MRK, Bild: Pilz

Wie schon auf der SPS-Messe 2016 rückt das Thema Mensch-Roboter-Kollaboration für Pilz auf der Hannover Messe in den Fokus. Pilz hat auch hier sein Portfolio erweitert. Bild: Pilz

Das Zeitalter der Industrie-4.0-Konnektivität beginnt jetzt auch bei Pilz. Nicht, dass diese Zukunftstechnologie dort bisher außen vor gelassen worden wäre, im Gegenteil. Mit dem dezentralen Steuerungssystem PSS4000 haben die Ostfilderner durchaus ein passendes Pferd im Rennen. Aber um die Konnektivität auch in die Cloud zu gewährleisten, hat Pilz ein IIoT-Gateway entwickelt, das auf der Hannover Messe vorgestellt werden soll. Es basiert – ein Novum für Pilz – auf der offenen Architektur des Raspberry-Pi-Compute-Moduls und wird, Achtung Spoiler, die Verbindung zu der womöglich im Herbst zur SPS vorzustellenden Pilz-Cloud herstellen. Zu jeder anderen natürlich auch. Doch auch das klassische Produktportfolio hat Pilz mit Blick auf die Fabrik der Zukunft erweitert.

Neue Familie Not-Halt-Taster

Ein Beispiel: Der Not-Halt-Taster. In vielen Industrie-4.0-Konzepten sollen Anlagen-Module je nach Bedarf ein- oder ausgeschleust werden. Das Problem: Wenn ein Not-Aus sichtbar an der Maschine ist, muss er auch funktionieren. Bislang musste ein inaktiver Not-Halt abgedeckt werden, um im Gefahrenfall Verwechslungen auszuschließen. Dank der überarbeiteten ISO 13850 ist nun für Not-Halt-Taster ein dritter Zustand „inaktiv“ definiert. Damit ist es möglich, inaktive Not-Halt-Taster an nicht aktiven Anlagenteilen quasi unsichtbar zu machen. Genau das hat Pilz mit dem neuen Pit estop active nun umgesetzt. Die neuen Not-Halt-Taster können elektrisch aktiviert werden. Sie signalisieren durch ihre Beleuchtung, ob sie aktiv sind oder nicht. Sind sie inaktiv, werden sie unscheinbar grau. Das bringt nicht nur Klarheit, sondern kann auch Energiekosten sparen: Will man nicht abdecken, muss man nun nicht mehr die komplette Anlage unter Strom halten, nur um die Not-Halt-Funktion normgerecht aufrechterhalten zu können.

Die neuen roten Knöpfe sind vor allem für Anlagen und Maschinenparks gedacht, in denen Anlagenteile verschoben werden. Im Zusammenspiel mit den sicheren Kleinsteuerungen Pnoz multi, die bereits den modularen Aufbau von Anlagen unterstützen, sind flexible Sicherheitskonzepte einfach umsetzbar. Die Betriebsart bei verketteten Maschinen kann zum Beispiel schneller gewechselt werden: Vom Halbautomatikbetrieb mit vielen einzelnen Modulen bis hin zum Vollautomatikbetrieb, bei dem jeder Not-Halt auf die ganze Kette wirkt.

Pit estop active, Bild: Pilz
Mit Pit estop active bietet Pilz eine neue Familie von Not-Halt-Tastern an, die elektrisch aktiviert werden können. Sie signalisieren durch Beleuchtung, ob sie gerade aktiv sind oder nicht und sind so für modulare Anlagen prädestiniert. Bild: Pilz

Pit estop active steht wahlweise als Einbauvariante mit Schutzklasse IP65 und als Aufbauvariante mit M12-Anschluss für den Ein- und Aufbau an der Maschine zur Verfügung. Da das Gerät elektrisch aktivierbar und und im Sicherheitskreis integriert ist, muss der Not-Halt nicht händisch inaktiv geschaltet werden. Auch mobile Bedienpanels müssen künftig nicht mehr sicher verwahrt, sondern nur sicher inaktiv geschaltet werden. Darüber hinaus ist im Notfall eine eindeutige Zuordnung des Unfallortes möglich, da der Taster nach Betätigung seinen Zustand über permanentes Blinken anzeigt. Dies kann die Wiederinbetriebnahme der Maschinen beschleunigen.

Laserscanner rundet das Portfolio ab

Ein weiterer Punkt von Industrie 4.0 ist die Tatsache, dass Mensch und Maschine aktiv näher zusammenrücken, sei es durch Mensch-Roboter-Kollaboration oder zum Beispiel durch fahrerlose Transportsysteme. Um letztere ebenso wie stationäre Maschinen umfassender absichern zu können, hat Pilz nun eine der wenigen Lücken im Safety-Portfolio geschlossen. Die Ostfilderner bieten erstmals auch einen Sicherheits-Laserscanner an. Psen scan nennt sich das neue Gerät und überwacht bis zu drei getrennte Zonen gleichzeitig sicher und kann so die Produktivität von Anlagen erhöhen. Bis zu vier Sicherheits-Laserscanner können nach dem Master-Slave-Prinzip in Reihe geschaltet werden, was den Verkabelungs- und Einrichtungsaufwand verringert. Dank der freien Konfiguration der Warn- und Schutzfelder sowie der Anpassung an bestehende bauliche Gegebenheiten kann das Gerät in unterschiedlichste Applikationen einfach integriert werden.

Der Sicherheits-Laserscanner bietet eine zweidimensionale Flächenüberwachung mit einem großen Öffnungswinkel von 275°. Anwendungen, in denen mehrere aneinander grenzende Seiten einer Maschine überwacht werden sollen, können so im Vergleich zu einem 180°-Scanner mit einer geringeren Anzahl Geräte realisiert werden. Der Sicherheits-Laserscanner ist nicht nur in der Schutzart IP65 ausgelegt, besonderen Wert hat Pilz darauf gelegt, dass Fehler, die durch Staubpartikel ausgelöst werden, erkannt und somit vermieden werden. Mehr Infos zu all den Neuheiten gibt es auf der Hannover Messe in Halle 9 am Stand D 17.