RadiPac-Radialventilatoren, Bild: EBM-Papst

RadiPac-Radialventilatoren in Tragspinnen- (links) und Würfelkonstruktion (rechts). Bild: EBM-Papst

| von Hartmut Messerschmidt, EBM-Papst

Vor resonanzbedingten Schäden sind auch Ventilatoren nicht gefeit, obwohl sie von den Herstellern bei der Fertigung nach allen Regeln der Kunst präzise ausgewuchtet werden, wie die RadiPac-Baureihe von Ebm-Papst. Eine entscheidende Rolle spielt die Einbausituation in der Anwendung und die lässt sich weder vorhersehen noch berücksichtigen.

Triaxialer Messaufnehmer, Bild: EBM-Papst
Triaxialer Messaufnehmer. Von einem Messpunkt ausgehend lassen sich Schwingungen in allen drei Richtungen messen. Bild: EBM-Papst

Durch den Einbau eines Ventilators in eine Anlage entsteht immer eine neue schwingfähige Anordnung mit einer spezifischen Strukturresonanzfrequenz. Des Weiteren ändert sich bei fester Einbauweise das Resonanzverhalten des Ventilators. Durch den mittlerweile verbreiteten Drehzahlregelbetrieb steigt die Wahrscheinlichkeit eines zeitweisen Betriebes in Resonanz deutlich. Weitere Einflüsse sind Transport und Handhabung. Nicht selten werden während des Betriebs Schwingungen von externen Anlagenteilen auf den Ventilator übertragen. Im Betrieb können zudem noch Verschmutzungen am Laufrad zu einer Unwucht oder strömungsbedingte Oszillationen zu Schwingungen führen. Um den Ventilator von Schwingungen der Umgebung zu entkoppeln, helfen Schwingelemente also entsprechend ausgelegte Federn oder Gummielemente.

Schwingelemente und Drehzahlbereich

Allerdings gilt es bei ihrer Auswahl einiges zu beachten. Zusätzlich zur Eigenfrequenz des Ventilatoraufbaus selbst entsteht durch den Anbau von Schwingelementen ein weiteres Feder-Massen-System mit eigener Resonanzfrequenz. Beim Hochlauf werden drei schwingungstechnisch relevante Bereiche durchfahren: Im Bereich unter der Resonanzfrequenz liegt die Schwingstärke unterhalb des zulässigen Grenzwertes von 3,5 mm/s (gemäß ISO 14694). Ein Betrieb des Ventilators ist in diesem Bereich möglich, allerdings sind die Schwingelemente hier physikalisch bedingt wirkungslos. Im daran anschließenden Resonanz-Drehzahlbereich liegt die Schwinggeschwindigkeit teilweise deutlich über dem zulässigen Grenzwert. Das Gerät nimmt zwar nicht unmittelbar Schaden, aber ein längerer Betrieb in diesem Bereich reduziert die Gesamtlebensdauer. Außerdem kommt es zu einer starken Geräuschentwicklung.

Schwingelemente, Grafik, Bild: EBM-Papst
Um den Ventilator von Schwingungen in der Umgebung zu entkoppeln, helfen Schwingelemente, also entsprechend ausgelegte Federn oder Gummielemente. Bild: EBM-Papst

Dieser Drehzahlbereich ist also so schnell wie möglich zu durchfahren und ein dauerhafter Betrieb in diesem Bereich sollte unbedingt vermieden werden. In ausreichendem Abstand zur Resonanzspitze beginnt dann der Drehzahlbereich, in dem der Schwingungspegel deutlich unterhalb des Grenzwertes liegt. Nur in diesem Bereich, oberhalb der Mindestdrehzahl, können die Schwingelemente den Ventilator von der Anlage beziehungsweise dem Gebäude schwingungstechnisch isolieren. Um die richtigen Schwingelemente auszuwählen, muss also die Betriebsdrehzahl des Ventilators in der Anwendung bekannt sein. Im Katalog findet man für jeden Ventilator bereits richtig dimensionierte Schwingelemente und die zugehörige Mindestdrehzahl. Sollen andere verwendet werden, sind die oben genannten Gesetzmäßigkeiten zu beachten.

