EU-Fördergelder nach Bayern lotsen – dafür hat der Freistaat die Bayerische Forschungsallianz

EU-Fördergelder nach Bayern lotsen – dafür hat der Freistaat die Bayerische Forschungsallianz ins Leben gerufen. Bild: ag visuell - Fotolia.com

Betriebe im Maschinen- und Anlagenbau, und hier gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU), müssen am Puls der Zeit agieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Investition in Forschung und Entwicklung für innovative Produkte ist dabei ein wichtiger Baustein. Fehlen KMU die finanziellen Mittel, um fortschrittliche und mitunter aufwendige Technologien zu entwickeln, sind europäische Fördergelder eine potenzielle Lösung.

Auf EU-Ebene bieten sich viele Chancen, um Fördermittel für den Maschinen- und Anlagenbau zu erhalten. Technologieorientierte Themenfelder der Europäischen Kommission in diesem Bereich sind die Ausschreibungen zu „Nanowissenschaften, Nanotechnologie, Werkstoffen und neuen Produktionstechnologien“ (NMP). Hier investierte die EU von 2007 bis 2013 im 7. Forschungsrahmenprogramm (FP7) rund 3,5 Mrd. Euro. Ab 2014 wird das neue Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ das FP7 und weitere Programme ablösen. Auch hier stehen wieder Fördergelder für NMP-Themen zur Verfügung. Für den Maschinen- und Anlagenbau sind im NMP-Bereich vor allem die EU-Ausschreibungen unter den Programmen „Factories of the Future“, „Energy-efficient Buildings“ und „Verfahrens-/Prozesstechnik“ interessant. Mit „Factories of the Future“ möchte die EU-Kommission KMU dabei unterstützen, ihre Produktion durch die Entwicklung und Integration von Basistechnologien der Zukunft, beispielsweise Engineering-Technologien für adaptierbare Maschinen zu verbessern und damit auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Das Programm „Energy-efficient Buildings“ fördert nachhaltige Technologien im Bausektor und wird in Horizon 2020 einen hohen Stellenwert einnehmen. Denn das Lösen gesellschaftlicher Herausforderungen wie die Bereitstellung von erschwinglichen, erneuerbaren Energien, aber auch die Reduzierung des Energiebedarfs gehört zu den Schwerpunkten des neuen Rahmenprogramms. Ein weiterer Fokus von Horizon 2020 zielt darauf ab, die führende Rolle der Industrie in der „Verfahrens- und Prozesstechnik“ zu stärken. Unter diesen Punkt fallen die Bereiche „zukunftsweisende Produktion“ mit „Prozessoptimierung“ und „nachhaltiger Verfahrenstechnik“.

Unterstützung bei der EU-Antragstellung

Die EU hat angekündigt, die Antragstellung in Horizon 2020 zu vereinfachen. Nach wie vor ist es jedoch von Vorteil, sich professionell beraten zu lassen. Gehört mindestens ein bayerischer Partner – Hochschule oder KMU – zum Konsortium, kann die Bayerische Forschungsallianz (BayFOR, www.bayfor.org) unterstützen. Da sie durch das bayerische Wissenschaftsministerium gefördert wird, ist ihr Service kostenfrei.
Die wissenschaftlichen Referenten der BayFOR bieten fachspezifische Informationen, strategische Beratung und aktive Hilfe bei der Projektanbahnung, dem Aufbau von internationalen Forschungskonsortien, der Antragstellung, den Vertragsverhandlungen mit der EU-Kommission und, wenn gewünscht, dem Projektmanagement. Die BayFOR hat erfolgreich in vielen EU-Anträgen mitgewirkt und kann wertvolle Tipps liefern. So arbeitet sie mit den Projektpartnern daran, den Antrag formal und budgetär und vor allem die Forschungsidee sowie das beantragende Konsortium an die Ausschreibung anzupassen.
Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auch darauf gelegt, dass die innovative Projektidee zu markt- und wettbewerbsfähigen Produkten führt, um so einen europäischen Mehrwert zu generieren.

Unternehmen profitieren dabei besonders von der Tatsache, dass die BayFOR eine Partnerorganisation im Enterprise Europe Network (EEN) ist. In diesem von der EU geförderten Netzwerk fungiert sie für Bayern als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und berät insbesondere KMU auch bei der Suche nach Kooperationspartnern für Forschungsprojekte und bei der Antragstellung.

