Felix Kretschmer, Bild: Uni Stuttgart

Felix Kretschmer ist seit Anfang 2017 Gruppenleiter für Planungssysteme und Engineeringmethoden am Institut für Steuerungstechnik der Uni Stuttgart. Bild: Uni Stuttgart

Herr Kretschmer, inwiefern wachsen die IT und die Steuerungstechnik unumkehrbar zusammen?

Wenn man über die Fachmessen läuft, egal ob über die SPS IPC Drives in Nürnberg oder die Hannover Messe, dann sieht man ganz klar, dass die IT aus der Automatisierung nicht mehr wegzudenken ist. Viele meinen, es sei dazu durch die Industrie 4.0 gekommen. Schaut man sich jedoch die historische Entwicklung der Steuerungstechnik an, dann sieht man, dass die Steuerungstechnik immer Technologien aus der IT adaptiert hat, und zwar mit einer Verzögerung von etwa zehn Jahren. Für uns war also der nächste logische Schritt, einen Nutzen aus dem Aufkommen der Cloud-Technologien zu ziehen.

Seit wann gibt es die Idee, Maschinensteuerung aus der Cloud zu betreiben?

Die ersten Projekte, die wir am Institut gestartet haben, waren im Jahr 2012 Cloudplug und Picasso. Bei Cloudplug ging es in erster Linie um Data Collecting, also wie ich Daten von der Maschine wegbekomme. Bei Picasso ging es dann darum, die Steuerungstechnik auszulagern – mit Blick auf Technologien, wie Google sie nutzt – und diese von überall mögliche Erreichbarkeit für die Steuerungstechnik nutzbar zu machen. Nachdem wir in der Forschung gerne sehr weit vorausschauen, haben wir uns das Ziel gesteckt, zu schauen, wie weit sich tatsächlich eine zyklische Steuerung von der Anlage wegnehmen und in die Cloud verlegen lässt.

Im Grunde genommen, hat der Hype um Industrie 4.0 also nur sichtbar gemacht, was schon im Hintergrund läuft?

Ja, für uns wäre dieser Schritt logisch gewesen. Dadurch dass das Thema jetzt unter einem Begriff steht, mit dem jeder bis zu einem gewissen Grad etwas anfangen kann, hat sich das ein ganzes Stück beschleunigt. Ich glaube, ohne Industrie 4.0 wären wir heute nicht da, wo wir sind. Und auch der Druck ist bei dem einen oder anderen Unternehmen gestiegen, mitzuziehen und die Digitalisierung etwas schneller voranzutreiben.

Inwieweit sind Maschinensteuerungen aus der Cloud jetzt schon möglich?

Das Projekt haben wir im Dezember 2016 abgeschlossen. Unsere Abschlussveranstaltung im Januar 2017 ist zur Reihe „Steuerungstechnik aus der Cloud“ geworden und wird im Januar 2018 erneut durchgeführt, weil dieses Thema in den Unternehmen präsent und wichtig ist. Die Ergebnisse aus Picasso zeigen die ersten Anlagen, die unter anderem auf der Basis von Codesys aus der Cloud gesteuert werden, da dies die Basis für eine Vielzahl von Soft-SPSen in der Industrie darstellt. Das heißt, hier werden existierende Projekte relativ einfach auf die Cloud-Plattform portierbar. Das hat natürlich gewisse Grenzen.