Messe Anlauf, Bild: AMA

Etwa 530 Aussteller aus dem In- und Ausland, präsentierten in Nürnberg ihre messtechnische Systemkompetenz. Bild: AMA

Seit jeher bildet die Vielfalt der Prozesssensorik und -messtechnik schon den Kern der Messe. Mit dem Einzug der Digitalisierung in die Prozessautomation ist jedoch die Bedeutung an Sensoren und Messsysteme für diesen Industriezweig gewachsen. Neben der Prozesstechnik wurde auf der Messe unter aderem auch das Thema „Sensoren und Systeme für die Bildverarbeitung“ adressiert.

Bereits im Rahmen der Jahrespressekonferenz des AMA Verbands für Sensorik und Messtechnik e.V. in Nürnberg, hatte Holger Bödeker, Geschäftsführer der veranstaltenden AMA-Service GmbH, einen insgesamt positiven Ausblick auf die diesjährige Ausgabe der international führenden Fachmesse für Sensorik, Mess- und Prüftechnik gegeben - allerdings mit dem Zusatz: „Turnusgemäß erwarten wir in diesem Jahr etwas weniger Aussteller als im Vorjahr, da die 2018 zeitgleich stattfindende ettc – European Test and Telemetry Conference erst 2020 wieder gemeinsam mit der Sensor + Test durchgeführt wird." Und so kam es auch: Die Zahl der Aussteller lag mit 538 unter der des Vorjahres. Trotz Hitzerekorden in Nürnberg fanden etwa 7.000 Fachbesucher aus dem In- und Ausland ihren Weg in die Messehallen. Der Anteil der Aussteller aus dem Ausland betrug unverändert circa 40 Prozent. 

AMA Innovationspreis 2019: Plan B ist Gewinner

Gewinner des AMA Innovationspreises 2019 ist das Unternehmen Senorics mit seinem neuen kompakten Analysegerät Plan B. Senorics ist darüber hinaus Gewinner des AMA Sonderpreises ‚Junges Unternehmen‘ ist. Das Entwicklerteam bestehend aus Robert Brückner, Matthias Jahnel, Robert Langer und Ronny Timmreck von der Senorics GmbH erhielt einen kostenfreien Messestand auf der Sensor + Test und den mit 10.000 Euro dotierten AMA Innovationspreis 2019.

Die doppelt prämierte Analysetechnik von Plan B ermöglicht den Nachweis, ob und welche Inhaltsstoffe in welcher Menge vorhanden sind, nachdem ein Lichtstrahl eines bestimmten Spektralbereiches durch feste oder flüssige Materie gesendet und gemessen wird. Dieser Ansatz überzeugte die Jury: „Die wissenschaftlich überzeugende Lösung ‚Plan B‘ ermöglicht eine mobile Qualitätssicherung durch die Detektion von Inhaltsstoffen und Zusammensetzungen industrieller Rohstoffe oder Lebensmittel, speziell Bier. Die Jury ist sich einig, dass dieser Lösungsansatz mit deutlicher Marktrelevanz aus den 38 Einreichungen in diesem Jahr deutlich herausragt“, so der Juryvorsitzende Professor Andreas Schütze von der Universität des Saarlandes.

Sensorik und Messtechnik: Branchenzahlen

Durchflussmesser, Bild: Bürkert
Der Einsatz des Durchflussmessers ermöglicht es, präzise den Wechsel zwischen unterschiedlichen Flüssigkeiten in Produktionsanlagen zu erkennen. Bild: Bürkert

Wie üblich hatte die AMA seine Mitglieder bereits im Januar zur wirtschaftlichen Entwicklung 2018 befragt. Laut eigenen Angaben erwirtschaftete die Branche im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von zehn Prozent und prognostiziert ein weiteres Plus von fünf Prozent für 2019. Damit liegen Sensorik und Messtechnik oberhalb des bundesweiten Trends, den das Statistische Bundesamt für die deutsche Wirtschaft 2018 mit einem leichten Plus bezifferte, der aber nach dem neunten Jahr in Folge etwas an Schwung verloren habe. Anders die Branche Sensorik und Messtechnik, die acht Prozent für 2018 prognostizierte und zehn Prozent Umsatzwachstum zulegte. Positive Wachstumsimpulse kamen nach Verbandsangaben sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Das belegt eine erhöhte Exportquote um insgesamt vier Prozentpunkte auf 55 Prozentpunkte.

Dabei zog der Export ins außereuropäische Ausland an. Der nach Mitteleuropa gelieferte Anteil gab um zwei Prozentpunkte nach. Die positive Exportentwicklung ins außereuropäische Ausland schlägt sich darin nieder, dass zwar knapp ein Drittel der AMA Mitglieder befürchten, dass ein Brexit großen Einfluss auf die eigene wirtschaftliche Entwicklung hätte. Knapp 70 Prozent der Mitglieder sehen einem Brexit jedoch gelassen entgegen. Thomas Simmons, Geschäftsführer des AMA Verbands, kommentierte die Branchenentwicklung, „Sensoren sind die Basiselemente des technischen Fortschritts, gefördert wird die positive Entwicklung durch die Hightech-Strategie 2025 der Bundesregierung, die ressortübergreifend Ziele formuliert und große gesellschaftliche Herausforderungen angehen will.“

Sensor + Test: Branchen-Treffpunkt für Mess- und Regeltechniker

An einem der Aussteller auf der Sensor+Test 2019 konnte man die positive wirtschaftliche Entwicklung ebenso deutlich ablesen. Der Umsatz des Fuldaer Automatisierungsspezialisten Jumo ist 2018 um 6 Prozent gestiegen und lag damit über dem Branchenschnitt, der laut ZVEI mit 2,6 Prozent weniger als die Hälfte betrug. Insgesamt hatte die Fuldaer Unternehmensgruppe 2018 248 Mio. Euro umgesetzt. Zu dieser positiven Entwicklung konnte auch die im Herbst 2017 vorgestellte Technologie Plastosens, ein Verfahren zur Produktion von Temperatur-Messetechnik aus Kunststoffen, beitragen.

