Com.tom-Gateway, Bild: Beck

Com.tom-Gateway von Beck IPC für die sichere Anbindung von Anlagen an das Internet als erster industrieller modularer M2M-Router für OEMs und Systemintegratoren. Bild: Beck IPC

Das schwedische Unternehmen HMS Industrial Networks mit deutschem Sitz in Karlsruhe hat kürzlich den Wetzlarer Hersteller Beck IPC übernommen und bietet jetzt ein umfassendes Portfolio für das Industrial Internet of Things.

An Ideen mangelt es in der Regel nicht, wenn es um Industrie 4.0 geht. Der Klassiker ist die Fernwartung.

eWON Flexy, Bild: HMS
eWON Flexy von HMS als erster industrieller modularer M2M-Router für OEMs und Systemintegratoren. Bild: HMS

Maschinenbauer möchten heute gerne per Remote Access auf ihre Anlagen zugreifen können, schon um nicht immer sofort einen Servicetechniker losschicken zu müssen – was ja bei global vertriebenen Produkten durchaus zeitintensiv und teuer sein kann. Hierfür reicht eine sichere, aber im Grunde einfache „Phone-home“-Funktion.

Doch je komplexer die Serviceverträge und je ausgefeilter neue Geschäftsmodelle werden – hier sei nur Pay-per-Use erwähnt – desto dringender benötigen alle Beteiligten einen kontinuierlichen Datenfluss. Denn wenn eine Maschine nach ihrem tatsächlichen Ge- oder Missbrauch abgerechnet werden soll, wenn nicht mehr nur für den Besitz oder auch Betriebsstunden gezahlt werden soll, sondern für echte Leistung und Output, dann müssen Informationen aus dem Prozess regelmäßig gesammelt und weiterverarbeitet werden. Idealerweise in einer lokalen oder globalen Cloud, wo sie mittels ausgefeilter Algorithmik analysiert und mit Auftragsdaten in ERP-Systemen abgeglichen werden können. So weit das große Bild.

Maschinen IIoT-fähig machen

IPC@CHIP, Bild: Beck IPC
Der IPC@CHIP ist eine Embedded-Plattform aus Hardware, Software und Zusatz-Features, die steuern und kommunizieren kann. So bildet er das technische Fundament für viele Applikationen. Bild: HMS/Beck IPC

Ganz operativ und an der Maschinenbasis kümmern sich Firmen wie HMS Industrial Networks oder Beck IPC um diese Problematik. Und in Zukunft machen sie das gemeinsam: Denn HMS Industrial Networks AB hat im Sommer sämtliche Anteile der deutschen Firma Beck IPC GmbH mit Sitz in Wetzlar erworben.

Das im schwedischen Halmstad beheimatete Unternehmen HMS Industrial Networks ist ein unabhängiger Hersteller von Produkten für die industrielle Kommunikation, einschließlich industrieller Fernwartung. HMS entwickelt und fertigt Lösungen zur Anbindung von Automatisierungsgeräten an industrielle Netzwerke und vertreibt seine Produkte unter den Marken Anybus, Ixxat und eWON. Hinzu kommen Kommunikationslösungen für die Gebäudeautomatisierung, die von der Tochterfirma Intesis angeboten werden. Die Entwicklung und Fertigung erfolgt im Stammhaus in Halmstad (Schweden) sowie in Ravensburg (Deutschland), Nivelles (Belgien) und Igualada (Spanien). Eigene Niederlassungen in Belgien, China, Dänemark, Deutschland, der Schweiz, Finnland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Schweden, Singapur, Spanien, UK und USA sowie ein weltweites Distributorennetzwerk übernehmen den lokalen Vertrieb und Support. HMS erwirtschaftete 2017 mit über 500 Mitarbeitern 119 Millionen Euro.

Anybus CompactCom-Module, Bild: HMS/Beck IPC
Die Anybus CompactCom-Module sind mit und ohne Gehäuse erhältlich. Sie basieren auf dem Anybus-NP40-Netzwerkprozessor. Die Serie eignet sich für Standard- und anspruchsvolle Anwendungen, die viel E/A-Daten übertragen sollen sowie schnelle Netzwerkzyklen und Taktsynchronität benötigen. Bild: HMS/Beck IPC

Beck IPC wiederum ist Anbieter von Technologien und Lösungen für Embedded Control und industrielle M2M-Kommunikation, einschließlich Lösungen für das Industrial Internet of Things (IIoT). Die Basistechnologie von Beck ist der IPC@Chip. Mit ihm bietet der Hersteller eine kompakte, programmierbare Embedded-Plattformlösung im Formfaktor eines Chips an. Das kompakte System kann als SPS, als Kommunikations-Controller oder als Kombination aus beidem eingesetzt werden.