Schwingungsmessung schützt vor Schäden

Prinzipieller Verlauf der Schwingschnelle, Bild: EBM-Papst
Prinzipieller Verlauf der Schwingschnelle über das Drehzahlband eines Ventilators mit Schwingelementen: Bereich unterhalb der Resonanzfrequenz (1), Bereich in der Nähe der Resonanzfrequenz (2) und Bereich oberhalb der Resonanzfrequenz (3). Bild: EBM-Papst

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen und Einflüsse, welche zu überhöhten Schwingungspegeln führen können, die aber weder alle vorhersehbar und oft nicht vermeidbar sind. Deshalb sollte nach dem Einbau des Ventilators in die Anwendung immer eine Schwingungsmessung oder Resonanzstellensuche im ganzen Drehzahlregelbereich durchgeführt werden. Auf diese Weise erhält man einen Gesamteindruck vom Schwingungsverhalten der Anlage und erkennt dabei alle unvorhersehbaren Einflüsse und auch eventuelle Fehler, die bis zur Inbetriebnahme unbeabsichtigt eingeflossen sind.

Im Blick auf das Erreichen einer langen Lebensdauer ist dies notwendig, denn die Folgen einer zu hohen Schwingstärke, zum Beispiel infolge einer Strukturresonanz oder ungeeigneter Schwingelemente, können verheerend sein. Falsch dimensionierte Schwingelemente verhindern zudem die Übertragung von Körperschall nur unzureichend. Dies kann die gesamte Lüftungsanlage in Vibration versetzen, was zu einem hohen Geräuschpegel und durch Rückkopplungseffekte zu einer Beschädigung des Ventilatorlagersystems führt. Da das Messergebnis auch stark vom Befestigungsort der Schwingungssensoren abhängt, müssen die passend befestigt sein.

Wegen der möglichen Einflüsse während des Betriebes, wie Anlagerung von Staub, muss man diese Schwingungsüberprüfung immer wieder durchführen, mindestens innerhalb den in der Betriebsanleitung geforderten Zeitabständen.

Auf der sicheren Seite

Richtiger Aufbau, Bild: EBM-Papst
Richtiger Aufbau von mehreren Ventilatoren: Jeder Ventilator steht mit speziell ausgelegten Schwingelementen (zum Beispiel Federn oder Gummielementen) auf einer stabilen Rahmenkonstruktion, die fest mit dem Boden verbunden ist. Bild: EBM-Papst

Für die Schwinganalyse der RadiPac-Radialventilatoren empfiehlt EBM-Papst beispielsweise die Messung der Vibration in allen drei Achsen, zumindest jedoch in zwei Achsen radial zur Drehachse beziehungsweise axial, mit einem üblichen Schwingungsmessgerät.

Werden bei den Messungen Bereiche mit zu hohen Schwingungen festgestellt, kann der Ventilator zum Beispiel mobil nachgewuchtet werden. Im Idealfall unterstützt das Schwingungsmessgerät auch eine mobile Wuchtung.

Reicht diese Maßnahme nicht aus, lässt sich die Anlage durch konstruktive Maßnahmen, zum Beispiel durch Verstärkungsstreben modifizieren. Prüfen kann man auch, ob die Schwingelemente korrekt arbeiten und die Mindestdrehzahl nicht unterschritten ist.

Sind mehrere Ventilatoren im Einsatz, sollte man zudem auf ausreichend Abstand zueinander achten und dafür sorgen, dass sie sich nicht gegenseitig beeinflussen.

Alternativ lassen sich die bei der Messung ermittelten Bereiche zu hoher Schwingwerte durch die Drehzahlsteuerung der Anlage meiden.

Bei Bedarf stehen die Experten von EBM-Papst dem Kunden beratend zur Seite, denn schwingungstechnische Aspekte beim Ventilatoreneinbau zu beachten, lohnt sich in jedem Fall. wk/aru

Bleiben Sie informiert

Diese Themen interessieren Sie? Mit unserem Newsletter sind Sie immer auf dem Laufenden. Gleich anmelden!

Der Eintrag "freemium_overlay_form_keg" existiert leider nicht.