Fensterputzer am Porsche Design Tower auf dem Stuttgarter Pragsattel.

Der Porsche Design Tower in Stuttgart ist 90 Meter hoch. Auf 25 Stockwerken befinden sich Büroflächen, ein Hotel und ein Restaurant inklusive Dachterrasse. (Bild: Manntech)

Wenn Sie unter Höhenangst leiden, ist dieser Job nichts für Sie: Fensterputzer am Porsche Design Tower auf dem Stuttgarter Pragsattel. Das Hochhaus reckt sich 90 Meter in die Höhe, die 25 Stockwerke beherbergen Büros, Restaurants, ein Hotel und eine Bar mit Aussicht auf den Killesberg und das Neckartal. Der Turm hat eine Besonderheit: Im zehnten Stockwerk befindet sich eine Terrasse, welche die Glasfront optisch unterbricht. Der vorspringende Sockel ist architektonisch reizvoll, stellt für das Wartungspersonal aber eine Herausforderung dar. Denn die schicke Glasfassade muss gereinigt und gewartet werden. Normale Arbeitsbühnen, die vom Dach heruntergelassen werden, würden auf der Terrasse aufsetzen; ein Übergang zu den unteren Stockwerken wäre nicht möglich.

Besondere Systeme für besondere Gebäude

Fensterreinigung am Porsche Design Tower in Stuttgart
Fensterreinigung am Porsche Design Tower in Stuttgart: Die extra entwickelte Konstruktion nutzt einen Doppelteleskopausleger. (Bild: Manntech)

Das Wartungsteam verwendet deshalb eine besondere Konstruktion: Eine stationäre Gebäudewartungseinheit mit einem Doppelteleskopausleger und einem Führungsseilsystem, das auf dem Dach des Gebäudes verankert ist. Damit erreichen die Fensterreiniger sowohl die Fassade des oberen als auch die des unteren Gebäudeteils.

Gebaut und entwickelt hat diese Konstruktion die Firma Manntech. Das 1953 von Mannesmann gegründete Unternehmen ist spezialisiert auf hochwertige und maßgeschneiderte Lösungen zur Fassadenbefahrung und Gebäudeinstandhaltung. Sie werden dort eingesetzt, wo Standardsysteme nicht funktionieren, etwa bei höhenversetzten Konstruktionen, Fassaden mit Vor- und Rücksprüngen oder bei schrägen oder asphärischen Dächern. Die Produktpalette umfasst unter anderem Fassadenbefahrsysteme, Fassadenlifte, Querverfahrwagen, Leitern, Hubtische, Abseilsysteme, Absturzsicherungssysteme und Gerüste.

Etwa einhundert solcher Systeme verlassen das Werk in Mammendorf jedes Jahr, Ziele sind Gebäude in aller Welt. Seit 2017 gehört das Unternehmen zu Alimak. Vertriebsleiter Gerhard Zeitler sagt: „Wir sind nicht die Größten im Markt, aber wir haben den Anspruch, die Besten zu sein – wir sind der Technologieführer in unserem Metier.“

Sensoren vereinfachen die Wartung von Fassaden

Das Unternehmen setzt auf Fernwartung und vorausschauende Wartung. Nach Angaben der Firma melden Sensoren jederzeit und von jedem Ort auf der Welt, wo die Gondel des Fassadenbefahrsystems steht und wie die Bewegungsabläufe sind. So kann der Gebäudereiniger an der Fassade entlangfahren und digital erfassen, wenn er einen Schaden entdeckt. Früher mussten die Wartungsleute dies auf einem Zettel notieren unter Angabe einer groben Position. Jetzt finden Technikerinnen und Techniker die Stelle sofort wieder und können die Fassade schneller reparieren.

