Andreas Beutel

Andreas Beutel, Geschäftsführer von Schmalz. (Bild: J. Schmalz GmbH)

Schmalz-Hauptsitz in Glatten
Am Hauptsitz in Glatten vollzieht Schmalz die eigene Energiewende. (Bild: J. Schmalz GmbH)

ke NEXT: Herr Beutel, die Energiepreise steigen und steigen. Wie sehen Sie die Finanzierbarkeit von Energie und Strom für Ihr Unternehmen? Welche Maßnahmen ergreifen Sie kurz- und mittelfristig?

Andreas Beutel: Bilanziell produzieren wir rund drei Viertel unseres Energiebedarfs selbst – am Standort haben wir Photovoltaik, Wasserkraft, Windräder und eine Hackschnitzelanlage, die jährlich rund 6Mio. kWh Energie liefern. Faktisch ist es aber so, dass der Großteil unseres produzierten Stroms erstmal ins Netz eingespeist wird. Dafür kaufen wir dann wiederum Strom zu, wenn wir ihn benötigen. Somit sind auch wir von den steigenden Preisen betroffen, obwohl wir selbst als kleines regeneratives Kraftwerk fungieren. Deshalb gilt: Die beste Kilowattstunde ist die, die wir nicht verbrauchen. Wir orientieren uns derzeit an der aktuellen Energieverordnung und prüfen intern gezielt die Umsetzbarkeit weiterer Energie-Sparmaßnahmen. Das ist keine leichte Aufgabe, da wir ohnehin schon zuvor sehr sparsam unterwegs waren.

Bereitet Ihrem Unternehmen die Verfügbarkeit von Energie und Strom in den ­kommenden Monaten Sorge?

Beutel: Leider ja. Zwar nutzen wir am Standort in Glatten selbst kein Gas, was ja derzeit für die größte Knappheit sorgt. Doch einige unserer Zulieferer sind ganz unmittelbar von der Gasknappheit betroffen. Damit spüren auch wir die Auswirkungen insofern, als dass uns nicht gelieferte Teile fehlen. Zudem hört die Gasknappheit nicht an der Landesgrenze auf. Unsere Standorte im Ausland, insbesondere innerhalb Europas, haben teilweise einen Gas-Anteil in ihrem Energie-Mix. Von daher hoffen wir auf schnelle Besserung, denn klar ist, dass Industrie ohne eine stabile Energieversorgung nicht funktionieren kann.

Wie sieht aktuell die Situation in puncto Lieferketten bei Ihnen aus? Wie geht Ihr Unternehmen mit Problemen in diesem Bereich um?

Beutel: Wie auch bei vielen anderen Unternehmen, sind auch bei uns einige Lieferanten stärker betroffen als andere. Gerade die energieintensiven Branchen wie Aluminiumwerke oder Rohwerkstofflieferanten werden voraussichtlich mit größeren Problemen zu kämpfen haben. Um der Lieferketten-Problematik entgegenzuwirken, gibt es aktuell nur eine Lösung: Wir müssen uns auch weiterhin bestmöglich gegen drohende Lieferausfälle absichern. Das ist nur durch eine sehr enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren bestehenden Lieferanten möglich.

Fühlen Sie sich als Unternehmen aus­reichend von der Politik gesehen? Was wünschen Sie sich von der Politik?

Beutel: Wir hoffen darauf, dass die Politik die Ursachen der Preissteigerung durch gezielte Maßnahmen behebt. Ansonsten ist der Industriestandort Deutschland in großer Gefahr. Zudem kann die Energiewende nur gelingen, wenn bürokratische Hürden abgebaut werden. Das betrifft vor allem Genehmigungsverfahren für Energieanlagen wie Windkraft oder Photovoltaik, die üblicherweise viele Jahre dauern. Außerdem braucht es dringend Vereinfachungen, was die Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien angeht. Die gesetzlichen Regelungen für die Abrechnung von Strom sind unverhältnismäßig kompliziert, sobald Faktoren zusammenkommen wie Mindestverbrauch von 1 Mio. kWh/Jahr, Nutzung von Eigenerzeugungslagen, fremde Verbraucher auf dem Firmengelände und Elektroladesäulen. Diese Kombination ist für Mittelständler durchaus üblich. Das Problem: Der erforderliche Verwaltungs- und Messaufwand übersteigt das Ergebnis um ein Vielfaches. Einfache Bagatelllösungen sind hier gefragt. Hier ist die Politik dringend gefordert, Lösungen zu schaffen, die in der Realität funktionieren und nicht nur auf dem Papier.

Die Fragen stellte Angela Unger-Leinhos, Redakteurin ke NEXT

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