Fernrohr und Wolken, Bild: Pixabay

In Zeiten von Industrie 4.0 zeigt ein Trend bei den Steuerungen in Richtung Cloud. Bild: Pixabay

Für die Maschine ist es am Ende nur wichtig, dass die Steuerung den Maschinentakt und die Prozesszeit erfüllen kann“, sagt Marcel Wöhner, Produktmanager beim Automatisierungstechnikspezialisten Pilz. „Und wenn man die Leistungsfähigkeit heutiger Industrie-PCs betrachtet, wird die Berechtigung für dedizierte Steuerungsplattformen für CNC oder SPS immer fragwürdiger.“ Allerdings spielten die Steuerungen hinsichtlich Optimierungen der Abarbeitung, Robustheit, Sicherheit und Ersatzteilbeschaffung immer noch ihre Stärken aus. So könnten beispielsweise Prozessoren, die sich im rauen Industriealltag bewährt haben, auf engstem Raum in Vergussmasse eingebettet und ohne Kühlung betrieben werden. „Geschützt gegen Staub und Spritzwasser, einsetzbar im Temperaturbereich von -30 °C bis +60 °C für Anwendungen bis Performance Level PL e haben wir die weltweit erste sichere schaltschranklose IP67-Kompaktsteuerung auf den Markt gebracht“, erklärt Marcel Wöhner weiter.

Freie Auswahl der Hardware

„Je mehr Intelligenz in die Feldebene wandert, desto mehr maschinennahe, kompakte und wartungsfreie Steuerungen werden benötigt“, ergänzt Hans Michael Krause, Director Market and Product Management PLC and IoT Systems bei Bosch Rexroth und fügt hinzu, dass auch der Einsatz von IPCs mit Steuerungssoftware zunehmen werde. Entscheidend sei allerdings, dass die Programmierung der Steuerungssoftware hardwareunabhängig ist und der Anwender je nach Situation die beste Hardware auswählen kann. Ähnlich sieht es auch Harald Voigt, Senior Produkt Manager Compact PLC/HMI bei Mitsubishi Electric: „Die SPS wird mit ihren besonderen Funktionen, insbesondere im Bereich Safety und schnellen Motion-Anwendungen, weiterhin ihre Berechtigung haben. Allerdings sehen wir, dass die Funktionen von Shopfloor- und Enterprise-Welt im Rahmen von Industrie 4.0 immer mehr zusammenwachsen und miteinander verschmelzen, wobei beide Systeme koexistent ihre Funktionen beibehalten werden.“

Hybride Produkte gefragt

Auch Rockwell Automation sieht kein Ende der speicherprogrammierbaren Steuerungen, solange harte Echtzeit-Anwendungen, langfristige Verfügbarkeit und höherer Schutz bei rauen Umgebungsbedingungen von den meisten Kunden bevorzugt werden. „Die IPCs kommen verstärkt im Bereich des Informationsmanagements und der Visualisierung zum Einsatz. In Zukunft treten allerdings auch hybride Produkte verstärkt in den Vordergrund“, erklärt Dr. Jürgen K. Weinhofer, Vice President Common Architecture & Technology bei Rockwell Automation. „Produkte wie die CompactLogix 5480-Steuerung bieten harte Echtzeitfähigkeit auf mehreren Cores und die Informationsfähigkeit von Windows auf einem anderen Core, ohne die Echtzeitfähigkeit zu reduzieren. Somit lassen sich mit Hybridlösungen Teilfunktionen eines klassischen Industrie-PCs übernehmen.“

Hybrid ist auch das Stichwort bei Siemens. Der S7-1500-Controller kann sowohl als Software-Controller in einem Simatic IPC als auch als reiner Hardware-Controller genutzt werden. „Die Entscheidung, ob ein Industrie-PC oder eine modulare S7-1500 Steuerung zum Einsatz kommt, treffen unsere Kunden“, sagt Stefan Kläber, Marketing Manager für Automatisierungssoftware bei Siemens. Kriterien dafür seien die notwendige Flexibilität der Anwendung, die langfristige Ersatzteilverfügbarkeit der Komponenten sowie Service- und Wartungsmöglichkeiten weltweit. „Aktuell sehen wir keine Tendenzen im Hinblick auf eine veränderte Rolle von IPC oder Controller in den Automatisierungslösungen unserer Kunden. Trends wie Security, virtuelle Inbetriebnahme sowie die Anbindung an unsere MindSphere Cloud als auch 3rd Party Clouds werden bereits heute mit beiden Architekturen unterstützt“, sagt Kläber.