| von Florian Blum
Re'Flekt
Sehen, wo es drückt mit Augmented Reality. Bild: Re'Flekt

Im Kontext von Industrie 4.0 erscheint Virtual Reality immer öfter als Gadget mobiler Endgeräte in der Fertigung oder im Digital Engineering. Über VR lassen sich realistisch in 3D abgebildete Systeme interaktiv zugänglich machen. Die Simulationen bieten in der Industrie unzählige Möglichkeiten, Produkte und Fertigungsprozesse schon vorab zu prüfen. Beim Einsatz ergeben sich umso mehr Nutzenpotenziale, je eher im Prozess mit echten 3D-Konstruktionsdaten vernetzt gearbeitet wird. So lassen sich virtuelle Crashtests, Usability-Optimierungen und die Produktionsplanung durchführen und potenzielle Fehlerquellen frühzeitig ausmerzen. Maschinenmodelle dreidimensional abbilden und mit realen Steuerungssystemen verknüpfen.

Das Fraunhofer IAO beschreibt die Vorteile von VR beispielhaft: „Der Servicetechniker sieht die Auswirkungen der Steuerungsbefehle unmittelbar im dreidimensionalen Modell. Andere Einsatzmöglichkeiten bieten sich in der Virtualisierung von Maschinen- und Fabrikhallen. So kann sich der Techniker etwa virtuell in die Halle des Kunden begeben und prüfen, ob er alle Maschinentypen erkennt. Bei Bedarf kann er einzelne Maschinentypen virtuell zerlegen, um sich mit dem Innenleben von Anlagen und Komponenten vertraut zu machen. Denkbar ist auch, dass virtuelle Maschinenmodelle mit Ersatzteilstücklisten verknüpft werden, sodass Maschinenteile aus dem Modell heraus ausgewählt und Teile nachbestellt werden können.

 

Ähnliche Vorteile sieht ABB in der Augmented Reality: „Ein Roboter oder ein Antrieb in einer Anlage ist defekt – um welche Maschine oder  welches Gerät handelt es sich und was ist zu tun? Die Antwort auf diese Frage erhält der Servicetechniker beispielsweise durch einen Tablet-PC, mit dem er den defekten Roboter oder Antrieb vor Ort einfach ausfindig macht und sofort online alle wichtigen Informationen für eine rasche Fehlerbehebung erhält. Der Servicetechniker betrachtet durch die Kamera des Tablet-PCs die Roboterzelle. Die Software erkennt die fehlerhafte Maschine, zeigt auf dem Bildschirm über das Internet direkt die komplette Historie des Roboters wie Typ, Liefertermin, Ansprechpartner oder letzter Servicetermin und informiert den Techniker damit über die bisherige Beanspruchung und Verfügbarkeit des Robotersystems.“

 

Google Glass
Ein Blick durch die AR-Datenbrille von Google: die Google Glass. Für 2016 wird bereits die Enterprise Edition mit Spannung erwartet. Bild: Bitstars

Dennoch ignoriert die produzierende Industrie in Deutschland noch mehrheitlich die Innovationschancen, die Augmented Reality für die Fertigung bieten. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle IT Innovation Readiness Index des Münchner Marktforschungsinstituts Pierre Audoin Consultants (PAC). Für die Studie befragte das Institut rund 130 IT-Entscheider und Produktionsleiter mittelständischer Fertigungsunternehmen in Deutschland.  Die befragte Unternehmensgruppe setzt sich aus folgenden Branchen zusammen: Maschinen- und Anlagenbau (36 Prozent), Automotive (29 Prozent) sowie sonstige Fertigung (36 Prozent) mit einer Mitarbeiterzahl von 250 bis 499 (40 Prozent) beziehungsweise 500 bis 4499 (60 Prozent).

 

Fazit

Zwar stehen Virtual und Augmented Reality erst am Anfang. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens Digi-Capital prognostiziert jedoch für das Jahr 2020 einen Marktumsatz von 150 Milliarden US-Dollar. Eine Studie der Deutschen Bank erwartet alleine für die Augmented Reality bis 2020 einen Marktanstieg von 500 Millionen auf 7,5 Milliarden Euro. Im Zuge von Big Data und Industrie 4.0 werden spielerisch einfache HMIs, die Prozesse transparent machen und Komplexität reduzieren, immer wichtiger. Und bis zum endgültigen Durchbruch in der Industrie machen Oculus Rift & Co. insbesondere im Gaming-Bereich einfach nur Laune.

 

Das Video: Gang durch die Titanic mit der Oculus Rift - Quelle: The Rift Arcade