„Messtechnik muss smart werden, um ihre Aufgaben in der digitalisierten Welt wahrnehmen zu können.“

Michael Brosig, Jumo

Als wichtigste Trends in der Sensorik und Messtechnik sieht Jumo das Thema Digitalisierung. „Messtechnik muss smart werden, um ihre neuen Aufgaben in der digitalisierten Welt wahrnehmen zu können,“ erklärt Brosig. „Gleichzeitig muss eine möglichst einfache Konnektivität zu übergeordneten Steuerungssystemen sichergestellt sein. Daneben geht der Trend ganz klar zur Miniaturisierung. In Schaltschränken steigt die Zahl der verwendeten Komponenten und der Platz wird immer knapper.“

Martin Schramm, Field Segment Manager Key-Applikation Sensoren und Sensorsysteme bei Bürkert Fluid Control Systems, sieht den Trend schwerpunktmäßig in der Vernetzung von Sensoren auf unterster Feldebene und der Einsatz von Multiparameter-Sensoren, die mehrere Werte messen können. „Durch möglichst viele Informationen, wie etwa Durchfluss, Temperatur, Dichtefaktor, akustischer Dämpfungsfaktor, könnte so eine hohe Prozesssicherheit erzielt werden. Ein Beispiel für so einen Multiparameter-Sensoren ist unser Durchflussmesser FloWave,“ ergänzt Schramm.

Die Messe Sensor + Test: Aussteller, Themen, Veranstalter

Die Sensor+Test ist das weltweit führende Forum für Sensorik, Mess- und Prüftechnik.

  • Ausstellungsspektrum: Sensorelemente, Sensoren, Sensorsysteme und sensorische Messgeräte, Dienstleistungen, Forschung und Entwicklung für Sensortechnologien, Messtechnische Systeme, Geräte, Komponenten und Software, Mess- und Prüftechnik für Fahr-/Flugzeugtechnik, Material- und Qualitätsprüfung, kundenspezifische Mess- und Püfsysteme, Labormesstechnik, Kalibrier-, Analyse- und Prüfgeräte, Kalibriersysteme und -dienstleistungen für die Mess- und Prüftechnik
  • Veranstaltungsort: Messezentrum Nürnberg
  • Veranstalter AMA Service GmbH

Neben dem Durchflussmesser FloWave, der um die Funktion „Medienwechsel erkennen“ erweitert wurde, hat Bürkert  auf der Sensor + Test 2019 außerdem ein Online-System zur Wasseranalyse, Ultraschallsensor-Systeme für Kühlprozesse und Massendurchflussmesser mit Ethernet-Schnittstelle präsentiert. Der Einsatz des FloWave-Durchflussmessers ermöglicht es, präzise den Wechsel zwischen unterschiedlichen Flüssigkeiten in Produktionsanlagen zu erkennen. Insbesondere bei Spülprozessen sorgt das schnelle Unterscheiden von Produkt und Spülwasser für eine effiziente Prozessführung. Hierfür misst das Gerät kontinuierlich den von der Temperatur unabhängigen Dichtefaktor. Anhand dieses Messwerts lässt sich ein wertvolles Produkt wie beispielsweise Milch schnell und sicher von Reinigungslösung unterscheiden. Im Vergleich zu üblichen zeitgesteuerten Verfahren können so Produktausschüsse minimiert und Kosten gespart werden. Zudem sinkt der Aufwand für die Abwasseraufbereitung, da weniger Produkt ins Abwasser gelangt. Darüber hinaus kann FloWave Gasblasen/Partikelanteile in Flüssigkeiten messen, was durch den akustischen Dämpfungsfaktor ermöglicht wird. Durch diesen Messwert können zum Beispiel potentielle Leckagen in Rohrleitungen detektiert werden.

Jumo hat in Nürnberg unter anderem seine patentierte Messtechnik aus Hochleistungskunststoffen vorgestellt. Die plastoSens T-Sensoren können in fast jeder beliebigen Form hergestellt werden, sind leicht, wasserdicht und verfügen über eine hohe Isolationsfestigkeit. Weiterhin präsentierte Jumo eine neue Bildschirmschreiber-Serie: Der Logoscreen 700 ist hochskalierbar und gleichzeitig platzsparend. Die geringe Tiefe von lediglich 119 mm spart wertvollen Platz beim Einbau. Zu den zahlreichen weiteren Neuheiten, gehört auch der Taros S46 H, ein hygienischer Druckmessumformer. Die hohe Schutzart und das voll verschweißte, kompakte Design ermöglichen rückstandslose Reinigungsvorgänge und eine hohe Temperaturverträglichkeit für SIP- und CIP-Prozesse und zielten so auf das zentrale Sonderthema der Sensor+Test ab. bf

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