Forschungsschwerpunkte

Horizont 2020

Ab 2014 wird Horizont 2020 alle forschungs- und innovationsrelevanten Förderprogramme der EU-Kommission zusammenführen.

Horizon 2020 – eine Auswahl
Produktion

  • Effizienter Einsatz von Materialien
  • bedienungsfreundliche Produktionsumgebungen
  • innovative Produktionsdienstleistungen
  • sichere Mensch-Maschine-Interaktion
  • wandelbare Produktionssysteme
  • Fügetechniken für Materialien
  • nachhaltiges Recycling
  • Ergometrie von Produktionsanlagen und -prozessen

Energy-efficient Buildings

  • energieeffiziente Werkstoffe für Gebäude
  • Planungswerkzeuge für die Renovierung
  • Massenfertigung von Fertigteilen für die Renovierung
  • neue Selbstdiagnosetechniken für den Konstruktionsprozess
  • Optimierung von Konstruktionsmaterialien
  • adaptive, integrierte Gebäudehüllen
  • Validierung bei der Wohngebäudesanierung

Verfahrens-/Prozesstechnik

  • neue Materialien für die CO2-Umwandlung
  • Ressourcenrückgewinnung
  • Herstellung von Chemikalien mittels erneuerbarer Energien
  • Trennverfahren für die Prozessindustrie
  • katalytische Reaktoren zur Prozess-Intensivierung
  • Rückgewinnung von Mineralien oder Metallen.

Pocaontas untersucht Nanostoffröhrchen

Erfolgreich europäische Fördermittel einwerben konnte zum Beispiel das Projekt Largecells (www.bayfor.org/largecells-projekt), das unter anderem die Produktion organischer Photovoltaik-Module (OPV) optimiert. Innovative Materialien für die Fensterherstellung erforscht das Projekt Harwin (www.bayfor.org/projekt-harwin), während Pocaontas (www.pocaontas-network.eu) den Einsatz von Kohlenstoffnanoröhrchen in der OPV untersucht. Die BayFOR hat diese Projekte in der Antragsphase intensiv begleitet und übernimmt in Largecells und Harwin das Projektmanagement und die Verbreitung der Forschungsergebnisse.

In Pocaontas bietet sie Workshops zu den Themen EU-Forschungspolitik, Projektakquise, erfolgreiche Antragstellung und Öffentlichkeitsarbeit an.
Für eine Beratung zu europäischen, nationalen und regionalen Fördermöglichkeiten gibt es in Bayern das Haus der Forschung (www.hausderforschung.bayern.de). Neben der BayFOR sind hier die Bayerische Forschungsstiftung (BFS), Bayern Innovativ und das Innovations- und Technologiezentrum Bayern (ITZB) als Partner unter einem Dach vereint.

Die BayFOR deckt die EU-Forschungsförderung und bei Bedarf nationale Programme ab. Die BFS fördert wissenschaftlich hochwertige und wirtschaftlich zukunftsträchtige Projekte in Bayern. Bayern Innovativ organisiert Kooperationsplattformen sowie den Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Das ITZB ist Projektträger für bayerische Technologie-Förderprogramme und informiert über Förderprogramme des Bundes. Über die zentrale Hotline 0800 0268724 erhalten Interessierte Auskunft und werden gegebenenfalls an den Partner weitergeleitet, welcher ihnen am besten zur Seite stehen kann.

Sind KMU mit Hilfe einer Forschungsförderung in der Lage, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen, können sie positiv in die Zukunft blicken. Denn damit bleiben sie nicht nur konkurrenzfähig, sondern erschließen neue Märkte und finden strategische Partnerschaften für ihre weitere Entwicklung.

Die BayFOR berät Sie gerne, sprechen Sie sie an: Dr. Panteleïmon Panagiotou, Fachreferatsleiter Informations-/Kommunikationstechnologien, Natur- und Ingenieurwissenschaften, Tel.: 089 9901 888 130, e-Mail: panagiotou@bayfor.org. fa

Autoren: Dr. Panteleïmon Panagiotou und Christine Huber, Bayerische Forschungsallianz

Bild oben links: ag visuell – Fotolia.com