Tûranor PlanetSolar, Bild: Race for Water 2016

Die Tûranor PlanetSolar stellte bei ihrer Weltumrundung verschiedene Rekorde auf. Bild: Race for Water 2016

Rund 50.000 Kilometer mussten für die Weltumrundung zurück gelegt werden. Das wollte das Solarboot Tûranor PlanetSolar mit durchschnittlich 7,5 Knoten, rund 15 Kilometern pro Stunde, in 160 Tagen schaffen. Daraus wurden allerdings 584 Tage, 23 Stunden und 31 Minuten.

Die Idee für die Weltumrundung von Ost nach West stammt vom Schweizer Raphaёl Domjan. Sein Ziel war es, zu zeigen, was die Erneuerbaren Energien alles leisten können. Der Katamaran wurde in 14 Monaten und 64.000 Stunden Arbeit in der Kieler Schiffswerft Knierim gebaut. Kosten: 12,5 Millionen Euro. Der Katamaran ist 31 Meter lang, 15 Meter breit und verdrängt knapp 85 Tonnen. Der Name Tûranor stammt von Eigner und Geldgeber Immo Ströher. Für die Namensgebung ließ er sich von J.R.R. Tolkiens Roman „Der Herr der Ringe“ inspirieren. In ihm taucht der Name Tûranor auf, ein Synonym für „Kraft der Sonne“. Passend, denn das Schiff wird ausschließlich mittels Solarenergie angetrieben. Die 38.000 Photovoltaik-Zellen der 825 Solarmodule auf dem Deck bilden eine Fläche von 516 Quadratmetern. Zusätzlich können weitere Solarpaneele ausgefahren werden, die über Seilzüge steuerbord und backbord sowie vom Heck hydraulisch ausgefahren werden. Dann hat das Schiff eine Länge von 35 Metern und eine Breite von 23 Metern. Vier Personen reichen aus, um das Solarboot zu steuern; insgesamt passen 60 Personen an Bord.

Die Kraft der Sonne

516 Quadratmeter Solarzellen, Bild: Race for Water 2016
516 Quadratmeter Solarzellen wurden auf dem Schiff, das die Welt umrundete verbaut. Bild: Race for Water 2016

Mit aufgeladenen Solarspeichern kann das Schiff drei Tage ohne Sonnenschein fahren. Die Gesamtleistung der Photovoltaik-Anlage beträgt knapp 93 kW. Die Solarmodule wurden von Solon Energy speziell entwickelt. Die Module sind besonders leicht und leistungsstark. Sie sind durch eine GFK-verstärkte Rückseite auch sehr widerstandsfähig und verwindungssteif. Die vier Elektromotoren mit je einer Durchschnittsleistung von 20 kW wirkten auf zwei Antriebswellen. Die Antriebsenergie wurde ausschließlich über die Solarmodule gewonnen. Nachts wurden die Motoren von Lithium-Ionen-Akkus gespeist, die in den Schwimmern untergebracht sind. Die Akkus wiegen 11,7 Tonnen und speichern 1.130 kWh.

Die Elektromotoren treiben zwei CFK-Propeller an, die doppelt so groß wie übliche Propeller sind und mit geringer Drehzahl betrieben wurden. Sie waren als Oberflächenantriebe ausgelegt. Das in der Mitte am Bootskörper angebrachte Ruder wurde nur für die Marschfahrt benötigt. Man versprach sich von dem Oberflächenantrieb und den verstellbaren Propellern eine höhere Effizienz und gute Lenkbarkeit bei geringster Fahrt durch die Veränderung des Drehmoments der einzelnen Propeller. Schien die Sonne einmal nicht, konnten die Motoren das Schiff drei Tage lang antreiben. Allerdings hat sich der Antrieb für Fahrten bei hochseeüblichem Wellengang allerdings nicht bewährt, weswegen er nach der Weltumrundung 2013 durch einen konventionellen, getauchten Antrieb mit feststehendem 5-Blatt-Propeller und jeweils eigenem Ruder ersetzt wurde.

Die Reise beginnt in Monaco

Das Schiff startete seine Reise von Monaco aus. Diese führte entlang des Äquators, zunächst über den Atlantik, dann durch den Panamakanal in den Pazifik und von dort über den Indischen Ozean und Suezkanal wieder zurück ins Mittelmeer. Mehrere Zwischenstopps in großen Hafenstädten wurden geplant, darunter Miami, Cancún, San Francisco, Sydney, Singapur, Abu Dhabi. Der geplante Zeitplan von 160 Tagen ging aber leider nicht ganz auf. Das Schiff fuhr nicht durchschnittlich 7,5 Knoten, sondern „nur“ mit fünf Knoten durch die Weltmeere. Außerdem zeigte sich, dass der eingebaute Oberflächenantrieb für Fahrten bei hochseeüblichem Wellengang untauglich war. Außerdem musste die Mannschaft der Tûranor PlanetSolar wegen Problemen mit der Schiffsschrauben-Steuerung im April 2011 in Asien eine zweiwöchige Zwangspause einlegen. Schließlich fuhr der Katamaran am 4. Mai 2012 wieder in Monaco ein und beendete die erste Weltumrundung mit Solarkraft.

Reiseverlauf ab 2017, Bild: Race for Water 2016
Die Tûranor PlanetSolar bricht 2017 zu einer neuen Reise auf. Bild: Race for Water 2016

Neue Welttournee geplant für 2017

Von 2017 bis 2021 ist die zweite große Reise geplant. Dieses Mal wird der Katamaran für die Technik unterwegs sein: als Botschafter für das Programm „Race for water“ dient es als Bildungsplattform, mobiles Labor und als Arbeitsdemonstration sauberer Energien. Während ihrer Reise will die Crew auf die Verschmutzung von Land und Meer durch Plastikmüll aufmerksam machen und gleichzeitig Lösungen aufzeigen. Innnerhalb von fünf Jahren wird der Katamaran verschiedene Teile der Erde befahren: das Bermudagebiet und Kalifornien (2017 – 2018), den Nordpazifik und die Südchinesische See (2018 – 2020) sowie den mittleren Osten (2020 – 2021). Zusätzlich zur reinen Solarenergie wird das Schiff diesmal auch Wasserstofftechnik als Antriebsquelle nutzen; und so auch diesmal nachhaltig unterwegs sein. jl

Rekorde des Solarboots

  • 61 Tage nach der Abfahrt in Monaco erreichte die Tûranor PlanetSolar Miami, was mit 26 Tagen und 34 Minuten die schnellste Atlantiküberquerung eines Solarbootes war. Bisherige Rekordinhaberin war die Sun21 mit 26 Tagen, 19 Stunden und 10 Minuten.
  • Am 20. Februar 2011 meldete die Tûranor PlanetSolar einen weiteren Weltrekord. Mit 9.904 nautischen Meilen beziehungsweise 18.342 Kilometer Entfernung vom Startpunkt Monaco hatte das zu diesem Zeitpunkt größte Solarboot der Welt die weiteste Strecke bewältigt, die je ein Fahrzeug mit Solarenergie zurückgelegt hat. Von 2004 bis zu diesem Tag war dieser Rekord vom Midnight Sun-Solar-Race-Team gehalten worden, das mit einem Solarauto eine Strecke von 15.070 Kilometer durch Kanada und die Vereinigten Staaten von Amerika gefahren war.