| von Wolfgang Kräußlich
Carsten Fleischmann
Carsten Fleischmann ist – wie er sagt – mit Leib und Leben Vertriebsmann bei Mitsubishi Electric. Im Projekt mit Barth ist er der zuständige Vertriebs- und Projektmanager. Bild: Michael Setz

Barth Präzisionstechnik ist ein Familienunternehmen, das 75 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt. Das soll auch in dritter Generation so bleiben. ke NEXT sprach mit Geschäftsführer Wolfgang Barth und den Automatisierern Carsten Fleischmann und Joachim Burkert über Taktiken für die Zukunftsfähigkeit.

Was war der Antrieb zu mehr Automation bei Barth Präzisionstechnik?
Wolfgang Barth: Ganz einfach, wir wollen unseren Standort fit machen, um gegen Konkurrenz vorrangig aus dem Ausland antreten zu können. Wir müssen die Personalzeiten effizienter einsetzen, wir müssen Kosten reduzieren, die Produktivität massiv steigern. Unsere Firmengruppe hat ja auch Werke in Rumänien, aber wir wollen nicht alles nach Rumänien verlagern, sondern wir automatisieren ganz gezielt Projekte hier in Binzwangen, um den Standort in der Rentabilität zu halten und zukunftsfähig für die nächste Generation aufzustellen.

Carsten Fleischmann: Es geht uns generell darum, in Deutschland wettbewerbsfähig produzieren zu können. Um sich gegen ausländische Billiglohnproduktion erwehren zu können, ist es unerlässlich, die Automation voranzutreiben.

Aber vernichten Sie damit nicht gleichzeitig Arbeitsplätze? Die neue Automatisierung bei Barth hat den Bedarf an menschlicher Arbeitszeit von acht auf eine Stunde reduziert.
Carsten Fleischmann: Wenn ich erzähle, dass ich mich in meinem Job mit Automationstechnik befasse, höre ich häufig Sätze wie: „Du vernichtest Arbeitsplätze“ oder „Roboter ersetzen Menschen“. Dann erkläre ich, dass das völlig falsch ist. Wenn Automation eingesetzt wird, können Arbeitsplätze in anderen Bereichen erhalten werden. Andernfalls könnten ganze Firmen schließen oder ihre Geschäftsmodelle funktionieren nicht mehr. Wenn ich keine Aufträge aufgrund zu hoher Kosten habe, kann ich einfach nicht überleben. Wenn es darum geht, die Stückzahlkosten zu senken, geht das eigentlich nur mit Automation.

Wolfgang Barth: Bevor wir uns für die Automation entschieden haben, hat eine Person in einer Schicht – sprich acht Stunden lang – zwei Maschinen bedient. Jetzt ist es so, dass die Werker an anderen Maschinen arbeiten und nach jeder Schicht vorbeikommen, die fertigen Teile rausnehmen und neue Rohteile einlegen, die Werkzeuge wechseln, Korrekturen vornehmen und den Prozess von vorne starten. Anstatt acht Stunden ist ein Werker jetzt nur noch eine Stunde pro Schicht an diesen Maschinen beschäftigt. Er kann jetzt andere Aufgaben übernehmen, so erhält man einen Standort.

Gilt das auch für kleinere Betriebe mit geringeren Stückzahlen? Gibt es eine Unternehmensgröße, die erreicht sein sollte, damit sich ein Robotereinsatz lohnt?
Joachim Burkert: Natürlich gilt bei der klassischen Automation, dass sich eine Roboterzelle ab größeren Strückzahlen eher lohnt. Der Trend geht jedoch dahin, auch kleinere Stückzahlen zu automatisieren. Die Technik wird zunehmend einfacher und flexibler.

Carsten Fleischmann: Wir haben da auch ein neues Konzept, das wir in den Markt bringen wollen: Eine mobile Roboterzelle, bei der sich auch kleinere Stückzahlen von der Amortisation her rechnen. Wir reden hier von einem Robotersystem, das über eine Docking-Station an verschiedenen Maschinen, die unterschiedliche Bearbeitungsprozesse durchführen, eingesetzt wird – je nachdem wo es gerade benötigt wird – flexibel einsetzbar nach Auftragslage. Das ist ein interessantes Zukunftskonzept.

Joachim Burkert
Joachim Burkert ist Geschäftsführer bei wbt Automation. Auch wenn wbt eigentlich für Wißmann, Burkert und Team steht, formuliert er es gerne in „Wir bewegen Teile“ um. Bild: Michael Setz

Wie lange hat der Umbau gedauert?
Carsten Fleischmann: Von der ersten Kontaktaufnahme bis zum fertigen Konzept hat es etwa drei, vier Monate gedauert. Als wir quasi den Schalter umgelegt haben, war die Anlage dann nach weiteren drei Monaten installiert.

Wolfgang Barth: Nachdem wir mit den Maschinen umgezogen sind, haben wir sie gleich so aufgestellt, wie sie mit der Automatisierung stehen sollten. Dann haben wir einen entsprechenden Vorlauf an Teilen gefertigt, sodass wir die Maschinen zwei Wochen abstellen konnten. In der Zeit haben Mitsubishi Electric und wbt die Automatisierung installiert.

Joachim Burkert: Mit den Vorgaben von Herrn Barth haben wir die Beladeachsen aufgelegt und das Layout miteinander gemacht. Somit konnten wir die Anlage bei uns komplett vorfertigen. Eine Vorabnahme fand bei uns im Haus statt, wir konnten auch noch Änderungswünsche besprechen. Dann hatten wir auch schon eine kleine Einweisung und Schulung an der Bedienoberfläche bei uns, sodass die Bediener voher wussten, wie es geht. Auf die Weise hat die Implementierung vor Ort nicht unnötig den Produktionsprozess gestört. Denn der Vorlauf, den Herr Barth gerade angesprochen hat, das war ja nur eine begrenzte Anzahl von Teilen, danach musste die Anlage wieder automatisch produzieren.

Wolfgang Barth
Wolfgang Barth ist geschäftsführender Gesellschafter bei Barth Präzisionstechnik in Binzwangen. Um seine Produk- tion auch dort zu halten, setzt er auf Automatisierung. Bild: Michael Setz

Warum sollte die Anlage so besonders einfach zu bedienen sein?
Wolfgang Barth: Das war eine wichtige Vorgabe von uns: Jeder angelernte Helfer muss in der Lage sein, diese Automatisierung zu bedienen. Wir müssen die Mitarbeiter flexibel einsetzen, da kann sich nicht jeder in komplizierte Eingabemasken reinpfriemeln. Sie wissen ja, wenn man etwas nicht regelmäßig machen muss, sondern nur alle paar Monate, dann hat man es wieder vergessen. So haben wir ein Touch-Display, wie man es heute von zuhause kennt, da steht in klarer, einfacher Beschriftung, was man tun kann, da muss man nur drauf tippen und die Anlage läuft. Fertig. Sehr bedienerangenehm!

Was ist aus Ihrer Sicht der Vorteil der Zusammenarbeit mit Mitsubishi Electric?
Wolfgang Barth: Schön ist, dass wir alles aus einer Hand haben. Außer ein paar mechanischen Bauteilen und dem Stocker sind alles Großserienkomponenten von Mitsubishi Electric. Da wären Ersatzteile kein Problem.

Joachim Burkert: Uns war es wichtig, einen starken, international agierenden Partner an unserer Seite zu haben, mit dem wir die Herausforderungen dieses anspruchsvollen Projektes mit Erfolg realisieren konnten. jl/wk

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