Der Budd-e im Detail, Bild: Volkswagen
Die Konzeptstudie BUDD-e reiht sich zwischen Touran und T6 ein. Der kompakte Mini-VAN basiert dabei auf dem modularen Elektrifzierungsbaukasten. Ein Allrad-Elektroantrieb mit einem Motor pro Achse sorgt vorne für 100 kW und hinten für 125 kW Leistung. Bild: Volkswagen

Volkswagen hat in Las Vegas eine neue Konzeptstudie vorgestellt, die sich zwischen Touran und T6 einreiht: BUDD-e. Der elektrische Freund soll für Sympathie sorgen. Der kompakte Mini-VAN basiert als erstes Fahrzeug auf dem modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB). Spendiert wurde ein Allrad-Elektroantrieb mit je einem Motor pro Achse, der vorne 100 kW und hinter 125 kW leistet. Eine Batteriekapazität von 92,4 kWh soll Fahrten von über 500 Kilometern trotz maximaler Geschwindigkeit von 180 Stundenkilometern ermöglichen. Neue Gleichstrom-Ladetechnologien mit rund 150kW Leistung sollen per Kabel oder induktiv für kurze Ladezeiten sorgen. Die Türen werden dank Infrarotsensoren per Gestensteuerung geöffnet. Der Fahrerbereich ist als Informationszentrale mit einer langen digitalen Anzeigetafel ausgelegt, Funktionen werden per natürlicher Sprache, Berührung oder Gestik – erkannt von Kameras – gesteuert.

Der Budd-e unterwegs in Las Vegas (Quelle: Volkswagen Group)

Als Teil des Internets kann sich das Fahrzeug mit dem Zuhause des Fahrers verbinden und soll so die Steuerung von Heizung, Licht oder Türöffner ermöglichen. Im Fond ist ein 34 Zoll großer Monitor in die Seitenwand integriert. Das abgestellte Fahrzeug kann auch als Postfach dienen. Per Nahfeldkommunikation wird Lieferdiensten der Zugang gewährt. Das Auto wird also zum Kumpel für alle Fälle. Nach den skandalträchtigen Monaten und verbalen Entgleisungen, denen zufolge der Verbraucher nicht belogen, sondern Gesetze nur falsch interpretiert wurden, hat VW diesen selbst bitter nötig. Nicht nur einen Trendsetter, sondern einen echten Freund, der den Wolfsburgern sagt, wie sie ihre Glaubwürdigkeit nachhaltig zurückgewinnen können.

What’s NEXT

Kurz nach Las Vegas wird auch in Detroit hoch gepokert. Der Einsatz der Automobilhersteller misst sich in PS und Protz, vereinzelt ist ein Alibi-Hybrid zu sehen. Henry Fisker setzt auf bombastisches Design und verspottet seine elektrische Vergangenheit mit einem 8,4 Liter Hubraum schweren Egotrip. Einzig GMs Chevrolet Bolt, der noch dieses Jahr auf dem Markt kommen soll, lässt Hoffnung für sauberes Fahren aufkommen.

GMs Chevrolet Bolt, Bild: General Motors
General Motors zeigt mit seinem Chevrolet Bolt seine Idee für ein sauberes Fahren. Er kostet knapp 30.000 Dollar. Bild: General Motors

Dank einem Steuererlass der US-Regierung von 7500 Dollar mit einem Preisschild von knapp unter 30.000 Dollar. Das ist bei dem Zusammenspiel von einer 60kWh-Batterie und einem 150 kW starken Elektromotor, das eine Reichweite von über 300 Kilometer mit Höchstgeschwindigkeit von 146 Stundenkilometern beschert, beachtlich. Wertmutstropfen ist noch die Ladezeit des Bolt von etwa neun Stunden. Den gilt es zu beseitigen. In der Zwischenzeit arbeitet Tesla mit Hochdruck an der Implementierung autonomer Fahrfunktionalität. Die einschlägigen OEM wagen sich vorsichtig an eine schrittweise Erweiterung, während Googles selbstfahrende Autos auf den Straßen in Kalifornien auf und ab kurven.

Doch wo ist die nächste Stufe der Revolution? Keine Iteration von heutigen Systemen, sondern Visionen, die unsere Fortbewegungsart von morgen neu definieren? Sie sind nicht in Las Vegas oder Detroit zu finden, sondern in einem UNESCO-Weltkulturerbe in Europa: Venedig. Next Future Transportation extrahiert einzelne Komponenten der heutigen Mobilität und setzt sie in elektrisch und autonom fahrenden, modular kombinierbaren Einheiten neu zusammen. Daraus entsteht eine Flexibilität, die völlig neue Möglichkeiten bietet und doch bestehende Infrastruktur nutzen kann.

NEXT-Module, Bild: Expo
Die NEXT-Module bieten Platz für sechs Personen. Sie kombinieren unterschiedlichste Funktion wie Logistik, Transport, Unterhaltung, Entspannung oder Büro und Geschäft. Bild: Expo

Die NEXT genannten Module entsprechen in der Grundfläche in etwa einem Smart und sollen Raum für sechs Personen geben. Einheiten unterschiedlichster Funktion wie Logistik, Transport, Unterhaltung, Entspannung oder Büro und Geschäft können on Demand ähnlich einem Zug zusammengesetzt werden. Mit dem Unterschied, dass jede Einheit ihre eigene Zugmaschine ist, die sich intelligent und unabhängig davon wieder lösen kann. Individuelle Mobilität, flexibler öffentlicher Verkehr und flottenoptimiertes Transportwesen zugleich, erweiterbar um Dienstleistungen im Business- und Endkundenbereich.

Nicht verwunderlich, dass aktuell Gespräche mit finanzstarken Spielern aus unterschiedlichen Industriezweigen geführt werden. Erste Karten sind verteilt und der Big Blind gesetzt. Das Pokerspiel um den ersten vorzeigbaren Prototypen, der bereits im nächsten Jahr getestet werden könnte, hat begonnen.

Bereits registriert?