zuletzt in der chemischen Industrie und im Bereich der Oberflächenbehandlung ihren Platz, da für den Werkstoff Edelstahl auch Säuren in erhöhter Konzentration kein Problem darstellen.

Ein ganz besonderes Anwendungsbeispiel für Stahlketten ist ein gigantisches Strahlführungssystem für Schwerionen in Gantry-Bauweise, das zur Tumorbehandlung bei Krebspatienten zum Einsatz kommt. Ein wichtiger Aspekt in diesem konkreten Fall ist die dauerhafte Strahlungsresistenz von Stahl. Die Leitungsführung ermöglicht zudem Temperaturen von über 70 °C am Außenmantel der Leitungen zur Versorgung der 130 Tonnen schweren Strahlführungsmagneten. Die Kette wurde so dimensioniert, dass ausreichend Platz für Kühlschläuche vorhanden war, mit denen die Wärmeentwicklung der Leitungen kontrolliert werden konnte. Nicht zuletzt kann die Stahlkette Kraftmomente bis zu 15.000 Nm aufnehmen – das ist wichtig, weil die Vielzahl der zu führenden Leitungen ein Leitungsgewicht von bis zu 150 Kilogramm pro Meter nach sich zog.

Alle diese Beispiele zeigen: Der Einsatzfall bestimmt das Material. Mit unterschiedlichen Werkstoffen im Produktportfolio ist Tsubaki Kabelschlepp für alle anspruchsvollen Anwendungen gewappnet: Die Vielfalt macht es möglich, sämtliche Applikationsbereiche zu bedienen und völlig objektiv beraten zu können. Heute gibt es für jede individuelle Herausforderung eine Lösung – in Standardbreiten oder kundenspezifisch im Millimeterraster passgenau gefertigt. Das umfangreiche Produkt- und Zubehörprogramm umfasst insgesamt über 100.000 Varianten. Dazu zählen auch Zugentlastungen, Trennstegsysteme, Kanäle, Schläuche, Leitungen und Stecker. bj