Für das World Trade Center in Abu Dhabi von Norman Foster hat das Unternehmen Schienen angefertigt, die auf dem um 55 Grad geneigten Dach angebracht werden können. Die Schienen wurden via Laser vermessen, hier musste auf den Millimeter alles passen, zudem ist eine besondere Kühlung erforderlich. Manntech war der einzige Anbieter, der die Design- und Technikanforderungen des Architekturbüros erfüllen konnte. 60 Wochen Entwicklungsarbeit waren dafür nötig, alles wurde mit Prototypen getestet. Ausgerüstet ist die Anlage mit Sensoren mit Absolutwertgebung. So ist in jedem Moment einsehbar, wo die Gondel ist und wie sie sich bewegt. Das erhöht die Sicherheit für das Wartungspersonal.

Know-how und Impulse vom Zulieferer

Solche Anlagen müssen viele Jahre ohne Ausfälle funktionieren, auch bei Wind und Wetter und hoher UV-Einstrahlung, davon hängen schließlich Menschenleben ab. Ein Austausch von defekten Komponenten ist schwierig und mit hohem Aufwand verbunden. Auch hat jedes Land unterschiedliche Anforderungen und Normen. Als Zulieferer kommen daher nur Unternehmen in Frage, die robuste Qualität und Produktvielfalt bieten.

Bei den Leitungen setzt Manntech ausschließlich auf Produkte von Lapp. Vor allem Ölflex-Kabel, Unitronic-Datenleitungen, diverse Steckverbinder sowie Kabelverschraubungen kauft der Anwender von dieser Firma. „Wir schätzen eine schnelle Kommunikation“, lobt Richard Horkavy, Leiter Entwicklung bei Manntech. „Unsere Ansprechpartner bei Lapp haben immer ein offenes Ohr und finden schnell eine kundenspezifische Lösung, die zu unseren Anforderungen passt.“

Auch erwarte Manntech, dass Zulieferer technologisch vorangehen: „Wir sind offen für Impulse und Neuerungen“, so Horkavy, „vom Lapp-Know-how können wir einiges lernen, zum Beispiel bei der effizienten Gestaltung der Lagerabläufe in der Produktion und Montage.“

Fassadenbefahranlage für Weltkulturerbe

Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich bei einem sehr anspruchsvollen neuen Projekt, bei dem Manntech wieder Lösungen von Lapp einsetzt. Für eine der bekanntesten Brücken der Welt in Australien baut Manntech derzeit eine Wartungs- und Befahranlage. Bei der Brücke handelt es sich um ein Weltkulturerbe, das nicht verändert werden darf. Auch erlaubt die Statik keine neuen Bohrungen in der Brücke. Die Installation wird daher auf die Brücke gesetzt und mit 1400 Spezialbolzen gehalten. Sie besteht aus zwei motorisierten Portalen, zwei verschiedenen Befahranlagen für insgesamt sechs verfügbare Gestelle, zwei Antriebsdrehgestelle und zwei Materialwagen. Sensoren gewährleisten Sicherheit und Kommunikation.

„In Mammendorf wurde die Brücke nachgebaut und bei unterschiedlichen Temperaturen und Windstärken getestet“, berichtet Dieter Eichler, Werksleiter bei Manntech. Eine weitere Herausforderung ist die Farbe der Wartungs- und Befahranlage: Sie muss genau dem Farbton der Brücke entsprechen.

„Solche spannenden Projekte machen die Zusammenarbeit mit Manntech äußerst reizvoll – für beide Partner“, sagt Markus Schreiber, Account Manager bei Lapp. Einerseits unterstütze der Zulieferer mit seinem Know-how und Produkten die Umsetzung innovativer und sicherheitstechnisch anspruchsvoller Lösungen. Andererseits lerne er von Manntech viel über zukünftige Anwendungsanforderungen wie Datenerfassung und -übertragung unter schwierigen Bedingungen. So hält Markus Schreiber fest: „Das ist eine tolle Partnerschaft. Für die Zukunft haben wir uns gemeinsam noch viel vorgenommen.“ do

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