Symbolbild menschliche vs. künstliche Intelligenz, Bild: christian42 - Fotolia

Wer kann es besser: Gehirn oder Schaltkreise? Bild: christian42 - Fotolia

Jeder größere Durchbruch auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI) ruft Faszination, aber auch Ängste hervor. Im Januar 2016 war so ein Moment, als bekannt wurde, dass das selbstlernende Programm Alphago den dreifachen Europameister Fan Hui in dem Brettspiel Go besiegt hatte. Anfang 2017 setzte sich dann die Software Libratus im Poker gegen vier Profi-Spieler eindeutig durch, bei der Spielvariante Texas Hold'Em. Diese Siege scheinen uns den Visionen großer Science-Fiction-Autoren wie Isaac Asimov, der auch das mit Will Smith verfilmte Buch "I, Robot" geschrieben hat, wieder einen Schritt näher zu bringen.

Wie bei jeder technologischen Neuerung, die das Zeug zur industriellen Revolution hat, wird die Debatte über Möglichkeiten und Risiken teilweise in schrillen Tönen geführt. Beispiel gefällig? In dem Buch „Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies“ stellt der schwedische Philosoph Nick Bostrom von der Universität Oxford die These auf, dass eine dem Menschen überlegene Intelligenz ihren Schöpfer als dominante Lebensform auf der Erde verdrängen könnte, und schaffte es damit in die Bestsellerlisten der USA.

Apokalyptische Diskussionen riechen immer nach Hype und tatsächlich werden in dem Buch Gefahren diskutiert, die - wenn überhaupt - nur in ferner Zukunft auftreten werden. Auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet leisten die künstlichen Denker heute zwar Überragendes und stechen den Menschen locker aus. Generell aber sind selbst die Intelligenzbestien unter ihnen noch ziemlich dumm. Denn gerade die vermeintlich einfachen Alltagsaufgaben, die relativ kleine Kinder schon meistern, sind elektronisch schwer abzubilden.

Eine führende Forschungseinrichtung, die sich mit diesem Thema beschäftigt, ist das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Deren CEO, Prof. Wolfgang Wahlster, rechnet damit, dass die Menschen in den nächsten Jahren bei allen Brettspielen die Meistertitel an Computer beziehungsweise Programme abgeben werden. Generelle Überlegenheit ist hingegen nicht in Sicht, erklärte der Wissenschaftler beispielsweise beim Future Talk auf der Cebit 2016.

Intelligenz beinhaltet verschiedene Aspekte

Symbolbild menschliche und künstliche Intelligenz, Bild: psdesign1/Fotolia
Beim menschlichen Denken spielen Emotion und Verstand zusammen. Das ist für Rechner momentan nicht nachvollziehbar. Bild: psdesign1/Fotolia

Der Forscher unterscheidet verschiedene Arten von menschlicher Intelligenz: Sensomotorische, kognitive, emotionale und soziale Intelligenz. Teilweise überlegen sind uns die Rechner bei der kognitiven Intelligenz. In den anderen drei Gebieten hapert es: Maschinen tun sich mit der Fusion verschiedener Sinneseindrücke noch schwer; für Menschen ist dies eine leichte Übung. Anders als Maschinen sind sie auch in der Lage, aus sehr wenigen Informationen, die teilweise auch noch wage, unvollständig oder möglicherweise falsch sind, Situationen richtig zu erfassen.

Bei der emotionalen Intelligenz, also dem Verständnis von Gefühlen, sind Rechner auf verlorenem Posten. Wer sollte es ihnen auch beibringen? Die enge Bindung zwischen Eltern und Kindern, aus denen diese Kompetenz entsteht, lässt sich künstlich kaum erzeugen. Außerdem sind für das menschliche Handeln Gefühle wie Sympathie und Empathie enorm wichtig; die chemischen und hormonellen Vorgänge hinter diesen Neigungen sind jedoch individuell und komplex. Emotionen zu verstehen, ist Wahlster überzeugt, werde Rechnern auf absehbare Zeit unmöglich bleiben, nur beim Erkennen von Gefühlen in ihrem menschlichen Gegenüber geht es voran. Auch Teamgeist, ein Produkt der sozialen Intelligenz, ist den Systemen aktuell nur mit extremem Aufwand antrainierbar.

Einige Aufgaben sind für Maschinen unschaffbar

Deshalb sind viele der scheinbar trivialen Aufgaben so schwierig für KI-Systeme, zum Beispiel über einen belebten Platz zu gehen, ohne Menschen anzurempeln. Denn dafür braucht es eine sozio-emotionale Analyse in Echtzeit: Wird diese entgegenkommende Person ausweichen – und wenn ja, wohin?

Auch beim Lernen haben wir den Maschinen noch einiges voraus. Denn Menschen lernen schnell und aus wenigen Beispielen. So ist es für sie kein Problem, sich eine komplexe Bewegung, wie etwa den Aufschlag im Tennis, nach ein oder zwei Demonstrationen von einer Person abzuschauen, selbst wenn der Lehrende eine ganz andere Statur hat, beispielsweise viel größer ist. Das ist für Maschinen momentan unmöglich. Was sie nur können, ist aus einer riesigen Zahl von Beispielen lernen oder eine einmal gezeigte Bewegung ganz genau imitieren, wie beim Teach-in von Robotern.

Wie also wird die Zukunft der KI vermutlich aussehen? Der menschenhafte Roboter, wie er in Science-Fiction-Romanen beliebt ist, scheint aus Sicht der Wissenschaftler am DFKI unwahrscheinlich beziehungsweise ein Randphänomen – denn welche Aufgabe würde eine solche Maschine erfüllen, die ein Mensch nicht genauso gut und günstiger erledigen könnte? Weder wirtschaftlich noch sozial wären solche künstlichen Menschen wünschenswert.

Ganz anders liegt der Fall bei spezialisierten Assistenten, die auf eine jeweilige Aufgabe kognitiv, aber auch von ihrer Statur und ihrer Sensorik zugeschnitten sind. Diese könnten beispielsweise auch als intelligente Umgebung auftreten, egal ob das nun eine Küchenzeile oder ein intelligente Fabrik ist.

Und der Mensch? Die Wertschätzung für das Auswendigwissen von Fakten lässt vermutlich nach. Wichtiger wird in Zukunft dafür die Fähigkeit, aus unsicheren, unvollständigen Informationen Zusammenhänge zu erkennen. Die soziale und emotionale Intelligenz des Menschen rückt stärker in den Fokus.