Dr. Josef Papenfort, Bild: Beckhoff Automation

Dr. Josef Papenfort, Bild: Beckhoff Automation

Herr Dr. Papenfort, wie sehen Sie in Zukunft die Rolle der Steuerungen im Vergleich zum Industrie-PC?

Beckhoff nutzt schon seit Mitte der 1980er-Jahre den Industrie-PC überaus erfolgreich als Plattform, um Steuerungen zu realisieren, und beurteilt daher dessen Rolle im Vergleich zur konventionellen PLC sehr positiv. Da die Steuerungsfunktionalität komplett in Software realisiert ist, profitieren unsere Kunden mit jeder neuen IPC-Generation von der kontinuierlich steigenden Rechnerperformance. Auch die in der IPC-Welt gegebenen Möglichkeiten der einfachen Integration in verschiedene Netzwerke – von der lokalen Netzwerkanbindung bis hin zur Anbindung an Cloud-Systeme – sind Argumente für den Einsatz eines IPC.

Was meinen Sie: Wandert alles in die Cloud und wird künftig über die Cloud gesteuert?

Die Cloud wird in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Daten werden von Maschinen an die Cloud gesendet, um dort Produktverfolgung, Fehlersuche, Predictive Maintenance oder Maschinenoptimierung zu betreiben. Zudem wird die Maschine als digitaler Zwilling in der Cloud existieren, das heißt, auch ein Teil der Software wird sich in die Cloud verlagern. Hier gilt: Je schneller, zuverlässiger und deterministischer die Kommunikation zur Cloud ist, desto mehr Funktionalität wird in der Cloud ablaufen. Ob irgendwann auch ein Lageregelkreis mit 125 µs Zykluszeit in der Cloud geschlossen werden kann, wird von Beckhoff aber bezweifelt.

Zu den Komponenten: Werden die Komponenten zukünftig schlauer und wenn ja, wie sieht dies aus?

Beckhoff sieht immer noch große Vorteile in der zentralen Steuerungstechnik. Denn ein zentraler leistungsfähiger PC kann auch große und komplexe Anlagen steuern. Durch den Einzug von Multi- und Many-Core-Architekturen stehen solche leistungsfähigen Steuerungen zur Verfügung. Dadurch können die Komponenten wie zum Beispiel Sensoren und Aktoren „dumm“ bleiben. Einfache Komponenten müssen nicht aufwendig programmiert werden, sondern sie werden vom zentralen PC parametriert. Die zentrale Datenverwaltung, ein – modulares – Programm und bestmögliche Diagnose sprechen für einen zentralen Ansatz.

Weitere Interviews mit Herstellern

Wie sehen andere Hersteller den Trend bei den Steuerungen? ke NEXT hat unter anderem nachgehakt bei:

  • Pilz. Den Fragen hat sich Marcel Wöhner, Senior Product Manager Operating and Monitoring and Tools gestellt.
  • B&R. ke NEXT hat zum Thema Trends bei den Steuerungen mit Simon Baier, Marketingleiter Deutschland gesprochen.
  • Mitsubishi Electric. Harald Voigt, Senior Produkt Manager Compact PLC/HMI hat zwei Fragen beantwortet

Lesen Sie auch den Übersichtsbeitrag "Mit der Steuerung in die Cloud".