Die künstliche Linse im Hitzetest, Bild: Treehugger, University of Leeds

Die neue Linse wird verschiedenen Tests unterzogen. Hier im Hitzetest. Bild: Treehugger, University of Leeds

Die neu entwickelte Linse wurde von Devesh Mistry im Rahmen seiner Doktorarbeit an der University of Leeds entwickelt. Sie besteht aus Flüssigkristallen, die etwa auch bei der Produktion von LCD-Bildschirmen oder bei Smartphones zum Einsatz kommen. Die Flüssigkristalle haben den Vorteil, dass sie auf der einen Seite fest sind, aber auf der anderen Seite auch auf Stimulierungen reagieren.

Erfinder Devesh Mistry, Bild: Treehugger, University of Leeds
Devesh Mistry hat die künstliche Linse im Rahmen seiner Doktorarbeit an der University of Leeds erfunden. Bild: Treehugger, University of Leeds

Das ist wichtig, wenn man sich den Aufbau eines menschlichen Auges genauer ansieht. Dort sorgen Muskeln dafür, dass sich die Linse krümmt. Aber einem Alter von 45 Jahren lässt aber die Flexibilität der Linse nach, weswegen ältere Menschen meist mit einer Lesebrille ausgleichen müssen.

"Wenn wir älter werden, versteift sich die Linse in unserem Auge. Wenn sich dann die Muskeln in unserem Auge zusammen ziehen, können sie die Linse nicht mehr krümmen, um nahe Objekte zu fokussieren und scharf zu sehen", sagt Mistry.

Die neue Linse aus Flüssigkristallen können hingegen die Bewegungen der Augenmuskeln übernehmen und dementsprechend das Fokussieren zu erleichtern. "Flüssigkristalle werden unterbewertet. Jeder ist mit Feststoffen, Flüssigkeiten und Gasen und ihren Aggregatszuständen glücklich, aber Flüssigkristalle liegen zwischen festen Kristallen und Flüssigkeiten. Sie haben eine feste Struktur wie ein Kristall, aber sie können genauso fließen wie eine Flüssigkeit und reagieren auf Stimulierungen", erklärt Mistry.

Erster Prototyp 2018

Prototyp künstliche Linse, Bild: Treehugger, University of Leeds
Ein erster Protoyp der künstlichen Linse. Sie besteht aus flüssigen Krisallen, die auch in den meisten Bildschirmen von TV und Smartphone verwendet werden. Bild: Treehugger, University of Leeds

Mistry wird seine Doktorarbeit 2018 abschließen und zu diesem Zeitpunkt auch einen ersten Prototypen entwickeln. Er glaubt, dass die Linse in den nächsten sechs bis zehn Jahren bei den ersten Patienten eingesetzt werden kann. Bei der Operation wird dann nur eine lokale Betäubung notwendig sein. Die alte Linse wird mit Hilfe von Ultraschall gezielt zerstört und durch die neue Linse ersetzt.

Mistry arbeitet bei seiner Doktorarbeit mit der Firma UltraVision CLPL und der Eurolens-Forschung an der University of Manchester zusammen. Diese Gruppe hat vor kurzem auch eine elektrisch schaltbare Kontaktlinse entwickelt, die die Flüssigkristalltechnik schon anwendet. Diese Erfindung zeigt, dass in naher Zukunft Bionic Eyes Realität werden könnten.