"Indem wir die Lücke zwischen IT und OT geschlossen haben, konnten wir unsere Produktivität Jahr für Jahr um fünf Prozent steigern." - Kai Bergemann, European Product Manager und Industrie-4.0-Spezialist von Rockwell Automation. Bild: Rockwell Automation

ke-NEXT-Redakteur Florian Blum sprach im Kontext der Automation University mit Kai Bergemann, European Product Manager und Industrie-4.0-Spezialist von Rockwell Automation:

1. Rockwell und Cisco setzen sich gemeinsam für das Thema Sicherheit im IIoT ein. Haben Sie in Gesprächen mit Maschinenbauern das Gefühl, dass das Thema in der Industrie auch wirklich angekommen und man sich der Gefahren in vollem Umfang bewusst ist?

Durchaus und das Thema wird sehr intensiv diskutiert. Ein isolierter, abgeschlossener Schaltschrank ist auf den ersten Blick natürlich einfacher zu schützen als dezentrale Schränke, die im Feld verteilt sind. Allerdings stehen so deutlich weniger Daten zur Verfügung, die für eine schnelle Entscheidungsfindung benötigt werden. Prinzipiell befinden wir uns in einem Wandel, wobei der Maschinenbau noch relativ am Anfang steht. Resultat der strategischen Partnerschaft zwischen Rockwell Automation und Cisco ist unter anderem die gemeinsame Entwicklung von industriellen Managed Switches (Stratix), die höchste Sicherheitsansprüche erfüllen und sich nahtlos in die IT-Welt integrieren lassen.

2. In der Pressekonferenz erfuhr ich, dass Rockwell auch selbst nach dem Prinzip Industrie 4.0 produziert. Bitte erläutern Sie anhand eines Beispiels.

Wie andere Hersteller auch stand Rockwell Automation nach Jahren kontinuierlichen Wachstums vor der Herausforderung, die eigene Produktion an die dynamischen Marktanforderungen anzupassen. Eine globale Standardisierung von Produktionsprozessen und Transparenz standen dabei ganz oben auf der Liste. Dazu wurden die jeweils eingesetzten unterschiedlichen ERP-Systeme ersetzt und mit Hilfe eines einheitlichen MES-Systems die Lücke zwischen IT und OT (Produktionsebene) geschlossen. Informationen, die vorher nicht verfügbar waren, werden nun nicht nur erfasst, sondern auch analysiert und in kontextualisierte Informationen umgewandelt. Letzten Endes konnten wir Jahr für Jahr die Produktivität um fünf Prozent steigern.

3. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Stellschrauben an denen bis 2025 für eine Realisierung von Industrie 4.0 noch zu drehen ist?

Wenn man alle Aspekte von Smart Manufacturing betrachtet, spielen intelligente Geräte und Anlagen eine immer größere Rolle. Auch die Sensorik wird immer intelligenter, da der Bedarf an standardisierten, nicht proprietären Datengateways steigt. Das setzt voraus, dass Diagnosewerkzeuge und Engineering-Tools entsprechend angepasst werden müssen, um eine Vernetzung im Sinne von Industrie 4.0 zu verwirklichen. Völlige Transparenz in der Produktion erfordert mehr Daten in Echtzeit. Dies stellt die Infrastruktur, Architektur und Physik (Verkabelung) vor die Herausforderung, diese Transparenz zu realisieren und die Daten verfügbar zu machen. Die horizontale und vertikale Integration von Neuanlagen, Teilanlagen, oder im Rahmen der Modernisierung von Anlagen erfordert eine durchgängige Netzwerkinfrastruktur, die flexibel und skalierbar ist. Zudem ist die Sicherheit der Anlage in einer vernetzten Welt ein zentraler Punkt.