| von Armin Stadler, Bosch Rexroth
Arbeitsflächen des Foilpuller - Bild: Foilpuller
Die beiden Arbeitsflächen des Foilpuller arbeiten unabhängig voneinander. Bild: Foilpuller

„Aufgrund der Anbindung der Rexroth-CNC-Steuerung an eine übergeordnete SPS bekommen wir Zugriff auf die Stammdaten von Produktionsplanungssystemen – und können damit sehr einfach und schnell Teile auch in Losgröße 1 herstellen“, betont der Geschäftsführer. Diese Durchgängigkeit der Daten macht es möglich, dass sich die Maschine inklusive der Handlingstechnik in einen kompletten Produktionsverbund integrieren lässt und Schneidaufträge Just-in-time ohne Zwischenlagerung erledigt. Der Vorteil: Weniger Platzbedarf für ein intralogistisches Lager, weniger Handlingsaufwand für halbfertige Produkte und ein geringeres Risiko, die Oberflächen zu beschädigen. Ewald Stark sieht gerade hier den Hauptnutzen der neuen Lösung aus seinem Haus, die gleichzeitig auch das Ergebnis einer erfolgreichen Entwicklungszusammenarbeit darstellt.

Für Ewald Stark sind Entwicklungspartnerschaften mit Antriebs- und Steuerungstechnikherstellern sehr wichtig – gerade für findige, und personell schlank aufgestellte Maschinenbauunternehmen. Der Geschäftsführer war deshalb frühzeitig auf der Suche nach einem Partner für die Antriebs- und Steuerungstechnik. „Unsere Kernkompetenz liegt in der Bearbeitung der Folien. Wir beherrschen den Prozess und wissen, wie wir schneiden müssen. Ich möchte mich jedoch nicht mit der Antriebsauslegung oder der Programmierung von Steuerungen oder Sicherheitstechnik im Detail auseinandersetzen“, unterstreicht Stark.

IndraMotion MTX - Bild: Bosch Rexroth
Weil das Schneiden einer runden Geometrie eine Kreisinterpolation der Antriebe notwendig macht, kommt eine CNC-Steuerung zum Einsatz. IndraMotion MTX ist mit Mehrkern-Prozessor ausgestattet und arbeitet Programme sehr schnell ab. Bild: Bosch Rexroth

„Bei Bosch Rexroth haben wir für uns die besten Voraussetzungen gefunden, weil wir die komplette Hardware und auch die Programmierunterstützung von einem Hersteller erhalten konnten. Zudem war die Zusammenarbeit während der gesamten Projektphase sehr gut“, blickt Stark zurück. Der Antriebs- und Steuerungsspezialist hatte Foilpuller einen festen Ansprechpartner aus der zuständigen Vertriebsregion an die Seite gestellt, der das gesamte Projekt ins Unternehmen Bosch Rexroth hinein koordinierte.

Technik im Detail

Platzsparende Automatisierungslösung aus Steuerung und Antrieben
Den Kern der Automatisierungslösung bildet eine CNC-Steuerung IndraMotion MTX 85, weil das Schneiden einer runden Geometrie eine Kreisinterpolation der Antriebe notwendig macht. Antriebstechnisch umgesetzt haben Foilpuller und Rexroth diese Aufgabe mit einem mehrachskoordinierten Verbund aus Kompaktantrieben IndraDrive HMS, die Kommunikation erfolgt über Sercos. Das in Funktion und Leistung skalierbare System steuert durch den überwiegenden Einsatz von Doppelachsreglern platzsparend mehr als 20 Achsen – was letztlich den Schaltschrank deutlich kleiner macht. Der größte Teil davon treibt als Gantry-Antriebe die zuführende, positionierende und abführende Handlingstechnik an. Die gesamte Antriebsebene ist bei Foilpuller im G-Code programmiert, da die Mitarbeiter mit der CNC-Sprache am besten vertraut sind. Die Programmierung der Abläufe gestaltet sich im G-Code im Vergleich zur SPS-Welt generell weniger komplex. Die von Rexroth vorprogrammierten Softwarebausteine vereinfachen die Programmierung zusätzlich.

Auch Neuwagen automatisiert schützen

Oberflächenqualität, Zeit und Materialverbrauch – in diesem Spannungsfeld punktet die neue Lösung von Foilpuller, weil sie sparsam mit den vorhandenen Ressourcen umgeht und darüber hinaus die empfindlichen Oberflächen besser schützt. „Die Idee zu dieser Maschine hatten wir schon lange, weil die Einsatzmöglichkeiten so vielfältig sind. Bisher hat es jedoch an der technischen Umsetzung gefehlt“, blickt Stark zurück. Für die Zukunft sieht er sehr gute Perspektiven in der Automobilindustrie. „Was sich vollautomatisch abziehen lässt, kann auf ähnliche Weise auch automatisiert aufgezogen werden“, sagt Stark und ist dabei gedanklich bei den Neuwagen, die für den Transport mit Folie überzogen werden, um den Lack vor Schmutz und Kratzern zu schützen. fa