Ebenfalls im Beck-IPC-Portfolio finden sich die Com.tom-Gateways für industrielle Netzwerke sowie Edge-Gateways für IIoT-Anwendungen. Ein zugehöriges Cloud-Portal stellt alle notwendigen Elemente für eine IIoT-Anwendung zur Verfügung. Das Wetzlarer Unternehmen beschäftigt etwa 30 Mitarbeiter und erwartet für 2018 einen Umsatz von rund sechs bis sieben Millionen Euro.

Was beide Unternehmen bisher und nun gemeinsam tun wollen, ist den Kunden eine Gesamtlösung für neue Geschäftsmodelle zu bieten. Dazu bringen beide Seiten ihre Komponenten ein.

Der modulare IIoT-Router

Während die HMS-Marke Anybus sich auf Gateways spezialisiert, um den Datenaustausch zwischen Netzwerken und Feldbussen zu ermöglichen und die Marke Ixxat CAN-Technologien wie USB-to-CAN-Produkte, Safety und spezielle Energy-Protokolle bietet, hat HMS unter der Marke eWON Lösungen für das Remote Management im Portfolio.

Als industrieller M2M-Router und Datengateway ist beispielsweise der eWON Flexy von HMS einsetzbar. Dank seiner Flexibilität können Endanwender Maschinen an externen Standorten in einem gemeinsamen Umfeld verbinden, auch wenn sich die Kommunikationstechnologien inner- und außerhalb der Maschinen und Anlagen ständig ändern. Der Router ermöglicht eine grundlegende Kommunikation mit den unterschiedlichsten Feldgeräten, unabhängig vom verwendeten Protokoll. Technisch verwendet der eWON Flexy eine ausgehende Verbindung über das Werks-LAN (HTTPS Port 443 oder UDP 1194). Für den Aufbau der Kommunikation sind keine Änderungen an der Firmen-IT oder Firewall erforderlich, was die Zusammenarbeit der Automatisierer mit der IT-Abteilung wesentlich vereinfacht. Alle Verbindung laufen über branchenübliche VPN-Protokolle, damit eine sichere Verbindung gewährleistet ist, die Angriffe auf das Netzwerk verhindert.

Das Gerät ist darüber hinaus modular. Dank der Auswahl von Basismodulen und Erweiterungskarten können Kunden sich mit einer breiten Palette an Industriegeräten verbinden. Die Modularität ermöglicht es, mit dem Fortschritt der Kommunikationstechnik mitzuhalten, neue Verbindungsoptionen zu eröffnen und gleichzeitig die Erstinvestition zu schützen. Der zusätzlich integrierte OPC-UA-Server macht die eWON-Flexy-Reihe daneben zu einem wichtigen Enabler für Industie 4.0.

Cloud-Infrastrukturen, Bild: HMS
Mittels eWON Flexy lassen sich Maschinen sicher an Cloud-Infrastrukturen anbinden. Auf der SPS-Messe wird eine Integration in die Siemens-Mindsphere-Cloud präsentiert. Bild: HMS

Industrie 4.0 auf einem Chip

Ein weiteres Produktbeispiel ist das Embedded-System IPC@Chip aus dem Hause Beck IPC. Die Produktfamilie beinhaltet sofort einsatzfähige Embedded-Controller für die industrielle Steuerung und IoT-Kommunikationsaufgaben. Sie bieten für viele Applikationen den passenden Controller. Wichtig: Alle Controller sind untereinander softwarekompatibel, sodass ein einfacher Umstieg möglich ist, falls mehr Leistung, mehr Speicher oder auch eine günstigere Lösung gewünscht ist. Das Portfolio reicht von einfachen Modellen mit 96-MHz-Prozessor, 8 MB RAM und 2 MB Flash-Speicher bis zu Varianten mit Hochleistungsprozessor ARM Cortex A7,  512 MB RAM und 256 MB Flash-Speicher. Die kompakte Bauform ist für den Einsatz in kleinen bis großen Stückzahlen fertigungsoptimiert. Zahlreiche Schnittstellen für Kommunikation und Peripherie sind allen IPC@Chip gemein.

Mit den Com.tom-Gateways hat Beck dann auch noch Boxed-Varianten im Portfolio, mit denen sich die IPC@Chip-Funktionen quasi off-the-shelf nutzen lassen. Kundenindividuelle Lösungen runden das Angebot ab.

 Die Beck-IPC-Produkte sollen künftig, wie auf der SPS IPC Drives 2018 in Nürnberg Ende November offiziell vorgestellt werden wird, in die Business Unit Anybus von HMS Industrial Networks integriert werden. Damit können diese Produkte weltweit unter dem Anybus-Brand vermarktet werden. Auch eine kleine Änderung der Produktnamen ist zu erwarten. Aus dem IPC@Chip könnte Anybus IoT@Chip werden, und die Com.tom-Gateways zu Anybus Edge-Gateways. Damit gäbe es eine global einheitliche Produktpositionierung.